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Technical Due Diligence: Einblick in sensible Daten

Bei der Technical Due Diligence stehen Maschinen und Anlagen auf dem Prüfstand. Für den Verkäufer sind dies mitunter sehr sensible Bereiche.
Easy_Company/iStock/Thinkstock/Getty Images

Je nach Branche können technologische Aspekte zu den wichtigsten Bereichen einer Übernahme zählen. Im Rahmen einer Technical Due Diligence prüfen Spezialisten die Produktionsanlagen und Schlüsseltechnologien eines Zielunternehmens, aber auch Immobilien auf ihre Qualität. Das ist ein heikles Unterfangen: Für Industrieunternehmen sind die technischen Daten oftmals sehr sensibel, weshalb Kaufinteressenten bei der Technical Due Diligence mitunter sogar undercover vorgehen müssen. Viele Verkäufer haben Angst, dass eine offene Inspektion des Maschinenparks Unruhe in der Belegschaft wecken könnte. Ebenfalls groß ist die Angst vor Industriespionage, sollten kritische Daten in die Hände von Wettbewerbern gelangen.

Deshalb wird die Technical Due Diligence oft erst zu einem fortgeschrittenen Zeitpunkt des M&A-Prozesses vorgenommen. Mitunter erhalten die Interessenten erst im Rahmen einer Confirmatory Due Diligence unmittelbar vor Vertragsschluss Auskunft über technische Details. Konzerne können technische Einzelheiten auch im Rahmen einer Vendor Due Diligence zusammentragen – sie haben allerdings keine Garantie, dass diese Informationen aus Sicht des Kaufinteressenten auch ausreichen. 

Technical Due Diligence kann Investitionsstau aufdecken

Im Rahmen einer Technical Due Diligence geht es nicht allein darum, den aktuellen Stand der Maschinen und Anlagen zu beurteilen. Mindestens ebenso wichtig ist der Blick nach vorn: Ließe sich mit der gegebenen Ausstattung auch ein steigender Auftragseingang bearbeiten, oder droht dort bereits ein Engpass?

Auch der Zustand der Objekte gibt Hinweise darauf, was künftig möglich ist. Ideal ist es, wenn sich Anlagen auch an wandelnde Produktionsprozesse anpassen lassen, etwa durch Modernisierungen. Zudem sollte der Interessent darauf achten, dass die Maschinen in der Vergangenheit ausreichend gewartet worden sind. Hat das Zielunternehmen an der Instandhaltung seiner Anlagen gespart, droht womöglich ein Investitionsstau, den der Käufer in den Folgejahren selbst beheben muss.

Technical Due Diligence zeigt Investitionsbedarf auf

Eine sorgfältige Technical Due Diligence liefert dem Kaufinteressenten vor dem M&A-Deal eine Einschätzung, wie hoch der Investitionsbedarf beim Zielunternehmen ist und vermittelt einen Eindruck davon, in welchem Umfang sich Auslastung und Prozesse in den kommenden Jahren noch verbessern lassen. Zudem kann der Käufer die gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um Argumente der Verkäuferseite zu überprüfen: Sind Verweise auf einen hochmodernen Maschinenpark und überlegene Fertigungsprozesse stichhaltig oder reine Preistreiberei?

Auch vor hohen Folgekosten kann eine umfassende Technical Due Diligence schützen. Einen Investitionsstau oder eine mangelnde Ausstattung bringt die Prüfung ans Licht. Diese Punkte können nach einem M&A-Deal erhebliche wirtschaftliche Folgen für einen Käufer haben. Hat die Technical Due Diligence bereits Hinweise darauf ergeben, kann der Käufer seine Kaufpreisvorstellungen entsprechend anpassen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Info

Alle Infos gebündelt finden Sie auch auf unserer FINANCE-Themenseite Due Diligence. Alle bislang erschienenen FINANCE-Ratgeber zu Themen wie dem Umgang mit der Bilanzpolizei, revisionssicherer E-Mail-Archivierung oder den größten Fehlern bei der ERP-Harmonisierung finden Sie auf unserer Themenseite FINANCE-Ratgeber

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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