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PE-Investoren erwarten Ende des Dealstaus

Douglas-Filiale: Bricht die Übernahme von Douglas durch Advent International den Deal-Stau am deutschen PE-Markt auf?
Douglas

Für den deutschen Private-Equity-Markt könnte 2013 zu einem richtungsweisenden Jahr werden. Nachdem sich die Vielzahl an PE-Investoren, die es in Deutschland inzwischen gibt, in den vergangenen Jahren um zu wenige M&A-Deals gestritten hat, setzen die Finanzinvestoren jetzt auf eine Trendwende. Für das laufende Jahr erwarten die PE-Investoren sowohl aus den eigenen Reihen als auch von Konzernen mehr Unternehmensverkäufe als im Vorjahr.

Gleichzeitig sind zahlreiche PE-Häuser nach anonymer Auskunft ihrer Geschäftsführer in den vergangenen Wochen ins Käuferlager gewechselt, wie die aktuellen Ergebnisse des FINANCE Private Equity Panels zeigen, für die FINANCE regelmäßig mit CMS Hasche Sigle die Chefs von rund 40 PE-Häusern befragt. So sehen sich aktuell nur noch 38 Prozent der PE-Häuser eher auf der Verkäuferseite, während es im Oktober 2012 noch 51 Prozent waren. Und die Kassen sind gut gefüllt. Einigen Fonds wie Equistone – einer der aktivsten PE-Investoren im deutschen Mittelstand – ist es in den vergangenen Wochen sogar gelungen, neue milliardenschwere Übernahmefonds einzuwerben.

Damit sind die Weichen für ein gutes Buy-out-Jahr 2013 gestellt. Aber die Marktstruktur mit einem Dealflow, dessen Qualität nachlässt, zwingt die deutschen Mittelstandsinvestoren zu einer Erweiterung ihrer Investitionskriterien: „Ob es tatsächlich zu mehr Deals kommt, wird auch davon abhängen, inwiefern die PE-Investoren bereit sind, Unternehmen zu erwerben, die gewisse Baustellen aufweisen, die erst noch zu beseitigen sind“, meint Dr. Joachim Dietrich, Partner und Private-Equity-Experte der Kanzlei CMS Hasche Sigle.

Hoffnung der PE-Investoren könnte sich erfüllen

Die Hoffnungen der PE-Investoren könnten sich sogar erfüllen, denn die Erholung des Finanzierungsumfelds verstetigt sich. So verbesserte sich die Einschätzung zur Verfügbarkeit von Buy-out-Finanzierungen zum dritten Mal in Folge: Auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (exzellent) stieg die durchschnittliche Einschätzung der FINANCE-Panelisten gegenüber der vergangenen Befragung im Oktober um 8 Prozent von 4,86 auf 5,26 Punkte. Vor einem Jahr – bei der Februar-Befragung 2012 – lag dieser Wert noch bei 3,95 Punkten.

Doch nach wie vor scheinen die Banken Buy-out-Finanzierungen nur zu hohen Margen und mit strengen Auflagen zu vergeben, die Einschätzung zur Attraktivität der Finanzierungspakete verzeichnete im Gegensatz zur Verfügbarkeit einen Rückgang, und zwar von 4,11 auf 3,97 Punkte.

Gefährliche Auswahl von M&A-Targets

Eine steigende M&A-Aktivität könnte allerdings zu einer Reihe von Fehlinvestments führen, sofern ein Befund stimmt, der sich in den Zahlen des FINANCE Private Equity Panels von Befragung zu Befragung immer deutlicher zeigt: Demnach haben die aktuellen Geschäftsaussichten der bestehenden Portfoliounternehmen zunehmend Einfluss darauf, welche Zielbranchen die PE-Investoren bevorzugen.

So bewegt sich die Attraktivität, die die PE-Investoren den zyklischen Branchen Automotive, Maschinenbau und Logistik zugestehen, seit eineinhalb Jahren fast parallel zu den Veränderungen der Geschäftsaussichten der Portfoliounternehmen für die nächsten 12 Monate (siehe Grafik). Je besser sich die Portfoliounternehmen entwickeln, umso stärker wächst offenbar die Bereitschaft, in konjunktursensible M&A-Targets zu investieren. Bei der Targetauswahl scheinen die PE-Investoren – bewusst oder unbewusst – stark prozyklisch zu agieren.

Dies wäre riskant, denn die vergangenen Konjunkturzyklen haben gezeigt, was passieren kann, wenn zyklische Unternehmen auf dem konjunkturellen Höhepunkt zu hohen Kaufpreisen und Debt-Multiples das Ziel von Buy-out-Transaktionen werden. Bei vielen dieser M&A-Deals folgten bald nach dem Buy-out die ersten Covenant-Brüche, Refinanzierungen und teilweise sogar Vollabschreibungen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Info

Noch mehr Ergebnisse und eine ausführliche Analyse finden Sie im aktuellen FINANCE Private Equity Panel im Bereich FINANCE-Research.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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