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M&A-Markt: Die neue Normalität

Die Aussichten für den M&A-Markt 2013 sind diffus.
Thinkstock / Getty Images

Vor genau einem Jahr war sich die Branche einig: Das M&A-Jahr 2011 war so mager, da musste 2012 einfach besser werden. Doch die Hoffnungen wurden enttäuscht. Und die Aussichten für 2013 sind ähnlich diffus. Die meisten Konzernstrategen warten ab. Dabei sind die Voraussetzungen für Unternehmen, die sich an den M&A-Markt trauen, gar nicht so schlecht. Weil Private-Equity-Investoren mangels Finanzierung bei den meisten M&A-Deals nach wie vor auf die Zuschauerränge verbannt sind, treffen strategische Käufer aktuell oft auf wenig Konkurrenz. „Vor 2009 haben regelmäßig PE-Investoren die Preise bei M&A-Deals in die Höhe getrieben.

Darunter haben auch strategische Interessenten gelitten. Zurzeit kommen Finanzinvestoren nur noch selten – im Wesentlichen bei kleineren und mittelgroßen Transaktionen und Distressed-Deals – zum Zuge“, beobachtet Ansgar Rempp, Partner der Anwaltssozietät Jones Day. Trotzdem drängen die Strategen nicht in Scharen an den Markt. Insbesondere Vorstände börsennotierter Unternehmen fürchten, dem Unternehmen in unsicheren Zeiten womöglich ein Risiko einzukaufen und dafür schlimmstenfalls zur Verantwortung gezogen zu werden. Der Großteil der M&A-Deals wird sich wohl auch 2013 maximal im dreistelligen Millionenbereich bewegen, mit besonderer Aktivität in den Branchen Chemie und Pharma.

M&A-Deals: Data rooms füllen sich

Doch immerhin sind auch in Europa zumindest einige Transaktionen in Vorbereitung, wie der Dealflow-Indikator des Data-Room-Dienstleisters Intralinks zeigt. Er erfasst alle Verkaufsmandate, die das Due-Diligence-Stadium erreichen. Nach drei Quartalen der Stagnation ist der Indikator am Ende des zweiten Quartals 2012 erstmals deutlich angestiegen: Für Europa nahm der Indikator im Vergleich zum Vorquartal und auch zum Vorjahr jeweils um gut 20 Prozent zu.

„Das ist ein deutliches Zeichen, dass wieder mehr M&A-Deals an den Markt gebracht werden“, sagt Philip Whitchelo, Vice President bei Intralinks. Auch wenn es nicht alle Transaktionen bis in die heiße Phase schaffen werden, ein guter Teil der Pipeline dürfte bald sichtbar werden. „In der Regel werden die M&A-Deals etwa sechs bis neun Monate nach ihrem Auftauchen in unserem Indikator öffentlich“, sagt Whitchelo. Wenn seine Prognose stimmt, sollte sich dies im ersten Quartal 2013 positiv bemerkbar machen.

Allerdings beobachten andere Studien gegenläufige Effekte. Einer Analyse von Bureau van Dijk zufolge liegt die Zahl der Gerüchte über bevorstehende M&A-Deals um 14 Prozent niedriger als vor einem Jahr – die Zahl der M&A-Deals dürfte demnach eher auf einem niedrigen Niveau verharren.

Preiskampf bei M&A-Beratern

Diesen Impuls könnte der M&A-Markt gut gebrauchen, denn langsam beginnen auch die Berater ernsthaft unter der Flaute zu leiden, wenn auch nicht alle gleich. Besonders groß ist der Druck bei einigen M&A-Beratern. Die Angst vor einem Preiskampf hat die Branche erfasst, wie aus dem Markt zu hören ist. Die Big Four drängten zunehmend in den Bereich Transaction Services/M&A und sorgten für zusätzliche Konkurrenz.

Zudem häufen sich Berichte, wonach M&A-Mandate zu Discountkonditionen erteilt werden. Aus Sicht der Unternehmen ist ein Preiskampf mit sinkenden Gebühren zunächst einmal nichts Schlechtes – allerdings nur, solange die Qualität nicht leidet. Werden Mandate mit jungen M&A-Beratern besetzt, damit sich niedrig bepreiste Mandate rechnen, schlägt sich das beispielsweise oft in schlecht strukturierten und kryptisch formulierten Due-Diligence-Berichten nieder.

Lange Prozesse erschweren M&A-Deals

Auch an den Banken geht die dürre Auftragslage nicht spurlos vorbei. Wie die M&A-Berater verdienen sie nur bei erfolgreich abgeschlossenen M&A-Deals richtig mit und leiden, wenn in einem volatilen Marktumfeld die Anzahl an Transaktionen zurückgeht oder sie sich mit kleineren M&A-Deals begnügen müssen. Den Kollegen in der Rechts- und Due-Diligence-Beratung bereitet die aktuelle Konstellation mit vielen kleinen, aber wenig großen M&A-Deals dagegen kaum Probleme.

Im Gegenteil: Oft sind kleine M&A-Deals sogar komplexer und aufwendiger. Häufig wird dann jeder Firmenwagen, jedes Büromöbel, jeder Kopierer einzeln gezählt und veranschlagt. Für die Rechtsberater ist dies ein Vorteil: Während Investmentbanker und M&A-Berater schnell zum erfolgreichen Abschluss – und damit zur Success Fee – kommen wollen, rechnen Anwälte und Due-Diligence-Berater die aufgebrachte Zeit ab.

Das treibt die Transaktionskosten – und kann manchen M&A-Deal dadurch auch zum Scheitern bringen. Durch ausufernde Transaktionskosten werden die M&A-Deals noch lange nicht besser. Dass es im kommenden Jahr bedeutend einfacher wird, ist nicht zu erwarten. 2013 dürfte erneut ein eher mageres M&A-Jahr werden, mit den negativen Folgen für die M&A-Prozesse.

sabine.reifenberger(*)finance-magazin(.)de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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