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Stevanato setzt sich bei M&A-Schlacht um Balda durch

Die Balda-HV am Freitag war unbestritten der Höhepunkt der M&A-Schlacht um den Kunststoffspezialisten. Am Ende setzte sich Stevanato durch gegen H&T durch.
Balda

Das M&A-Duell um den Kunststoffteilehersteller Balda hat am Freitagabend noch einmal eine letzte spektakuläre Wende erfahren – zum Ende einer Hauptversammlung, die eigentlich nur den zu Ende verhandelten Kauf an die italienische Stevanato-Gruppe für 80 Millionen Euro durchwinken sollte. Doch nachdem am Freitagmorgen die Industrieholding Heitkamp & Thumann (H&T) ein verbessertes Angebot über 90 Millionen Euro vorgelegt hatte, stockte Stevanato ihr Angebot am Nachmittag auf 95 Millionen Euro auf.

Stevanato reduzierte zudem die Haftungshöchstgrenze für die Balda-Gruppe aus den vertraglichen Gewährleistungen auf 5,7 Millionen Euro. H&T war den Verkäufern in diesem Punkt sogar auf 5,4 Millionen Euro entgegengekommen. Ursprünglich hatten beide Kaufinteressenten die Verkäufer noch mit 10 bis 11 Millionen Euro in der Pflicht lassen wollen.

Kaufpreis für Balda ist in 4 Monaten um 50 Prozent gewachsen

Der Balda-Vorstand empfahl seinen Aktionären zunächst, das verbesserte H&T-Angebot anzunehmen, wechselte dann aber auf die Seite von Stevanato. Die Balda-Anteilseigner stimmten dem Angebot der Italiener anschließend mit „deutlicher Mehrheit zu“. Damit brachte der Showdown am Freitag einen um fast 20 Prozent oder 15 Millionen Euro höheren Kaufpreis als am Morgen erwartet sowie eine Halbierung der potentiellen Haftungsrisiken.

Los ging die Auktion im September mit einem Angebot des PE-Investors Paragon, der das operative Geschäft von Balda für knapp 63 Millionen Euro kaufen wollte. Nachdem der Verkauf schon beschlossene Sache war, stieg H&T ins Wettbieten ein und stach Paragon aus. Nachdem das Angebot der Düsseldorfer H&T auf der Hauptversammlung bereits mit großer Mehrheit von den Aktionären angenommen wurde, kam plötzlich die italienische Stevanato-Gruppe mit einem abermals verbessertem Angebot ins Spiel.

H&T gibt sich Stevanato geschlagen

Das M&A-Spektakel bei Balda ist nun nach Monaten des Hin und Her vorbei: „Wir sind natürlich enttäuscht, dass die Aktionäre der Balda AG ihren Beschluss zum Verkauf des operativen Geschäfts der Balda-Gruppe an die Heitkamp & Thumann Group aufgehoben haben“, lässt sich H&T-CEO Christian Diemer in einer Mitteilung zitieren und gibt sich somit geschlagen. Man wünsche Stevanato viel Erfolg mit dem Investment.

Das Management von Balda richtet seinen Blick derweil bereits in die Zukunft. Nach Abschluss der Verkaufs ist geplant, das Unternehmen zu einer börsennotierten Beteiligungsgesellschaft umzubauen. Der Name Balda wird dann vom Kurszettel verschwinden. Das neue Unternehmen wird seine Investments künftig unter dem Namen „Clere AG“ tätigen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Info

Bei dem Kunststoffhersteller Balda hat sich in den vergangenen Monaten ein wahrer M&A-Krimi entwickelt. Alles Wissenswerte finden Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu Balda.

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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