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PE-Investor Kingsbridge gibt Kunert-Mehrheit an Grossnigg ab

Grossnigg übernimmt via Asetdeal die Mehrheit an Strumpfhersteller Kunert.
Finance

Kunert ist aus der Insolvent verkauft: Im  Zuge einer „übertragenden Sanierung“ übernimmt der österreichische Investor Erhard F. Grossnigg den Strumpfhersteller. Kunert wird zukünftig über die neu gegründete Kunert Fashion GmbH gesteuert und erhält eine neue Geschäftsführung mit Fritz Hinterberger, Wilhelm Haböck und Constantin Wunn. Der seit 2006 amtierende Vorstand Hermann de Jong verlässt das Unternehmen hingegen – „im guten Einvernehmen“ mit den Investoren, wie es heißt. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz dankte de Jong für seinen unermüdlichen Einsatz.

Der nicht bezifferte Kaufpreis fließt der Insolvenzmasse der Kunert Fashion GmbH als Verkäuferin zu, teilte das Unternehmen mit. Daher erhöht sich die Insolvenzmasse auch nur für die GmbH, nicht aber für die AG. Kunert AG und Kunert Fashion GmbH werden durch die Transaktion zu wertlosen Hüllen. Grossnigg und PE-Investor Kingsbridge, dessen Anteil nach wie vor bei über 25 Prozent liegt, sichern eine Liquiditätsspritze von rund 10 Millionen Euro zu.
Für Kunert soll damit ein zehn Jahre währendes Siechtum zum Ende gehen. Kingsbridge war 2005 bei Kunert eingestiegen und hatte bislang wenig Freude mit dem Investment: Es folgten mehrere Restrukturierungsrunden und Kapitalschnitte, in denen die Investoren erhebliche Zugeständnisse machen mussten. Doch es half alles nichts: Nach dem Schutzschirmverfahren ging Kunert Ende April in die reguläre Insolvenz.

Grossniggs Rolle bei Praktiker ist undurchsichtig

Der Umsatz war zuletzt noch immer rückläufig, das Geschäft schrieb rote Zahlen. Die Eigenkapitalquote sank von 2010 bis zum ersten Halbjahr 2012 (nach ungeprüften Zahlen) von 13,4 auf 1,6 Prozent. Die anhaltenden operativen Verluste führten zu einem weiteren Anstieg der Verschuldung auf zuletzt 44,2 Millionen Euro.

Mit Grossnigg kommt bei Kunert ein alter Bekannter zum Zuge, der auf die erfolgreiche Restrukturierung der österreichischen Huber-Gruppe, einem Wäsche-Hersteller, verweisen kann und auch bei Stiefelkönig im Rennen war. Dabei ist er Beobachtern zufolge als beinharter Verkürzer der Passivseite aufgefallen, der den Gläubigern erhebliche Forderungsverzichte abgerungen hat. Dies dürfte er auch bei Kunert versuchen, gefragt sind jedoch vor allem auch operative Verbesserungen. In Deutschland steht Grossnigg durch seine Rolle als Aufsichtsratschef bei Praktiker im Mittelpunkt. Bei der Konzernrefinanzierung der Baumarktkette Ende 2012 über die Wiener Privatbank Semper Constantia, deren Aufsichtsratsvorsitzender und Aktionär Grossnigg ebenfalls ist, und das zypriotische Investmentvehikel Maseltov, blieb seine Rolle allerdings undurchsichtig.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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