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Metzler Corporate Finance will wieder wachsen

Metzler Corporate Finance will in der M&A-Beratung mit einer neuen Strategie wieder wachsen.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Der Konkurrenzdruck am deutschen M&A-Markt ist so hoch wie lange nicht. Die Ansprüche der Unternehmen an die Beraterzunft steigen, immer mehr Themen werde mit Inhouse-Teams abgedeckt. Obwohl die Finanzierungslage in vielen deutschen Unternehmen komfortabel ist, blieb der M&A-Markt im ersten Halbjahr unter den Erwartungen. In diesem Umfeld sucht auch Metzler nach einem Weg, sich von den Wettbewerbern abzugrenzen. „Wir treten frühzeitig in die strategische Debatte mit den Kunden ein, denken stärker branchenübergreifend und haben das komplette Spektrum an Corporate Finance Services im Blick“, sagt Hans Günter Wolf, Co-Head Corporate Finance, über die Strategie.

Metzler Corporate Finance sieht sich im Vorteil

Wie Megatrends sich auf Branchen und Unternehmen auswirken, wie einzelne Industrien zueinander stehen – all dies hat Auswirkungen auf eine M&A-Strategie. Als Strategieberater sieht Wolf sein Haus nicht. Wohl aber möchte er es als Ansprechpartner etablieren, der sich an kreativen Vorschlägen versucht, und nicht nur Listen mit möglichen Übernahmezielen durchgeht. „M&A-Beratung ist eine umfassende und komplexe Transaktionsberatung, die sich nicht rein auf das Abarbeiten potentieller Targetlisten fokussieren sollte. Hier sehe ich uns als Bankhaus aufgrund unserer Strukturen, aber auch des Know-hows beispielsweise durch eigenes Research, im Vorteil gegenüber zahlreichen Wettbewerbern“, sagt er selbstbewusst.

Sein Ziel ist es, das Haus bei der Unternehmensleitung als einen Ansprechpartner zu positionieren, der Ideen in die strategische Diskussion einbringt. Andere Beratungshäuser dürften allerdings ähnliches versuchen. Die Bedeutung strategischer Themen ist Wolf auch aus vorherigen Stationen vertraut. Vor seinem Wechsel zu Metzler im vergangenen November war er bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte tätig, zuletzt als Partner im Bereich Corporate & Market Strategy.

Ob und wann eine frühzeitige Strategiedebatte im M&A-Bereich in ein konkretes Mandat aus dem Unternehmen mündet, ist freilich offen. „Vieles ist zunächst einmal eine Vorleistung“, räumt Wolf ein. „Für den Berater bietet sich aber die Chance, sich im Kontakt mit dem Kunden von den Wettbewerbern positiv abzuheben.“ 

Team soll wieder wachsen

Mit der ehrgeizigen Strategie ist das Anforderungsprofil an die Mitarbeiter gewachsen. Mitarbeiter sollen von einer gewissen Position an auch direkte Verantwortung für ihre Zielkunden übernehmen. „Die Mitarbeiter sollen sich nicht auf die reine Deal Execution konzentrieren, sondern stärker in den Dialog mit Kunden treten und den Kontakt pflegen“, sagt Wolf. Zurzeit sucht er mit seinen Vorstandskollegen nach Verstärkung für das Team. Vor rund einem Jahr musste der M&A-Bereich von Metzler mehrere Abgänge verkraften, darunter den von Wolfs Vorgänger Claus Peter, der inzwischen bei Leonardo & Co. angeheuert hat.

Der Aderlass war kräftig: Metzler Corporate Finance, das in seiner Hochphase rund 40 Mitarbeiter zählte, hat derzeit 22 Mitarbeiter. Zwar will das Haus grundsätzlich wieder wachsen, Details dazu nennt es aber nicht, die Formulierung der nächsten Schritte bleibt vage. „Kurz- bis mittelfristig arbeiten wir intensiv an der Umsetzung unserer Wachstumsziele – zurzeit schaffen wir die Voraussetzungen für die nächsten Jahre durch eine positive Umsatzentwicklung sowie die zielgerichtete Weiterentwicklung des Teams. Nach einem rund einjährigen Umsetzungs- und Kommunikationsprozess im Markt sind wir auf einem guten Weg“, sagt Wolf.

Dass sich die Lage am deutschen M&A-Markt in den nächsten Jahren wieder deutlich entspannt, glaubt er dagegen nicht. „Die Anzahl der Deals bleibt auf heutigem Niveau, das Gesamtvolumen wird durch einige Großtransaktionen beeinflusst, und letztlich werden sich auch Parameter wie Einkommen in der Branche tendenziell eher nach unten bewegen. Der Markt wird hoch kompetitiv bleiben“, vermutet er. Wie so viele andere M&A-Beratungshäuser will auch Metzler gegen den Markttrend wachsen und Marktanteile gewinnen. Der Wettbewerbsdruck wird weiter hoch bleiben.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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