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Übernahmekrimi um Cat Oil

Wer greift nach dem österreichischen Ölbohrspezialisten Cat Oil? Das Vorhaben ist undurchsichtig, die Methode rabiat.
Cat Oil

Einen solchen Übernahmeversuch hat es an der Frankfurter Börse lange nicht mehr gegeben. Der österreichische Ölbohrdienstleister Cat Oil, der sein Geschäft hauptsächlich in Russland und Kasachstan betreibt, sieht sich mit verworrenen Anteilsverschiebungen im Kreis seiner Großaktionäre konfrontiert.

Cat Oil ist kein kleiner Fisch: Die Firma bringt es auf einen Börsenwert von über 700 Millionen Euro und erwirtschaftete zuletzt aus Umsätzen von 427 Millionen Euro einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 64,6 Millionen Euro.

Joma attackiert auch Cat-Oil-Gründerin Anna Brinkmann

Seit einigen Tagen überschlagen sich die Ereignisse bei Cat Oil. Am Montag vergangener Woche (27. Oktober) hat ein auf den Britischen Jungferninseln registriertes Finanzvehikel namens Joma Industrial eigenen Angaben zufolge eine Call-Option ausgeübt und will sich damit die Kontrolle über eine Kette von Gesellschaften des Unternehmers Walter Höft gesichert haben, die allesamt auf Zypern registriert sind.

Am Ende dieser Kette steht demnach die Firma Coraline Limited, die 50,2 Prozent an einer Holding namens „Cat Gmbh“ besitzt. Diese kontrolliert wiederum 47,7 Prozent der Cat-Oil-Anteile. Kurios dabei: Höft will von dem Anteilsverkauf nichts wissen, bezeichnet ihn über eine Sprecherin als „ungeplant“ und fordert von Joma Belege ein, die den Anteilsübergang bestätigen.

Doch für Joma ist es damit wohl noch nicht getan. Nun greift die Firma anscheinend auch nach den 49,8 Prozent, die die Cat Oil-Mitgründerin Anna Brinkmann an der Cat GmbH besitzt. Joma hat laut Cat Oil beim Bezirksgericht in Nikosia (Zypern) eine Klage auf Auflösung der Cat GmbH gestellt. Was das für den Anteilsbesitz Anna Brinkmanns bedeutet, ist unklar – die Unternehmerin will sich „unter Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten verteidigen“, ließ sie über Cat Oil verlauten.

Weil Joma sich als Mehrheitsbesitzer der Cat GmbH ansieht und damit auch die Kontrolle über 47,7 Prozent der Cat-Oil-Anteile beansprucht, hat die Firma ein Übernahmeangebot für alle restlichen Cat-Oil-Aktien angekündigt: 11 Prozent dieser ausstehenden Anteile kontrolliert Brinkmann direkt, 41 Prozent liegen im Streubesitz.

Steckt Maurice Dijols hinter der Offerte – oder Mister X?

Cat-Oil-Chef Manfred Kastner scheint zunehmend verzweifelt auf die Vorgänge in seinem Aktionärskreis zu reagieren. Heute Morgen ging er an die Öffentlichkeit: „Die Intentionen des vermeintlichen neuen Großaktionärs liegen im Dunkeln“, sagte Kastner. Er forderte Joma „abermals nachdrücklich“ auf, „ihre Absichten zeitnah offenzulegen“. Einer Sprecherin Kastners zufolge habe der Manager zwar Kontakt zu Joma herstellen können, aber keine Informationen zu wichtigen Themen wie Strategie, Vorstandszusammensetzung und Finanzierung des geplanten Übernahmeangebots erhalten.

Rechtlich hat Joma allerdings noch Zeit, diese Informationen offen zu legen. Den Börsenrichtlinien zufolge muss ein Angreifer erst 20 Handelstage nach Ankündigung des M&A-Deals die Unterlagen zu seinem geplanten Übernahmeangebot bei den zuständigen Stellen einreichen – inklusive Finanzierungsnachweis. Diese Frist läuft noch bis zum 28. November.

Immerhin gibt es erste Hinweise, aus welcher Richtung der Übernahmeversuch kommen könnte. Joma nannte in der offiziellen Anzeige des Anteilserwerbs als Miterwerber den Namen Maurice Dijols. Dijols ist ein früherer Manager des Ölfeldausrüsters Schlumberger. Im vergangenen Jahr zog Dijols in den Beirat des weniger bekannten russischen Ölförderers Ruspetro ein. Ruspetro besitzt ein mittelgroßes Ölfeld in Westsibirien, wichtigster Aktionär ist der russische Industrielle Vladimir Marchenk. Ob Dijols persönlich über die nötige finanzielle Schlagkraft für den Angriff auf Cat Oil verfügt oder im Auftrag einer unbekannten dritten Person handelt, ist unklar.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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