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Politische Risiken stören M&A-Markt in Afrika

Politische Unruhen stören den M&A-Markt in Afrika.
Thinkstock / Getty Images

Bereits rund die Hälfte des M&A-Volumens in Afrika entfällt inzwischen auf Deals mit ausländischen Investoren. Sie tätigten 2012 255 M&A-Deals im Volumen von 20 Milliarden US-Dollar, bei einem Gesamtvolumen des afrikanischen M&A-Markts von 39,5 Milliarden Dollar (verteilt auf 758 Deals). Damit hat sich das Interesse an afrikanischen Targets in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesteigert, wie Zahlen des Datenanbieters Thomson One zeigen, die die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer für die Studie „A decade of growth: foreign investment in Africa“ ausgewertet hat. Noch 2003 lag das Volumen ausländischer M&A-Investitionen bei 6,4 Milliarden Dollar. Jüngstes Beispiel für eine Transaktion mit europäischem Investor ist die Schweizer Syngenta, die in dieser Woche die Produzenten und Händler von weißem Maissaatgut MRI Seed Zambia und MRI Agro zu einem nicht genannten Preis übernommen hat.

Unruhen belasten den M&A-Markt

Wer sich an den afrikanischen M&A-Markt wagt, muss allerdings im Vorfeld auch auf politische Risiken schauen. Mit Ägypten ist derzeit eines der für ausländische Investoren attraktivsten Länder von Unruhen betroffen: Hinter Südafrika (M&A-Volumen 59,1 Milliarden Dollar), lag Ägypten in der vergangenen Dekade auf Platz zwei der beliebtesten M&A-Zielländer (46,5 Milliarden Dollar), gefolgt vom rohstoffreichen Nigeria (22,1 Milliarden Dollar). Während der Aufstände in Ägypten 2011 brach das Dealvolumen in dem Land auf 0,29 Milliarden Dollar ein. „Auch jetzt wird der M&A-Markt in Ägypten erstmal in einer Warteschleife verharren“, vermutet Hartmut Nitschke, Partner im M&A-Bereich von Freshfields Bruckhaus Deringer, der schwerpunktmäßig Transaktionen in neue Märkte berät. Viele Ägypter hätten in den vergangenen zwei Jahren eine mangelnde Wirtschaftskompetenz der Regierung kritisiert. Am Beispiel Ägyptens und derzeit auch der Türkei werde deutlich, dass die politische Stabilität der wahrscheinlich wichtigste Standortfaktor eines Wachstumsmarktes ist.

Interessenten sollten politische Risiken bereits in der Due Diligence bedenken: „Es reicht nicht, nur den Business Plan des Targets in einer Due Diligence zu prüfen. Investoren sollten auch Szenarien für den Notfall durchspielen und überlegen, wie sie beispielsweise Mitarbeiter aus dem Land evakuieren können.“ Zu den häufigsten Risiken gehören politische Umstürze, eine mangelhafte Bürokratie und Infrastruktur sowie Korruptionsanfälligkeit. Doch auch die Steuersysteme sollten Investoren sich anschauen, um sicherzustellen, dass sie Gewinne auch wieder repatriieren können. „In manchen afrikanischen Ländern bestehen keine oder keine optimalen Investitionsschutz- oder Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland, dafür aber möglicherweise mit anderen Ländern wie zum Beispiel Frankreich. In solchen Fällen ist es ratsam, einen M&A-Deal über eine französische Tochter anzugehen“, sagt Nitschke.

Konsumgüterbranche holt auf

Nach wie vor sind Rohstoffe wie Metall, Bergbau, Öl und Gas der wichtigste Investitionsbereich (1.190 M&A-Deals im Volumen von 87,6 Milliarden Dollar in den vergangenen zehn Jahren). Doch die Konsummärkte holen auf – und damit eröffnet sich auch für deutsche Unternehmen ein interessanter Markt. Immerhin 58 Milliarden Dollar haben ausländische Investoren in den vergangenen zehn Jahren in den Bereich Konsumgüter gesteckt, verteilt auf 569 M&A-Deals. „Deutsche Unternehmen sind im Rohstoffsektor kaum vertreten. Bei Konsumgütern dagegen kann man sich einige interessante Wachstumsstories vorstellen“, sagt Nitschke. Noch allerdings halten sich deutsche Firmen bei M&A-Deals mit Afrika zurück. Am aktivsten war Großbritannien, das in zehn Jahren 30,5 Milliarden Dollar verteilt auf 437 Transaktionen in Afrika investiert hat. Ebenso hoch ist das Investitionsvolumen aus Frankreich, wenn auch verteilt auf deutlich weniger Deals. An dritter Stelle liegen bereits Investoren aus China. Sie zeigten sich in der Vergangenheit besonders an Rohstoffen interessiert.

Weiterhin im Fokus bleiben werden die Länder Südafrika, Ägypten und Nigeria, aber auch die Maghreb-Region – schon wegen der geographischen Nähe zu Europa. Relevante Standortfaktoren sind insbesondere eine ordentliche Infrastruktur sowie eine wachsende Bevölkerung mit steigendem  Bildungsstandard und Wohlstand. „Wenn die politische Situation in einem Land mit diesen positiven Grundfaktoren stabil ist, wird sich auch der Blick der Investoren für M&A-Deals dahin richten“, sagt Nitschke.

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