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M&A-Schlammschlacht in Österreich

IMMOFINANZ AG

Der österreichische Immobilienkonzern Immofinanz will den Wettbewerber S Immo übernehmen. Doch der Deal entwickelt sich zur Schlammschlacht zwischen den beiden miteinander verbandelten Häusern. Beide Immobilienkonzerne sind bereits am jeweils anderen beteiligt.

Immofinanz hat die „Abwehr“ des Angebots durch das S-Immo-Management in einer heute veröffentlichten Mitteilung unter dem Titel „Zurück zu den Fakten“ heftig kritisiert. Auslöser der Reaktion: Der Vorstand und Aufsichtsrat des Übernahmekandidaten S Immo hatte am vergangenen Donnerstag der Übernahmeofferte seines Großaktionärs eine deutliche Absage erteilt. Der gebotene Preis von 22,25 Euro je Aktie sei nicht akzeptabel. Dabei hatten die Wiener ihr Angebot bereits erhöht, ursprünglich wollten sie nur 18,04 Euro je Aktie zahlen.

Der Vorwurf: Immofinanz biete den Aktionären noch nicht einmal den Wert, zu dem der Großaktionär S Immo in seinen eigenen Büchern führe, hatte S-Immo-Vorstandschef Bruno Ettenauer betont. Der Vorstand empfiehlt seinen Aktionären daher, die Veröffentlichung des Ergebnisses einer Bewertung des Immobilienportfolios abzuwarten, bevor sie über die Annahme des Angebots entscheiden. Diese Bewertung soll in den kommenden Wochen vorliegen.

S-Immo-Vorstand präsentiert „Stand-alone-Basis“

S Immo könne zudem auch im Falle eines Scheiterns der geplanten Übernahme durchaus auf Stand-alone-Basis erfolgreich weitermachen, so Ettenauers Signal an die Aktionäre. „Die S Immo ist alleine ertragsstark und zukunftsfähig“, betont er. Sollte der Deal nicht zustande kommen, so will S Immo eine „Entflechtung“ der Gesellschaften anstreben. Das umfasst den Verkauf der S-Immo-Beteiligungen an Immofinanz (10 Prozent) sowie an der CA Immo (6 Prozent). Die Offerte der Konkurrenz sei vor diesem Hintergrund „einer Stand alone-Variante deutlich unterlegen“.

Das sieht man bei der Immofinanz anders: Das „Stand-alone-Szenario“ für S Immo konserviere lediglich die Ertragsschwäche und berge für deren Aktionäre erhebliche Umsetzungsrisiken, heißt es in der Reaktion aus Wien. Der potentielle Käufer verteidigt auch den angebotenen Preis als „höchst attraktiv“. Er entspräche einer Prämie von 40,3 Prozent auf den volumengewichteten 6-Monats-Durchschnittskurs vor Bekanntgabe der Angebotsabsicht.

Streit um das Höchststimmrecht

Streit gibt es zudem um das in der Satzung der S Immo festgelegte Höchststimmrecht, über dessen Streichung der Großaktionär bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 24. Juni abstimmen lassen will – noch vor Ablauf der Annahmefrist für das Übernahmeangebot Mitte Juli. Dieses legt fest, dass kein Aktionär mehr als 15 Prozent der Stimmrechte ausüben darf, selbst wenn er mehr Anteile besitzt. Als größter Einzelaktionär hält Immofinanz aktuell 26,5 Prozent der S-Immo-Anteile, gefolgt von den Investoren Aggregate mit 10,78 Prozent und Eurovea mit 5,21 Prozent. Die übrigen 57,52 Prozent der Anteile befinden sich im Streubesitz.

Nach Ansicht des S-Immo-Vorstandes sollen die Aktionäre erst dann über das Höchststimmrecht abstimmen, wenn der Ausgang des Übernahmeangebots feststeht. Immofinanz hält dagegen: „Dadurch versucht der S-Immo-Vorstand entgegen den Aktionärsinteressen weiterhin den Hauptversammlungsbeschluss für die Angebotsbedingung zu verhindern, damit das Angebot – mangels Erfüllung der Angebotsbedingung – allenfalls wegfällt und die S-Immo-Aktionäre nicht selbst über die Annahme entscheiden können.“

Immofinanz betont zudem, man habe durch die Transaktionsstruktur gesichert, dass das Höchststimmrecht auch nach einem entsprechenden Beschluss nur bei einem erfolgreichen Übernahmeangebot aufgehoben werde. Scheitert der Deal, so bleibt das Höchststimmrecht demnach weiterhin bestehen.

Annahmefrist läuft bis 16. Juli

Bis zum 16. Juli haben die Aktionäre von S Immo noch Zeit, um sich für oder gegen das Angebot zu entscheiden. Für S Immo und Immofinanz werden die nächsten Wochen deshalb zum Showdown dieser Übernahmeschlacht. Für die beiden Konzerne ist es längst nicht das erste Mal, dass ein Zusammenschluss im Raum steht. Auch in den vergangenen Jahren hatte es Gespräche darüber gegeben, die aber gescheitert sind.

Ein Fürsprecher des Deals scheint der aktivistische Investor Petrus Advisers zu sein. Der Chef des Hedgefonds hat sich im November vergangenen Jahres Medienberichten zufolge dafür ausgesprochen, dass Immofinanz eine Übernahme wieder anstreben sollte und Immofinanz-Chef Ronny Pecik kritisiert. Die Person des Immofinanz-Chefs war in den vergangenen Wochen zudem immer wieder Thema der Berichterstattung. Die Gemengelage ist komplex: Es geht unter anderem auch um den Verkauf eines von ihm gehaltenen Immofinanz-Aktienpakets. Es scheint unklar, ob die Transaktion tatsächlich vollzogen werden kann. Falls ja, so hat der CEO seinen Rücktritt angeboten.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.

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