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PE-Investoren greifen nach Schmolz+Bickenbach

Keine Aufbruchstimmung: Der Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach reißt die Covenants und steht vor Eigentümerwechsel und Schuldenschnitt.
iStock/Thinkstock/Getty Images

Der hoch verschuldete Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach steht offenbar kurz vor einem Eigentümerwechsel. Einem Bericht des Handelsblatts zufolge prüfen die Finanzinvestoren Apollo und Triton einen Einstieg in den Aktionärskreis über die erst im Sommer begebene Highyield-Anleihe im Volumen von 258 Millionen Euro.

Marktgerüchten zufolge überlegen die Private-Equity-Investoren, die Hochzinsanleihe aufzukaufen, sie anschließend in Eigenkapital zu wandeln und am Ende des Prozesses den Aktionären ein Übernahmeangebot zu unterbreiten. Schmolz+Bickenbach ist börsennotiert, knapp die Hälfte der Anteile befindet sich im Familienbesitz.

Übernahmepreis wohl über 500 Millionen Euro

Anfang Dezember notierte die Highyield-Anleihe noch bei unter 80, bevor sich der Kurs nach ersten Gerüchten um das Interesse von Finanzinvestoren zu erholen begann. Heute Vormittag kletterte der Bond um 8 Prozent auf Kurse um 92. Der Bond ist von S&P mit „B-“ geratet.

Die Schmolz+Bickenbach-Aktie reagierte auf die Berichte mit einem Kursplus von fast 20 Prozent, der Börsenwert stieg auf rund 350 Millionen Euro. Damit würde die Wandlung der Highyield-Anleihe in Eigenkapital noch nicht reichen, damit die Finanzinvestoren die Mehrheit übernehmen können. Über das Übernahmeangebot müssten die PE-Investoren weitere Aktien in nennenswertem Umfang übernehmen. Die Kosten für eine Komplettübernahme lägen daher wohl über den vom Handelsblatt kolportierten 400 bis 500 Millionen Euro.

Covenants werden neu verhandelt

Die Umwandlung der Hochzinsanleihe in Eigenkapital wäre eine große finanzielle Entlastung für den Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach, der mit dem früheren Gerresheimer-CFO Hans-Jürgen Wiecha erst im Herbst einen neuen CFO angeheuert hat, nachdem der Aufsichtsrat im Juni völlig überraschend den elf Jahre lang amtierenden CFO Axel Euchner und Vorstandschef Benedikt Niemeyer vor die Tür gesetzt hatte.

Zum Ende des dritten Quartals summierten sich die Nettofinanzschulden des Stahlkonzerns auf 821,4 Millionen Euro, 4,5 Prozent weniger als zum Jahreswechsel 2011/2012. Weil gleichzeitig aber Verluste am Eigenkapital zehrten, stieg das Verhältnis der Nettofinanzschulden zum Eigenkapital (Gearing) von 101,9 auf 103,3 Prozent.

Für das Gesamtjahr erwartet Schmolz+Bickenbach ein EBITDA vor Restrukturierungskosten von gut 150 Millionen Euro. Der Leverage liegt damit bei rund 5,5x EBITDA – ein Wert, der den Konzern vom Wohlwollen der finanzierenden Banken abhängig macht, zumal das Management die Covenants nicht einhalten kann. Im November hatte die Konzernführung mit den Banken deshalb schon eine Aussetzung des Covenant-Tests zum 31. Dezember vereinbart. In den kommenden Wochen sollen die Kreditauflagen neu justiert werden. S&P hatte daraufhin das Kreditrating um eine Stufe auf „B-“ reduziert.

Neu-CFO Hans-Jürgen Wiecha beginnt erst im Februar

Für die potentiell interessierten PE-Investoren bietet die hohe Verschuldung dagegen einen großen Vorteil: Selbst nach einem Debt-Equity-Swap würden sie einen nennenswerten Leverage von rund 4x EBITDA mit übernehmen und damit eine auf ihre Bedürfnisse angepasste Kapitalstruktur. Inwieweit die bestehenden Kreditverträge eine Change-of-Control-Klausel enthalten, ist indes nicht bekannt.

Die Unklarheiten über die Finanzierungsstruktur und den Aktionärskreis werden die Verhandlungen mit den Banken über einen Covenant-Reset, die Controlling-Chef und Interims-CFO Oliver Karst gerade führt, jedoch nicht einfacher machen. Der erfahrene neue CFO Hans-Jürgen Wiecha, der bei dem Verpackungshersteller Gerresheimer schon mit dem PE-Investor Blackstone erfolgreich zusammengearbeitet hat, wird erst zum 1. Februar seinen CFO-Posten antreten.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de 

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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