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Verkäufer geben bei M&A-Deals den Ton an

Für den europäischen M&A-Markt herrscht vorsichtiger Optimismus.
Thinkstock / Getty Images

Beim Aushandeln von M&A-Verträgen können Verkäufer Ihre Position immer häufiger durchsetzen und die Risikoverteilung zu ihren Gunsten gestalten. Das zeigen die Ergebnissen der CMS European M&A-Study, für die der Kanzleiverbund seit 2007 insgesamt 1.700 eigenberatene M&A-Deals analysiert hat, davon 342 aus dem vergangenen Jahr. An etwa 20 Prozent der M&A-Deals waren PE-Investoren beteiligt. Der Analyse zufolge werden insbesondere im Vereinigten Königreich, den Benelux-Staaten sowie in Mittel- und Osteuropa verstärkt Locked-Box-Abschlüsse getätigt, bei denen der Kaufpreis auf Basis einer Stichtagsbilanz hin fixiert ist, ohne dass nachträgliche Änderungen vorgesehen sind. Sie gelten als vorteilhaft für Verkäufer, da diese wissen, welchen Preis sie bekommen. Grund für den Anstieg könnte neben dem Finanzierungsumfeld auch die Käuferstruktur sein: PE-Investoren und Investmentbanken bevorzugen auf Verkäuferseite traditionell Locked-Box-Mechanismen, sagt Thomas Meyding, Leiter der CMS Corporate Group.

Auch die Haftungshöchstgrenzen, die Verkäufer bei europäischen M&A-Deals akzeptieren, sinken der Studie zufolge kontinuierlich. In 54 Prozent der untersuchten Transaktionen lag die Haftungshöchstgrenze für den Verkäufer bei weniger als der Hälfte des Kaufpreises. In den USA liegen die Grenzen sogar noch deutlich darunter, die Käufer sind dort bereit, höhere Risiken zu nehmen. In Europa steigt die Bereitschaft, nach einem M&A-Deal eigene Ansprüche notfalls gerichtlich prüfen zulassen. „Wir sehen einen Anstieg an Post-M&A-Litigation“, sagt Meyding. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht, häufig werden die Fälle vor einem nicht-öffentlichen Schiedsgericht verhandelt.

M&A-Deals wieder leichter finanzierbar

Gute Nachrichten kommen aus dem Finanzierungsumfeld. Die Finanzierung von M&A-Deals wird zumindest in einigen Regionen wieder leichter. „Viele Banken stemmen in Deutschland wieder Finanzierungen von 50 bis 60 Millionen Euro allein, darüber kommt es meist zu Club Deals“, beobachtet Partner Maximilian Grub. Dass der Zugang zu Akquisitionsfinanzierung sich verbessert, bestätigen auch die jüngsten Ergebnisse des FINANCE M&A Panels.

Dass ein Verkäufer einen Vertrag mit einem Käufer schließt, der die Finanzierung des M&A-Deals erst noch sicherstellen muss, kommt in Deutschland so gut wie nie vor. In Südeuropa dagegen, wo die Wirtschaftslage unsicherer ist, mussten Verkäufer mitunter solchen vergleichsweise unsicheren Transaktionen zustimmen. Dort stand 2012 jeder dritte in der Studie untersuchte M&A-Deal unter der Bedingung, dass der Käufer die Finanzierung bis zum Closing des Deals noch sicherstellt.

Für das laufende M&A-Jahr herrscht vorsichtiger Optimismus. Neben dem verbesserten Zugang zu Akquisitionsfinanzierungen hat auch die Anfrage nach Datenräumen seit dem Jahresanfang erneut deutlich zugenommen, berichtet Anwalt Grub. Bereits im vierten Quartal 2012 hatten Datenraum-Anbieter insbesondere für Deutschland gute Zahlen gemeldet. Dass aus den Datenräumen auch eine Masse an M&A-Deals erwächst, ist freilich kein Automatismus. „Viele Deals scheitern nach wie vor in der Due-Diligence-Phase“, sagt Meyding. Zwar hätten die Unternehmen gut gefüllte Kassen, doch Vorstände seien nach wie vor darauf bedacht, keine Risiken einzugehen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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