Newsletter

Abonnements

M&A-Fokus IT: Open Source Software gefährdet M&A-Deals

Käufer sollten bei M&A-Deals im Bereich IT auf Risiken durch Open Source Software achten.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Immer mehr Unternehmen setzen auf Expansion im Onlinebereich. Häufig kaufen sie dazu kleinere Firmen auf, die eine innovative Software entwickelt haben. Doch solch ein M&A-Deal birgt versteckte Risiken. Denn oft haben die Programmierer des Targets bei ihrer Arbeit auf Open Source Software zurückgegriffen. Diese ist im Internet frei verfügbar und der Allgemeinheit kostenlos zugänglich. Programmierer, die mit der Erstellung einer neuen Software beauftragt sind, können sich an Open Source Software bedienen, geeignete Bausteine herunterladen und ihre eigene Software so schneller und günstiger fertig stellen.

Allerdings unterliegt auch Open Source Software Lizenzbedingungen – und es existieren Hunderte verschiedener Lizenzen. Gefährlich sind im Rahmen eines M&A-Deals vor allem sogenannte Copyleft-Lizenzen. Sie folgen der Grundidee, dass Software für die Allgemeinheit frei verfügbar sein sollte. Daher sehen manche dieser Lizenzen vor, dass eine unter Verwendung von Open-Source-Bausteinen erstellte Software nur vertrieben werden darf, wenn sie auch anderen Marktteilnehmern unaufgefordert und kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Bereits die Nutzung eines einzigen, womöglich sogar unbedeutenden Open-Source-Bausteins kann diese Pflicht auslösen. Ein Unternehmen das solch eine Software im Rahmen eines M&A-Deals übernimmt, könnte diese nur intern nutzen – ein Vertrieb der Software gegenüber Dritten wäre dagegen nicht möglich.

Open Source Scan vor M&A-Deal

Die Copyleft-Lizenzen lassen häufig offen, was genau unter Vertrieb im Sinne der Lizenz zu verstehen ist. Fest steht: Die kommerzielle Veräußerung einer Kopie der Software gilt als Vertrieb. Was aber gilt, wenn die Software nur an Konzerngesellschaften weitergegeben oder per Cloud Computing vertrieben wird? Obwohl gute Argumente dafür sprechen, dass dadurch die Software nicht vertrieben wird, besteht keine Gewähr dafür, dass ein Gericht dies ebenso bewertet. Auch wenn ein Dienstleister eingesetzt wird, der unter Zuhilfenahme von Open Source Software ein Programm entwickelt und das Ergebnis dem Kunden zur Verfügung stellt, kann dies als Vertrieb angesehen werden. Als Lösungsansatz hat sich etabliert, dass der Auftraggeber die vom Dienstleister einzubauenden Open-Source-Bausteine liefert, also auftraggeberseitig bereitstellt.

Was sollten Käufer und Verkäufer im Vorfeld eines M&A-Deals tun, wenn das Target Software selbst entwickelt oder durch Dienstleister hat entwickeln lassen? Der Verkäufer sollte möglichst früh eine klare Strategie im Umgang mit Open Source Software implementieren. Insbesondere muss er die Programmierer dazu anhalten, den Einsatz von Open-Source-Bausteinen zu dokumentieren, damit eine Risikobewertung möglich ist. Vor Einbau einer Komponente muss der Programmierer schauen, ob die einschlägige Lizenz zu Einschränkungen des Vertriebsmodells führt.
Der Käufer sollte seinerseits im Rahmen der Due Diligence prüfen, welche Risiken bestehen. Dies ist jedoch leichter gesagt, als getan. Da die meisten Verkäufer den Umgang mit Open Source Software in ihrem Unternehmen nicht kontrollieren und dokumentieren, muss ein Käufer in der Regel von einem Dienstleister per Open Source Scan feststellen lassen, an welcher Stelle frei verfügbare Software genutzt wurde und welche Lizenzen dafür gelten. Die Ergebnisse spielen für den weiteren Verlauf des M&A-Deals eine wichtige Rolle: Weiß ein Käufer, welche Risiken ihn im Bereich Open Source Software erwarten, kann er diese Ergebnisse beim Kaufpreis und bei der Vertragsgestaltung, insbesondere im Bereich Garantien, berücksichtigen.

Info

Der Autor

Dr. Marc Hilber ist Experte für IT-Recht und Partner der Kanzlei Oppenhoff & Partner.

Themen
FINANCE Daily Newsletter
Das Wichtigste aus der FINANCE-Welt – täglich direkt in Ihr Postfach.
Jetzt abonnieren »
Jetzt abonnieren »
FINANCE Daily Newsletter