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Wirecards Asiengeschäft findet Käufer

Das Asiengeschäft von Wirecard konnte verkauft werden.
Wirecard AG

Mehrere asiatische Tochtergesellschaften des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard haben einen Käufer gefunden. So konnte Insolvenzverwalter Michael Jaffé Anteile bei der britischen und niederländischen Technologie-Investmentgesellschaft Finch Capital platzieren. Finch Capital übernimmt insgesamt vier Töchter: das Geschäft aus den Philippinen, Malaysia, Thailand und Hongkong.

Der Kaufvertrag wurde in dieser Woche schon abgeschlossen, gab Insolvenzverwalter Jaffé am Freitag bekannt. Zusätzlich umfasst die Transaktion auch Vermögensgegenstände und Lizenzen im Zusammenhang mit dem Datawarehouse der Wirecard Asia Holding sowie der Wirecard Singapore. Insgesamt sollen durch den Deal 110 Arbeitsplätze in Asien gesichert werden. Der Wirecard-Gläubigerausschuss hat der Transaktion bereits zugestimmt, es fehlt aber noch die Genehmigung der örtlichen Behörden.

Bei den verkauften Töchtern handelt es sich um regionale Händler von Zahlungsabwicklungslösungen. Das Hong-Kong-Geschäft zum Beispiel bietet für mehrere Branchen Acquiring-Dienstleistungen an. Die Philippinische und Malaysische Tochter bieten unter anderem Online- und Offlinekanäle zur Zahlungsabwicklung an.

Jaffé: „substantielle Zuflüsse für die Insolvenzmasse“

Die jetzt verkauften Töchter hatte Wirecard selbst für rund 200 Millionen Euro von einer Zahlungsabwicklungstochter der US-Bank Citi gekauft. Der jetzige nicht genannte Dealpreis dürfte zwar deutlich darunter liegen, dennoch zeigt sich Insolvenzverwalter Jaffé zufrieden. „Der Verkauf dieser Beteiligungen stellt einen weiteren Erfolg für die Gläubiger dar. Trotz schwieriger Ausgangslage ist es nach einem anspruchsvollen Bieterverfahren gelungen, die Gesellschaften bestmöglich zu veräußern und substantielle Zuflüsse für die deutschen Insolvenzmassen zu sichern.“ Damit sei nicht zu rechnen gewesen, heißt es in der Mitteilung.

Der Start-up Investor Finch hat schon konkrete Pläne mit den neu erworbenen Wirecard-Geschäften. Laut dem „Handelsblatt“ will er in Asien zusammen mit Wettbewerber Nomu Pay einen neuen Zahlungsdienstleister aufbauen. Dieser Deal unterliegt ebenfalls noch der Zustimmung der örtlichen Aufsichtsbehörden. Finch hatte kürzlich bereits die türkische Wirecard-Tochter übernommen.

Zudem verkündet der Insolvenzverwalter, dass auch das Indonesien-Geschäft verkauft wurde. Das Unternehmen PT Wirecard Technologies Indonesia mit rund 360 Mitarbeitern geht an eine Technologieholding einer indonesischen Unternehmensgruppe. Wer genau den Anbieter von digitalen Softwareprodukten für Banken in Indonesien, Malaysia und weiteren südostasiatischen Ländern gekauft hat, teilte Jaffé nicht mit. Zuvor hatte der Insolvenzverwalter auch schon den Verkauf des australischen Geschäfts an einen australischen Zahlungsdienstleister eingefädelt. Die größten Töchter aus den USA und Europa wurden ebenfalls bereits verkauft.

Verweigert EY die Herausgabe wichtiger Dokumente?

Wirecard hatte im Juni 2020 Insolvenz angemeldet, nachdem herauskam, dass 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten fehlen. Seitdem ist Jaffé auf Investorensuche für die gesunden Geschäftsteile. Derweil ist die die Aufarbeitung des Bilanzskandals in vollem Gange. Bei der Aufklärung spielt der ehemalige Wirecard-Prüfer EY eine wichtige Rolle, der die Bilanzen jahrelang uneingeschränkt testiert hatte.

Einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge verweigere EY aber die Herausgabe wichtiger Akten, die für die Ermittlung, insbesondere bei dem Bluff bei den Treuhandkonten, benötigt würden. Zuvor sorgte EY schon für Kritik, als die Prüfer wegen der Verschwiegenheitsverpflichtung nicht vor dem Untersuchungsausschuss zu Wirecard aussagen wollten. Dem Bericht zufolge dränge der Insolvenzverwalter nun vor Gericht auf die Offenlegung der Dokumente.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

 

 

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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