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PE-Investoren machen im Gesundheitssektor Kasse

PE-Investoren haben mit Gesundheitsunternehmen Kasse gemacht.
Andriy Solovyov/iStock/ThinkStock/Getty Images

Im Gesundheitssektor war die Zahl der Exits durch Private-Equity-Investoren im vergangenen Jahr so hoch wie noch nie. Das besagt eine Studie der Unternehmensberatung Bain & Company. Auch in Deutschland waren die PE-Häuser in dem Sektor sehr aktiv. Die offensichtlichsten Investments dürften inzwischen allerdings schon gemacht worden sein.

PE-Investoren müssen im Healthcare-Sektor kreativer werden

134 Ausstiege durch PE-Investoren habe es demnach im vergangenen Jahr gegeben, 45 davon  in Europa. „Von diesen hatte rund ein Drittel Deutschland-Bezug, fünf spielten sich nur in Deutschland ab“, sagt Bain-Partner Franz-Robert Klingan im Interview mit FINANCE. 2013 lag die Zahl laut Bain bei 133, 2012 waren es 99 Exits.

Private-Equity-Investoren dürften auch in Zukunft in Deutschland auf dem Gesundheitssektor aktiv bleiben, so Klingan. Das belegt auch die regelmäßige Befragung, die FINANCE im Rahmen des FINANCE Private Equity Panels dreimal pro Jahr in PE-Kreisen durchführt. Vor wenigen Wochen haben die befragten rund 40 deutschen Private-Equity-Häuser den Healthcare-Sektor zum fünften Mal in Folge als aktuell attraktivstes Investitionsziel benannt.

Allerdings dürfte es nicht mehr ganz einfach für die Finanzinvestoren sein, mit den Unternehmen Geld zu verdienen – einerseits sind viele Ziele schon in PE-Händen, andererseits jagen Konzerne mit vollen Kassen den Investoren die offensichtlichsten Gelegenheiten zu hohen Preisen ab. „Jetzt ist es an der Zeit für Buy-and-Build-Strategien und für intelligente Carve-outs“, bei denen die Eigentümer das Unternehmen auf sinnvolle Weise neu ausrichten, findet Klingan. 

Strategie 1: Buy-and-build von Kleinauf

Ein Beispiel für eine gelungene Buy-and-build-Strategie von Kleinauf ist die Frühgeschichte des Laborbetreibers Synlab mit Sitz in Augsburg. Das Unternehmen war in seiner jetzigen Form im Jahr 2008 durch eine Fusion zwischen einem deutschen, einem österreichischen und einem italienischen Laborbetreiber entstanden, mit Mehrheitsbeteiligung des PE-Hauses BC Partners.

Inzwischen hat das Unternehmen 63 Wettbewerber geschluckt und Umsatz wie Mitarbeiterzahl vervielfacht. Jetzt plant BC Partners, Synlab für mindestens 1,7 Milliarden Euro zu verkaufen. „Am Anfang ist oft ein Merger among Equals nötig“, sagt Klingan. „Die ersten Zukäufe sind dann mühevoll – bis das Unternehmen irgendwann groß genug ist, kleinere Wettbewerber routinemäßig zu übernehmen und einzugliedern.“

Strategie 2: Bei Carve-Outs zur Stelle sein

Die Alternative: Zur Stelle sein, wenn Konzerne ihre Sparten mittels Carve-out loswerden wollen. So geschehen etwa im Falle der Hörgeräte-Tochter von Siemens, die der schwedische PE-Investor EQT im November kaufte.  „In solchen Fällen muss man nah am Geschehen sein, Kontakte haben, und der Plan für die Wertsteigerung muss bereits in der Schublade liegen“, rät Klingan.

An Familienunternehmen zu kommen, deren Eigner aussteigen wollen, ist dagegen auch im Healthcare-Bereich nicht einfach, sagt der Bain-Experte. „Zwar gelingt das PE-Fonds auch in diesem Sektor, gerade im Bereich Pflege und Versorgung“, so Klingan. „Es ist aber schwieriger geworden, an solche Gelegenheiten zu kommen“.

Denn auch die Erben, die sich eigentlich nicht mit dem Familienbetrieb beschäftigen wollen, hätten realisiert: Es gibt derzeit oft kaum bessere Möglichkeiten, das Geld anzulegen. „Außerdem ist fast jeder Inhaber schon einmal von einem PE-Investor angesprochen worden“, sagt Klingan.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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