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Steht Linde vor Mega-Fusion mit Praxair?

Der Industriegasekonzern Linde will mit dem US-Konkurrent Praxair fusionieren und wieder an die Weltspitze in der Branche vorrücken.
Linde

Der Industriegasekonzern Linde prüft Finanzkreisen zufolge offenbar einen möglichen Zusammenschluss mit dem US-Konkurrenten Praxair. Demnach sollen die beiden Schwergewichte über eine Fusion unter Gleichen nachdenken. Zuerst hatte das Wall Street Journal über die Gespräche der beiden Konzerne berichtet, den Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg wurden die Verhandlungen bestätigt. Am späten Nachmittag bestätigte Linde offiziell, dass Gespräche mit Praxair im Gange seien.

Linde-CEO Wolfgang Büchele und CFO Georg Denoke reagieren mit den Fusionsgesprächen möglicherweise darauf, dass der Dax-Konzern seinen am Umsatz gemessenen Spitzenplatz in der Branche abgeben musste. Im Juni hatte der französische Rivale Air Liquide den US-Konzern Air Gas für 13,4 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 11,9 Milliarden Euro) übernommen. Größe und regionale Diversifikation sind im Gasegeschäft wichtige Erfolgsfaktoren. Analysten schätzen die möglichen Kostensynergien durch eine Fusion auf über 1 Milliarde Dollar pro Jahr.

Drohende US-Kartellprobleme für Linde und Praxair

Durch einen Mega-Merger könnten Linde und Praxair zum unangefochtenen Weltmarktführer für Industriegase werden. Linde kommt auf einen Börsenwert von 25,9 Milliarden Euro, der vom Umsatz her kleinere Konkurrent Praxair ist am Kapitalmarkt umgerechnet knapp 30 Milliarden Euro wert. Das deutet darauf hin, dass es bei einer Fusion formell zu einem „Merger of equals“ kommen könnte, de facto aber die Amerikaner ein größeres Gewicht im gemeinsamen Konzern bekämen. Das Größenverhältnis entspricht in etwa dem des aktuell laufenden Mergers zwischen der Deutschen Börse und der London Stock Exchange.

Gemeinsam kämen Linde und Praxair auf etwas mehr 28 Milliarden Euro Umsatz. Air Liquide erlöst jährlich mehr als 20 Milliarden Euro. Während Praxair eine führende Marktstellung in Nordamerika in eine mögliche Ehe einbringen könnte, gilt Linde als exzellent positioniert im Gesundheitssektor. Wie weit die Gespräche zwischen Linde und Praxair schon fortgeschritten sind, ist nicht bekannt. Wegen der starken Stellung von Praxair in Nordamerika dürften wettbewerbsrechtliche Probleme aber ein Knackpunkt der Verhandlungen sein.

Denn besonders der US-Kartellbehörde könnte die Fusion ein Dorn im Auge sein. Im US-Geschäft der beiden Konzerne gibt es große Überschneidungen, was dazu führen könnte, dass nach einem Zusammenschluss Unternehmensteile abgespalten werden müssten. Linde hatte sich vor vier Jahren deutlich in den USA verstärkt, als für 4 Milliarden Dollar der Gasespezialist Lincare übernommen wurde.

Der Kapitalmarkt nimmt die Fusionsgerüchte indes gut auf. Die Linde-Aktie legte um fast 8 Prozent zu und notiert bei 146 Euro, die Praxair-Papiere gingen in New York nachbörslich um 4 Prozent nach oben. Die M&A-Pläne von Linde kommen zu einem überraschenden Zeitpunkt. Zwar hatte Linde-Chef Büchele im Mai angekündigt, der Dax-Konzern wolle wieder Weltmarkführer in seiner Branche werden. Allerdings hatte er auch gesagt, dass große Übernahmen nicht geplant seien.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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