Newsletter

Abonnements

Unternehmen geben sich bei M&A-Deals selbstbewusst

FINANCE M&A Panel: M&A-Chefs setzen auf Zukäufe und suchen verstärkt nach geeigneten Targets.
Thinkstock / Getty Images

Zukäufe stehen in vielen M&A-Abteilungen zurzeit oben auf der Agenda. Darauf deuten die Ergebnisse der jüngsten Befragung des FINANCE M&A Panels hin, für das die Redaktion von FINANCE gemeinsam mit der Kanzlei CMS Hasche Sigle zum achten Mal sowohl M&A-Chefs in deutschen Unternehmen als auch führende Investmentbanker und M&A-Berater anonym zu ihrer Markteinschätzung befragt hat.

Bereits im Frühjahr hatte sich angedeutet, dass die wirtschaftliche Situation die M&A-Treibenden bei ihren Projekten nicht mehr so stark belastet wie noch im vergangenen Herbst. Jetzt gaben 32 Prozent der befragten M&A-Chefs an, die eigene Pipeline mit M&A-Deals sei sogar überdurchschnittlich gut gefüllt. Bei den Bankern und Beratern waren es immerhin 27 Prozent. Sollten es die Projekte tatsächlich an den Markt schaffen, dürfte sich das in den kommenden Quartalen in den M&A-Statistiken widerspiegeln. Denn in den vergangenen Monaten war am deutschen M&A-Markt vergleichsweise wenig Aktivität zu spüren.

M&A-Chefs setzen auf Zukäufe

Die M&A-Chefs positionieren sich zurzeit so eindeutig wie noch nie seit Beginn der Befragung im Februar 2011 auf der Käuferseite. Entsprechend strukturiert ist das Arbeitsportfolio: Rund 74 Prozent der M&A-Chefs arbeiten zurzeit vorwiegend an Zukäufen, bei weiteren 21 Prozent stehen Joint Ventures ganz oben auf der Liste. Völlig anders dagegen ist die Lage bei den M&A-Beratern: Mehr als zwei Drittel arbeiten nach eigenen Angaben überwiegend an Verkaufsmandaten.

Wie ist diese Diskrepanz zu erklären? Marktbeobachter berichten, dass Unternehmen insbesondere kleinere Zukäufe verstärkt mit ihren eigenen Inhouse-Teams abdecken. M&A-Berater dagegen werden besonders häufig bei Verkäufen in Distressed-Situationen oder im Rahmen von Nachfolgeregelungen in mittelständischen Unternehmen hinzugezogen. Auch Thomas Meyding, Partner bei CMS Hasche Sigle, beobachtet dies: „Es gibt nahezu keinen Veräußerungsprozess, bei dem nicht ein Auktionsverfahren aufgesetzt wird. Hier greifen Unternehmen regelmäßig auf M&A-Berater zurück, da sie auf deren Marktübersicht über das ‚Universe of Buyers‘ angewiesen sind.“ Anders sieht es auf der Käuferseite aus: „Auf Käuferseite beobachten wir einen hohen Professionalisierungsgrad bei Strategen. Die meisten Unternehmen, auch mittelständische, haben eigene M&A-Abteilungen, die Kaufprozesse steuern können“, berichtet Meyding.

Eine gute Position am Markt ist wichtig, um in diesem Umfeld nicht ungewollt zum Target zu werden: Sowohl Unternehmen als auch Banken sehen die Marktkonsolidierung als immer wichtigeren Dealtreiber an. Die befragten Corporate M&A-Chefs scheinen dabei fest gewillt, an dieser Konsolidierung aktiv beteiligt zu sein und keinesfalls passiv konsolidiert zu werden, wie die deutliche Selbstpositionierung auf der Käuferseite zeigt.

Anforderungen an Due Diligence steigen

Nach wie vor hoch sind die Anforderungen an die Due Diligence vor Abschluss eines M&A-Deals. Nicht nur die möglichen Käufer, sondern auch die finanzierenden Banken schauen immer genauer hin. Keines der für das M&A Panel befragten Unternehmen hat den Eindruck, dass die Anforderungen der finanzierenden Banken an die Käufer-Due-Diligence sinken. Ein Drittel der Befragten beobachtet vielmehr, dass die Anforderungen weiter steigen.

Noch strenger urteilen die befragten Investmentbanker und M&A-Berater: Unter ihnen sagen ganze 85 Prozent, dass die bankenseitigen Anforderungen an die Käufer-Due-Diligence jüngst gestiegen sind. „Diese Einschätzung können wir bestätigen“, sagt Oliver Wolfgramm, Partner bei CMS Hasche Sigle. „Die finanzierenden Banken legen außerordentlich hohen Wert auf eine sorgfältige und lückenlose Due Diligence. Dies geht einher mit der kritischen Durchsicht der Due-Diligence-Berichte durch die Banken und deren Berater sowie mit informierten Due-Diligence-Calls, auf die sich die Käufer im Interesse eines störungsfreien Ablaufs der Verhandlungen mit den finanzierenden Banken gut vorbereiten sollten.“

Themen