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14.03.19
Deals

3 Gründe für den M&A-Boom in der Industrieautomation

Zahlreiche Käufer sind bereit, für Anbieter von Automatisierungslösungen am M&A-Markt enorme Aufschläge zu bezahlen. Was die Branche so attraktiv macht – die FINANCE-Sektoranalyse.

Als der schwedische Private-Equity-Investor IK Investment den deutschen Anbieter von Automatisierungslösungen Transnorm verkaufte, staunten viele nicht schlecht. Für 425 Millionen Euro ging Transnorm an den US-Mischkonzern Honeywell. IK versechsfachte seinen Einsatz bei Transnorm – und das, obwohl Transnorm bereits zuvor durch die Hände zweier Finanzinvestoren gegangen war.

Dieser Deal steht exemplarisch für den M&A-Boom, der die Industrieautomatisierung erfasst hat. „Wir haben in den letzten 24 Monaten viele Transaktionen gesehen, die ein ähnliches Muster wie der Transnorm-Deal aufwiesen“, erklärt Frank Merkel, Managing Partner bei der M&A-Beratung Alantra, die einige Industrieautomatisierungs-Deals begleitet hat, unter anderem den Exit von IK bei Transnorm.

Enorme Multiple-Arbitrage möglich

In den hier beobachteten Transaktionen stiegen Finanzinvestoren bei einem Automatisierungsunternehmen für ein durchschnittliches Ebitda-Multiple von 9x ein und schafften beim Exit ein durchschnittliches Multiple von 14x Ebitda. Unter den Käufern befinden sich dann fast ausschließlich strategische Investoren, hat Merkel beobachtet. Die Private-Equity-Branche hat den Trend damit früher entdeckt als die Strategen und die günstig eingekauften Branchenunternehmen fit gemacht. Jetzt, da die Strategen nachziehen, explodieren die Preise. 

Im aktuellen Umfeld sind Kaufinteressenten laut Merkel sogar dazu bereit, für hochspezialisierte und überdurchschnittlich stark wachsende Unternehmen, bis zu 20x Ebitda zu bezahlen. Worin liegt dieses extreme Interesse an Automatisierungsunternehmen begründet?

Grund 1: Dynamisches Marktwachstum

M&A-Experte Merkel sieht den hohen Bedarf an automatisierten Prozessen in verschiedenen Branchen als einen der Hauptgründe für die hohen Bewertungen: „Der aktuelle M&A-Boom steht unter der großen Überschrift Wachstum. Der Markt für Industrieautomatisierung weist Wachstumsraten auf, die deutlich im zweistelligen Prozentbereich liegen.“

Ein Treiber dieses Anstiegs: Der Vormarsch des E-Commerce-Handels und der damit einhergehende Um- und Aufbau der benötigten Infrastruktur. Dies beschert den Anbietern nicht nur eine hohe Nachfrage und enorme Zuwachsraten, sondern die geringen Kapazitäten und das damit knappe Angebot ermöglichen auch höhere Margen. „Die Konsequenz sind sehr attraktive Bewertungen“, schlussfolgert Merkel.

„Der Markt für Industrieautomatisierung weist Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich auf.“

Frank Merkel, Alantra

Grund 2: Nur wenige Targets verfügbar

Doch die große Nachfrage nach Unternehmen, die intelligente Automatisierungslösungen anbieten, kann auf dem M&A-Markt nicht gedeckt werden. Die Knappheit an verfügbaren Targets treibt die Bewertungen. Zudem stehen auf der Verkäuferseite Private-Equity-Häuser, die geschickt darin sind, explosive Bieterschlachten anzuheizen, wenn sie begehrte Targets besitzen.

„Für Finanzinvestoren wird die Luft bei Ebitda-Multiples von 13x bis 14x eher dünn.“

Frank Merkel, Alantra

Bei solchen Konstellationen sind fast immer strategische Käufer im Vorteil – wenn diese glauben, kaufen zu müssen, sind sie fast immer dazu bereit, höhere Kaufpreise zu akzeptieren als Finanzinvestoren. Dies geschieht nun auch bei der Industrieautomation: „Bei der Mehrzahl der Deals waren die Strategen kompetitiver als die Finanzinvestoren“, berichtet Merkel. „Für Finanzinvestoren hingegen wird die Luft bei Ebitda-Multiples von 13x bis 14x eher dünn.“

Grund 3: Unerwartete Verkäufer tauchen auf

Die attraktiven Bewertungen und das große Kaufinteresse haben einen weiteren Effekt: Sie locken auch Unternehmer in den M&A-Markt, die eigentlich noch gar keinen Exit auf der Agenda hatten. „Aufgrund der hohen Bewertungen sind Unternehmen, die eine Automatisierungslösung anbieten, verkaufsbereiter als noch vor fünf Jahren“, erklärt Merkel.

Dieser Trend reicht bis tief in den Mittelstand hinein: „Auch für kleine und mittelständische Unternehmen aus diesem Bereich macht es bei diesen Multiples Sinn, sich von einem Geschäftsteil oder dem gesamten Unternehmen zu trennen, welchen beziehungsweise welches sie sonst nicht veräußert hätten“, erläutert Merkel. Er erwartet, dass der Boom auch in den kommenden Monaten weiter anhalten wird.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de