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Wettbewerbshüter fokussieren Healthcare-Sektor

iStock / Thinkstock / Getty Images

CFOs sollten sich im laufenden Jahr zwar auf eine anhaltend harte Gangart der europäischen Wettbewerbshüter einstellen. Gleichzeitig drängt EU-Wettbewerbskommissar Joaqin Almunia aber auf die Durchsetzung „wirtschaftsfreundlicherer“ Prozesse in seiner Behörde. Das geht aus dem aktuellen Global Regulatory Report von Parr hervor. Almunia, der in das letzte Jahr seiner Amtszeit als EU-Wettbewerbskommissar geht, wolle dies unter allen Umständen noch auf den Weg bringen, heißt es aus informierten Kreisen. So soll ein schlankeres System die Durchlaufzeiten der Kartellprüfungen erhöhen und der Kommission die notwendigen Kapazitäten für solche Fälle freisetzen, in denen der Wettbewerb tatsächlich gefährdet sei und eine tiefergehende Analyse erfordere. Mit der Reform, so die Erwartungen der EU-Kartellbehörde, könnten künftig rund 10 Prozent aller Prüfungen unter dem vereinfachten Verfahren entschieden werden.

Prüfschwerpunkte der Wettbewerbshüter im laufenden Jahr sind Experten zufolge insbesondere die Sektoren Technologie und Healtcare. Erst Ende des vergangenen Jahres hatte die EU-Kartellbehörde eine rekordverdächtige Strafe in Höhe von 1,47 Milliarden Euro gegen ein TV-Geräte-Kartell verhängt, das fast alle namhaften TV-Gerätehersteller betraf. Auch auf nationaler Ebene stehen diese Branchen im besonderen Interesse der Wettbewerbshüter. „In Deutschland stehen darüber hinaus noch die Nahrungsmittelbranche und der Einzelhandel im Fokus“, sagt Carsten Grave, Partner von Linklaters in Düsseldorf. Dem Bundeskartellamt zufolge häuften sich zuletzt die Beschwerden über vertikale Vertriebsstrukturen in verschiedenen Sektoren. So stehen beispielsweise die Vertriebsstrukturen von Asics und Adidas auf dem Prüfstand durch die Kartellbehörde.

FTC beäugt M&A-Aktivität im Gesundheitssektor

Auch in den USA gilt das Augenmerkt der Wettbewerbshüter vor allem dem Healthcare-Sektor. Das überrascht nicht, zeichnet der Sektor doch für rund ein Drittel des Bruttosozialprodukts der Vereinigten Staaten verantwortlich. Jedweder Übernahmeversuch, der auch nur den Anschein einer marktbeherrschenden Stellung weckt, dürfte daher die Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC) sowie das Justizministerium auf den Plan rufen. Einige bereits seit längerem anhängige Fälle werden zudem in diesem Jahr vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten verhandelt. Nach Einschätzung von Experten könnte das dazu führen, dass einige Schlupflöcher im Wettbewerbsrecht geschlossen werden. Das betrifft beispielsweise die sogenannten „Pay for Delay“-Fälle, in denen forschende Pharmafirmen Generikaherstellern Millionenzahlungen für eine verspätete Einführung ihrer Nachahmermedikamente angeboten haben.

Hinzu kommt, dass es im vierten Quartal des vergangenen Jahres eine Reihe von Übernahmeankündigungen im Healthcare-Sektor gegeben hat und diese Tendenz im laufenden Jahr anhalten dürfte. Der verschärfte Review durch die US-Wettbewerbsbehörden hat in einigen Fällen schon zum Abbruch der Transaktion geführt – wie beispielsweise bei der Übernahme von Surgical Institute of Reading durch Reading Health System. Dieser Fall markiert zugleich einen Wendepunkt in der Politik der FTC, die bislang die Übernahme von kleinen spezialisierten Hospitäler generell nicht prüfte.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

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