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Megafusion von Lafarge und Holcim gerettet

Die Nachverhandlungen von Holcim waren erfolgreich. Die geplante Fusion mit Lafarge wird vollzogen - zu für Holcim besseren Konditionen.
Holcim

Das im April 2014 offiziell bekanntgegebene Projekt, einen globalen Marktführer in der Zementbranche zu schaffen, wird nun doch realisiert: Die Verschmelzung der französischen Lafarge mit dem Schweizer Holcim-Konzern wird definitiv stattfinden, wie die Unternehmen heute bekannt gaben. Die beiden Unternehmen belegen die Plätze 1 und 2 in der globalen Zementindustrie.

Der Mega-Merger ist auf der Zielgeraden in den vergangenen Wochen noch schwer ins Stocken geraten. Verantwortlich dafür waren zwei Dinge: Die bessere Performance von Holcim in der zweiten Jahreshälfte und das den Schweizern negativ aufgestoßene Auftreten des auserkorenen Konzernchefs Bruno Lafont.

Triumph für Ex-Linde-Chef Wolfgang Reitzle

In beiden Punkten haben die Franzosen jetzt eingelenkt: Statt eines Aktientauschs im Verhältnis 1:1 bekommen die Holcim-Aktionäre für 9 Holcim-Aktien nun 10 Lafarge Aktien. Zudem wird Lafarge-CEO Bruno Lafont nicht wie geplant die Führung des Konzerns übernehmen. Stattdessen soll ein neuer CEO eingesetzt werden, der von Lafarge vorgeschlagen und von Holcim akzeptiert werden soll. Bis zum 7. Mai sollen die erforderlichen Beschlüsse zur Durchführung des Zusammenschlusses den Holcim-Aktionären zur Abstimmung vorgelegt werden, der Vollzug soll dann im Juli erfolgen.

Die aus Sicht der Schweizer deutlich nachgebesserten Bedingungen können als Erfolg für den deutschen Verwaltungspräsidenten von Holcim, den früheren Linde-Chef Wolfgang Reitzle, gewertet werden. Reitzle wird künftig gemeinsam mit Lafont als nicht-exekutiver Co-Verwaltungsratspräsident fungieren und damit das Top-Management unter dem noch nicht ernannten neuen Konzernchef eng begleiten.

LafargeHolcim wird unangefochtener Weltmarktführer

Holcim erzielte 2014 einen Umsatz in Höhe von 19,1 Milliarden Franken (rund 18 Milliarden Euro), wovon als operativer Gewinn (Ebit) 2,2 Milliarden Schweizer Franken (rund 2,085 Milliarden Euro) übrig blieben.

Die Franzosen wiesen im Jahresbericht 2014 Umsätze von 12,8 Millionen Euro aus bei einem Ebit von 1,5 Milliarden Euro. Pro forma errechnet sich daraus für den neu formierten Konzern ein Umsatz von 30,8 Milliarden Euro und ein Ebit von 3,7 Milliarden Euro. Allerdings ist auf Druck der Kartellbehörden schon der Verkauf von Geschäftseinheiten an den irischen Wettbewerber CRH eingeleitet worden, die einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 744 Millionen Euro auf sich vereinen.

Doch auch danach wird Lafarge-Holcim unangefochten den Weltmarkt anführen. Mit dem Deal würde Lafarge-Holcim einen Verkaufserlös in Höhe von 6,5 Milliarden Euro realisieren, was einem Multiple von 8,7x Ebitda entspricht. Die CRH-Eigentümer werden im April über die Transaktion abstimmen.

Heidelcement wollte Lafarge-Holcim-Assets nicht übernehmen

Anfangs war auch der deutsche Zementhersteller Heidelberg Cement an den zum verkauf stehenden Lafarge- und Holcim-Geschäften interessiert, hatte sich dann aber mit Verweis auf eine hohe Bewertung aus dem Verkaufsprozess zurückgezogen. Heidelcement plant für 2015 ein starkes Wachstum aus eigener Kraft: Umsatz und operatives Ergebnis sollen um mindestens 10 Prozent zulegen.

Die nach dem Kauf des US-Konzerns Hansons 2008 auf über 14 Milliarden angeschwollene Nettoverschuldung hat der Dax-Konzern inzwischen bis auf 5,7 Milliarden Euro abgebaut. Heidelcement-CFO Lorenz Näger hofft jetzt darauf, dass die Ratingagenturen den Konzern in den Investment-Grade-Bereich hochstufen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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Erfahren Sie mehr über die Karriere-Highlights von Heidelcement-CFO Lorenz Näger auf seinem CFO-Profil FINANCE-Köpfe.

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