Newsletter

Abonnements

M&A-Parteien werden streitlustiger

Die häufigsten Streitpunkte sind die Transaktionssicherheit, der Kaufpreis und die Gewährleistungen.
Thinkstock / Getty Images

Die Bereitschaft von M&A-Parteien, Streitigkeiten im Nachgang von abgeschlossenen Deals juristisch auszufechten, steigt. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer gemeinsamen Studie der Anwaltssozietät Baker & McKenzie und dem Beratungsunternehmen Alvarez & Marsal. Im Rahmen der Studie wurden 80, im Transaktionsmarkt besonders aktive Unternehmen, zu Post-M&A-Streitigkeiten befragt.

Zwar sei es in der Vergangenheit nur bei etwa zehn Prozent der Transaktionen zu Streitigkeiten gekommen. Über drei Viertel der befragten Unternehmen geht jedoch davon aus, dass die Anzahl der Streitigkeiten und die Entschlossenheit der Parteien Ansprüche geltend zu machen, steigt. Allerding sei der organisatorische Rahmen für die Aufdeckung von Ansprüchen nach Abschluss der Verhandlungen noch in der Entwicklung, heißt es in der Studie.

Während die Deal-Parteien auf die Due Diligence und die Vertragsverhandlungen vor Abschluss einer Transaktion professionelle Ressourcen und große Sorgfalt verwenden, würden sie bei Streitigkeiten nach dem Closing eher reaktiv und unstrukturiert handeln. Eine systematische Überprüfung, inwieweit das Target dem vorher intensiv verhandelten vertraglichen Zustand entspricht, finde kaum statt. Mögliche Ansprüche würden eher zufällig entdeckt. Die häufigsten Steitpunkte waren der Studie zufolge bislang die Transaktionssicherheit, der Kaufpreis und die Gewährleistungen.

Streit nach M&A-Deals: Schiedsverfahren dominieren

Als Hemmschuh bei der Verfolgung einmal aufgedeckter Ansprüche erwiesen sich vor allem unklare vertragliche Bestimmungen sowie Schwierigkeiten bei der Begründung und Quantifizierung des Schadens. Klare und eindeutige Regelungen in den M&A-Verträgen würden Auseinandersetzungen zwar nicht vollständig vermeiden. Sie könnten die damit zusammenhängenden Kosten jedoch signifikant reduzieren.

„Die Studie zeigt, dass Unternehmen, die sich diesem Thema strukturiert zuwenden, bessere Ergebnisse erzielen. Sie zeigt aber auch die Ineffizienzen und den Reformbedarf auf, der im Bereich der Schieds- und Schiedsgutachterpraxis für M&A-Streitigkeiten besteht“, sagt Florian Kästle, Partner der deutschen M&A-Praxisgruppe.

In der Praxis dominieren bei Post-M&A-Streitigkeiten Schiedsverfahren wegen der kürzeren Verfahrensdauer und dem besseren Verständnis für M&A-Themen. Allerdings sind Schiedsverfahren oftmals ineffizient – unter anderem wegen der unbeschränkten Sachverhaltsermittlung und Beweiserhebung oder wegen einer Vielzahl eingebrachter Sachverständigengutachten. Hier müsse nachgebessert werden, fordert Kästle.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

Themen