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Windreich: Willi Balz verhandelt mit Kaufinteressenten

Errichtungsarbeiten im Offshore-Windpark Global Tech 1: Ex-Windreich-Chef Willi Balz fordert einen schnellen Verkauf des GT1-Anteils, um den Gläubiger Sarasin loszuwerden.
Global Tech 1

Der ins Abseits gestellte Gründer und Ex-Chef des Windparkprojektierers Windreich, Willi Balz, erhöht den Druck auf Windreich-Insolvenzverwalter Holger Blümle. Eigenen Angaben zufolge verhandelt Balz zurzeit mit mehreren Kaufinteressenten über die Übernahme der beiden großen Offshore-Windparks Global Tech 1 und MEG 1, den beiden Kronjuwelen der Windreich-Gruppe. Nachdem Balz dies schon seit Monaten behauptet, hat er den Gläubigern nun erstmals die Namen der vermeintlichen Interessenten genannt, mit denen er nach eigenen Angaben in Verhandlungen über aussichtsreiche Windreich-Projekte steht. Die Investorenliste liegt FINANCE vor.

Für den noch nicht fertiggestellten Windpark MEG 1, auf den seit über zwei Jahren schon der australische Finanzinvestor Macquarie ein Auge geworfen hat, will Balz für den Erwerb von 100 Prozent der Anteile von einem kanadischen Pensionsfonds eine Bewertungsindikation von 175 Millionen Euro erhalten haben. Ein Drittel der Beteiligung kontrolliert Windreich direkt, die übrigen zwei Drittel liegen in der Tochterholding FC Windenergy und dienen verschiedenen Gläubigern als Sicherheit.

Einen ähnlich hohen Preis für den Windreich-Anteil ist angeblich auch ein europäischer Energieversorger bereit zu zahlen. Ein Interesse bei einem Kaufpreis von 150 Millionen Euro spricht Balz einem europäischen Finanzinvestor zu.

Das ist zwar weniger, als Balz sich erhofft („Ein Wert von 180 Millionen ist noch vorsichtig kalkuliert“), aber selbst die jetzt von Balz in den Raum gestellten 150 bis 175 Millionen Euro hält Windreich-Insolvenzverwalter Blümle für unrealistisch, wie er bereits mehrfach mitteilte. In seinen bisherigen vorläufigen Insolvenzplänen setzt er den Gesamtwert von MEG 1 mit 120 bis 180 Millionen Euro an. Allerdings hatte Macquarie bereits vor eineinhalb Jahren seine Bereitschaft signalisiert, inklusive Meilensteinzahlungen insgesamt 219 Millionen Euro für MEG 1 auf den Tisch zu legen.

Willi Balz bringt namhafte Investoren ins Gespräch

Auch Global Tech 1 sei mehr wert, als Blümle glaube, meint Balz. Der Unternehmer stellt den von Blümle veranschlagten 150 Millionen Euro für den 14-Prozent-Anteil, den Balz kontrolliert und den Blümle für die Insolvenzmasse beansprucht, einen „fairen Wert“ von 190 Millionen Euro entgegen. Dies durchzusetzen, scheint aber auch Balz nicht ganz zu gelingen. Balz behauptet, der kanadische Pensionsfonds sei bereit, 175 Millionen Euro zu bezahlen. Zwei Finanzinvestoren bieten angeblich jeweils 150 Millionen Euro.

Balz‘ Kalkül ist es offenbar, beim Verkauf der Beteiligung an dem Windpark Global Tech 1, der im Oktober ans Netz gehen soll, einen schnellen Abschluss zu erzielen, um mit dem Kaufpreis den Gläubiger Sarasin auszubezahlen. In dem Schweizer Bankhaus sieht Balz ein Hindernis auf dem Weg zur Fortführung der Windreich-Gruppe.

Wie ernsthaft die Kaufbereitschaft der von Balz ins Spiel gebrachten Investoren allerdings ist, lässt sich von außen zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen. Außerdem ist unklar, ob und wie genau sich das inzwischen gerichtlich eröffnete vorläufige Insolvenzverfahren über das Privatvermögen von Willi Balz auswirkt, das Sarasin angestrengt hat. Möglicherweise wird der erfahrene Jurist Arndt Geiwitz, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter von Willi Balz berufen wurde,  die von Balz bereits zugesagte Rückübertragung der Global-Tech-1-Anteile an Windreich erst einmal aussetzen. Balz hatte die Anteile aus der Windreich-Gruppe herausgelöst, den Kaufpreis jedoch gestundet.

Feiert Balz ein Comeback als „Technischer Geschäftsführer“?

Willi Balz könnte mit seinem Gegenentwurf versuchen, Blümles Strategie zu bremsen oder gar zu Fall zu bringen. Blümle, der stets durchblicken ließ, dass er Balz‘ Preisvorstellungen für unrealistisch hält, strebt ein geordnetes Insolvenzverfahren für Windreich an. Balz hingegen argumentiert, im Zuge einer Insolvenz in Eigenverwaltung sei das Unternehmen nicht gezwungen, seine wertvollsten Assets unter Wert zu verkaufen.

Die mit Balz arbeitenden Wirtschaftsprüfer Axel Schmidt und Alexander Balk aus München machen folgende Rechnung auf: Ein Verkauf der MEG 1- und Global Tech 1-Anteile ohne Zeitdruck könne so hohe Erträge bringen, dass sowohl die vor- und nachrangigen als auch die unbesicherten Anleihegläubiger voll bedient werden könnten. Im Zuge der Regelinsolvenz hätten hingegen nur die erstrangigen Gläubiger eine Quote von 28 Prozent zu erwarten, der Rest ginge leer aus.

Damit umwirbt Balz direkt die Gläubiger der beiden Mittelstandsanleihen, deren Forderungen von 125 Millionen Euro unbesichert sind. Für ihn selbst erhofft sich Balz ein Comeback als „Technischer Geschäftsführer“ der maßgeblichen Windreich-Tochter FC Windenergy.

Raufen sich Balz und Blümle noch zusammen?

Ein Sprecher von Blümle hält Balz‘ Vision von einer vollständigen Befriedigung der Bondgläubiger dennoch für „eher unwahrscheinlich“. Blümle wird nun aber vermutlich keine Wahl haben, als ernsthaft die Substanz von Balz‘ Investorengesprächen zu überprüfen. Erweisen sich die Kaufpreisindikationen der von Balz präsentierten möglichen Bieter dabei als belastbar, könnte Balz plötzlich wieder eine wichtige Rolle spielen beim Kampf um die Zukunft von Windreich.

Allerdings gilt es zuvor noch eine Pattsituation aus dem Weg zu räumen. Balz will FINANCE-Informationen zufolge Blümle nicht mit den Investoren verhandeln lassen, ohne dass er selbst mit am Tisch sitzt und die Verhandlungen leitet. Blümle hingegen versucht Balz so weit wie möglich aus den Investorengesprächen herauszuhalten.

Der Markt bleibt skeptisch, dass Blümle und Balz noch zusammenfinden und gemeinsam mehr Geld für die Insolvenzmasse einwerben können: Beide ausstehenden Mittelstandsanleihen notieren seit Monaten wie festgezurrt bei Kursen um 10 Prozent.      

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Info

Was plant Willi Balz? Wie positioniert sich Insolvenzverwalter Holger Blümle? Und welche Investoren mischen mit beim Kampf um die Kronjuwelen des Windkraftpioniers? Die Antworten dazu finden Sie auf unserer Themenseite zu Windreich.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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