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M&A-Markt löst sich aus Corona-Schockstarre

Unternehmen sehen wieder Licht am Ende des Tunnels beim Thema M&A. Nur, wie lang der Tunnel noch ist, weiß keiner so genau.
hamish - stock.adobe.com

Das Coronavirus hat die Corporate-Finance-Welt noch immer fest im Griff. Die Luft anhalten und abwarten, bis alles wieder beim Alten ist, ist für viele Unternehmen aber keine Option – auch nicht beim Thema M&A. Deshalb wagen sich die deutschen Unternehmen langsam wieder an die Deals heran, wenngleich mit großer Vorsicht.

Das ist eines der Kernergebnisse des neuen FINANCE M&A Panels, für das FINANCE gemeinsam mit der internationalen Wirtschaftskanzlei CMS leitende Mitarbeiter aus den M&A-Abteilungen deutscher Unternehmen sowie Investmentbanker und M&A-Berater anonym zu ihrer Markteinschätzung befragt hat.

Corporates investieren mehr Zeit in Dealsourcing

Das nur langsame Wiederherantasten an den M&A-Markt hat vor allem einen Grund: Transaktionen sind derzeit Corona-bedingt sehr unsicher. Fast jeder zweite M&A-Experte ist der Meinung, dass die Deals im Vergleich zum Jahresbeginn ein wenig unsicherer geworden sind, knapp ein Drittel hält sie sogar für erheblich unsicherer. Nur rund ein Viertel spürt keinen Unterschied.

Die Unsicherheit kommt dabei nicht von ungefähr: Ehemals äußerst attraktive Targets können durch die Krise geschwächt sein, einstige finanzstarke Käufer ebenfalls. Um bei der Suche nach einem attraktiven Übernahmeziel oder einem finanzkräftigen Investor auf Nummer sicher zu gehen, wollen sowohl Käufer als auch Verkäufer mehr Zeit in den M&A-Prozess investieren.

Beispiel Käuferseite: Weil es schwieriger geworden ist, wirtschaftlich stabile Assets zu finden, wollen mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen in den kommenden sechs Monaten mehr Zeit als noch vor einem Jahr in ihr Dealsourcing investieren. Knapp ein Drittel der Befragten schätzt den Aufwand für die Target-Suche im kommenden halben Jahr genauso hoch ein wie noch vor einem Jahr. Lediglich 12 Prozent erwarten, dass sie künftig weniger Zeit für das Dealsourcing aufwenden werden – vielleicht auch deshalb, weil sie den M&A-Markt gar nicht aktiv sondieren, sondern lediglich zurückhaltend beobachten.

Coronakrise verstärkt M&A-Interessenskonflikte

Auch bei der Due Diligence agieren die befragten Unternehmen derzeit nach dem Motto „Vorsicht ist besser als Nachsicht“: Fast die Hälfte der befragten Corporate-M&A-Professionals wird in den kommenden sechs Monaten mehr Zeit in die Due Diligence investieren als noch vor einem Jahr. Der etwas größere Teil der befragten Unternehmen sieht sich Due-Diligence-seitig aber schon gut aufgestellt und will den Aufwand nicht erhöhen.

Nach der Target-Suche und der Prüfung des Unternehmens beginnt die heiße Phase der M&A-Verhandlungen. Die Gespräche sind derzeit für beide Seiten nicht einfach: Käufer wollen mögliche Kriseneffekte auf das Zielunternehmen bereits in den Kaufpreis einberechnen, während Verkäufer behaupten, es handele sich nur um einen kleine Corona-Delle, die sich nicht negativ auf den Kaufpreis auswirken dürfe.

Das zeigen auch die Ergebnisse des FINANCE M&A Panels: Von den Unternehmen, die sich derzeit als Käufer sehen, versucht knapp ein Drittel, sich mit Mechanismen zur Kaufpreisanpassung – wie Earn-outs – abzusichern. 15 Prozent der Käufer setzen in der aktuellen Situation auf spezifische MAC-Klauseln, 12 Prozent von ihnen versuchen sogar, Teile des Kaufpreises einzubehalten. Rund ein Drittel der befragten Käufer geht zudem mit strengeren Anforderungen in die Prüfung des Targets.

Verkäufer setzen bei M&A auf Locked-Box-Mechanismen

Doch auch die Verkäuferseite versucht mit allen Mitteln, Vertragsbedingungen zu den eigenen Gunsten auszuhandeln. Ein Viertel der M&A-Experten, die sich derzeit als Verkäufer sehen, will sich gegen die derzeitigen Marktunsicherheiten mit Locked-Box-Mechanismen schützen. Knapp ein Drittel von ihnen versucht, aufschiebende Bedingungen nur dann zu vereinbaren, wenn sie gesetzlich notwendig sind. 8 Prozent der befragten Verkäufer bevorzugen Treuhandkonten anstatt dass Kaufpreise einbehalten werden.

CMS-Corporate-Partner Thomas Meyding glaubt, in dem aktuellen Verhalten der Unternehmen ein Muster zu erkennen: „Schon während der Finanzmarktkrise gab es einen starken Anstieg von Transaktionen mit festen Kaufpreisen und ohne Kaufpreisanpassungsmechanismen – regelmäßig in Kombination mit Locked-Box-Mechanismen. Auch höhere Haftungshöchstgrenzen für Garantieansprüche waren zu verzeichnen.“

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Jetzt als FINANCE-User das M&A-Panel als PDF herunterladen:

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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