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RTL Deutschland übernimmt Gruner + Jahr für 8x Ebitda

RTL Deutschland will sich im Wettbewerb gegen Netflix, Amazon und Co. besser aufstellen. Deshalb übernimmt das Unternehmen nun das deutsche Magazingeschäft von Gruner + Jahr.
Eric Steichen / RTL

M&A-Deal am deutschen Medienmarkt: RTL Deutschland übernimmt das deutsche Magazingeschäft und die Magazinmarken von Gruner + Jahr. Dazu gehören Titel wie Stern, Brigitte, Geo, Capital und Schöner Wohnen. Die Gruner + Jahr-Beteiligung am Spiegel, die DDV Mediengruppe (Sächsische Zeitung) und einige andere Einheiten sind dagegen nicht Teil des Deals. Verkäufer ist der Verlagskonzern Bertelsmann, der ebenfalls Haupteigentümer von RTL Deutschland ist.

Synergien über 100 Millionen Euro geplant

Die neue Einheit soll RTL Deutschland strategisch auf dem Weg zu einem „cross-medialen Champion in den Bereichen Fernsehen, Streaming, Magazine, Radio und digitale Medien“ voranbringen und gleichzeitig auch kostenseitig Vorteile haben. Bertelsmann-CEO Thomas Rabe erwartet Synergien von rund 100 Millionen Euro pro Jahr, die ab 2025 vollständig realisiert werden sollen. Davon sollen rund drei Viertel über Wachstum realisiert werden, etwa ein Viertel durch Kosteneinsparungen, zitiert die „Tagesschau“ einen Unternehmenssprecher.

Die beiden Häuser sind bereits jetzt eng verbunden und arbeiten in verschiedenen Segmenten bereits zusammen. Dazu zählen die Bereiche Werbevermarktung (Ad Alliance), Inhalte-Entwicklung und -Produktion (Bertelsmann Content Alliance) sowie Forschung und Daten (Data Alliance). Der Hauptsitz von Gruner + Jahr soll zudem weiter in Hamburg bleiben. Das Closing des Deals wird für Januar 2022 erwartet. Vorstand und Aufsichtsrat von Bertelsmann haben dem Verkauf bereits zugestimmt.

RTL übernimmt Gruner + Jahr schuldenfrei

Es ist ein Deal zwischen verwandten Gesellschaften, schließlich hält Bertelsmann 76 Prozent an der RTL Gruppe. Entsprechend muss der Kaufpreis Marktbedingungen entsprechen. Für das Gruner + Jahr-Geschäft legt RTL 230 Millionen Euro auf den Tisch – und erwirbt die Einheiten schuldenfrei und ohne Barmittel. Bestehende Pensionsverpflichtungen werden von Bertelmann übernommen, erläutert ein RTL-Sprecher auf Nachfrage von FINANCE. Kaufpreis und Unternehmenswert sind in diesem Fall also identisch.

Der Gesamtumsatz von Gruner + Jahr lag 2020 bei 1,14 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei 127 Millionen Euro. Allerdings liegt der pro forma Umsatz der Einheiten, die der TV-Sender übernimmt, bei lediglich 503 Millionen Euro, das bereinigte Ebitda bei 29 Millionen Euro.

Basierend auf den pro Forma Zahlen lässt sich daraus ein Ebitda-Multiple von knapp 8x errechnen. Zum Vergleich: Den FINANCE-Multiples zufolge liegen die Bewertungen im Medienbereich derzeit bei 6,1 bis 8,4x – allerdings auf Ebit-Basis, sodass die Werte geringer ausfallen als auf Ebitda-Basis. Die Gütersloher haben die Preisverhandlungen dem Anschein nach also nicht bis aufs äußerste ausgereizt.

Für Wettbewerb gegen Tech-Plattformen rüsten

Bertelsmann verspricht sich von dem Deal Vorteile für beide Beteiligungen: Streamingplattformen wie Netflix, Amazon und Co. erhöhen in der Fernsehbranche den Wettbewerbsdruck massiv. RTL Deutschland und G+J hätten zusammen „die Größe, Ressourcen und Kreativität für den Wettbewerb mit den globalen Tech-Plattformen in Deutschland“, teilt RTL nun mit. Konkret will man mit exklusiven und lokalen Inhalten konkurrieren.

Nach dem Zusammenschluss soll ein redaktionelles Team mit mehr als 1.500 Journalistinnen und Journalisten qualitativ hochwertige Berichte über alle Plattformen hinweg erstellen – dazu zählen Fernsehen, Audio und Magazine.

RTL verkündet gute Halbjahreszahlen

Zeitgleich mit der Deal-Verkündung kann RTL auch gute Halbjahreszahlen bekanntgeben. Der Konzern hat seinen Gruppenumsatz um 13,7 Prozent auf rund 3 Milliarden Euro gesteigert. Organisch betrachtet sind das rund 21,5 Prozent mehr als im ersten Corona-geprägten Halbjahr 2020 und 2,1 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2019. Insgesamt verzeichnet die Gruppe inklusive Portfolioeffekten einen Rekordgewinn von 929 Millionen Euro. Grund für die gute Entwicklung seien eine Erholung im TV-Werbemarkt, sowie das Wachstum in den Bereichen Content Production und Streaming.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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