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Nach Opel-Kauf: Peugeot will hunderte Millionen zurück

Der Ampera-e ist für Opel ein teures Vergnügen, aber er ist nötig, um die Abgaswerte einzuhalten.
Opel

Die milliardenschwere Übernahme des chronisch defizitären Autobauers Opel durch PSA Peugeot Citroën könnte vor Gericht landen. Die Franzosen wollen laut der Nachrichtenagentur Reuters zwischen 600 und 800 Millionen Euro vom früheren Eigner General Motors zurückfordern. PSA hatte vor vier Monaten 1,3 Milliarden Euro für Opel bezahlt. Hinzu kamen 900 Millionen Euro für das Finanzierungsgeschäft GM Financial.

Vier Monate nach Vollzug der Übernahme gab es nun offenbar ein böses Erwachen in Paris: PSA sei jetzt in vollem Ausmaß klar geworden, wie schwer es für Opel werde, die absehbar strengeren Abgasvorschriften in Europa einzuhalten und so Millionenstrafen zu vermeiden, berichtete Reuters unter Berufung auf Insider. PSA sehe sich von GM in den Verkaufsverhandlungen getäuscht und erwäge deshalb rechtliche Schritte. Der französische Autobauer wollte den Bericht nicht kommentieren.

PSA und GM streiten über Opels Abgaswerte

Vom Jahr 2021 an dürfen die Neuwagenflotten der Autohersteller in der EU im Schnitt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid je Kilometer ausstoßen. Reißen sie diesen Grenzwert, drohen empfindliche Strafen. Und das dürfte nur der Anfang sein: Die EU-Kommission hat erst kürzlich eine weitere Absenkung der Grenzwerte um 30 Prozent bis 2030 gefordert.

Zwar habe Opel habe einen Plan zur Einhaltung der Abgasvorschriften verfolgt, berichtet Reuters. Der basiere aber auf hohen Absatzzahlen des Elektroautos Ampera-e, das einen Verlust von annähernd 10.000 Euro pro verkauftem Fahrzeug einfahre.

Für Peugeot sind das schlechte Nachrichten: Zieht man den Verlustbringer Ampera-e aus dem Verkehr, dürfte Opel die CO2-Grenzwerte den Insidern zufolge deutlich überschreiten. Strafen bis zu 1 Milliarde Euro werden kolportiert. Setzt der neuen Eigner der Rüsselheimer dagegen weiter auf das Elektroauto, dürfte der strikte Sparplan von PSA-Chef Carlos Tavares nicht zu halten sein. Denn dieser sieht – unter anderem – eine Einstellung des Ampera-e vor, der noch auf Technik von General Motors beruht.

Bereits 2019 soll der neue Opel-CFO – das PSA-Eigengewächs Philippe de Rovira – so im operativen Geschäft mindestens eine schwarze Null verkünden können. So lautet das ehrgeizige Ziel des erfahrenen Sanierers Tavares.

PSA-Chef Tavares sieht „dramatische Lage“ bei Opel

Völlig neu sind die Abgasprobleme bei Opel nicht: Bereits als Tavares und Opel-Chef Michael Lohscheller vor drei Wochen den Sanierungsplan für den seit 20 Jahren fast durchgängig defizitären Autohersteller vorstellten, wählten die zwei Manager klare Worte. „Uns ist ein paar Wochen nach Abschluss des Deals klar geworden, dass die Firma bei den CO2-Zielen an die Wand fährt”, sagte Tavares damals. Opel sei „in einer dramatischen Lage”. Diese führt nun offenbar zu einer Neubewertung des Kaufpreises.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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