Aktivistische Aktionäre und Hedgefonds verwalten immer größere Vermögen. Auch in Deutschland treten sie vermehrt in Aktion.

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09.09.15
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Aktivistische Aktionäre werden immer mächtiger

Bei CFOs sind sie nicht sonderlich beliebt, unter Investoren dagegen mittlerweile schon: Den aktivistischen Aktionären sind in den vergangenen Monaten erhebliche Mittel zugeflossen. Das weckt Sorgen bei börsennotierten Unternehmen.

In Investorenkreisen gilt es inzwischen anscheinend nicht mehr als Stigma, mit einem aktivistischen Hedgefonds in Verbindung gebracht zu werden. Ein Indiz: Die Activists konnten ihre finanzielle Ausstattung zuletzt deutlich ausbauen und verwalteten im zweiten Quartal Assets under Management im Volumen von 129,7 Milliarden US-Dollar, wie J.P. Morgan unter Berufung auf die Industry Reports des Datenanbieters Hedge Fund Research berichtet. Damit sind die verwalteten Mittel erneut deutlich gestiegen: Ende 2014 lagen sie bei 119,2 Milliarden Dollar, im Jahr 2010 hatten die Aktivisten sogar erst 46,8 Milliarden Dollar zur Verfügung.

Die steigende Finanzkraft der Hedgefonds setzt CFOs in börsennotierten Unternehmen unter Druck. Auch in Europa sind Angriffe aktivistischer Hedgefonds inzwischen ein verbreitetes Phänomen. Besonders betroffen ist Großbritannien: Seit 2010 wurden aktivistische Aktionäre dort bei 95 Unternehmen aktiv, zeigt eine Analyse der Investmentbank Barclays auf Basis der Daten des Branchendienstes Activist Insight. In Deutschland attackierten die Aktivisten seit 2010 insgesamt 19 Unternehmen.

Aktivistische Hedgefonds sind auch in Deutschland engagiert

Die Investoren steigen häufig zunächst mit kleineren Paketen bei einem Unternehmen ein und bauen ihren Einfluss dann sukzessive auf. So beispielsweise auch der Hedgefonds Cevian Capital, der 2011 zunächst mit 12 Prozent bei Bilfinger eingestiegen war. Im Mai des vergangenen Jahres bauten die Schweden ihre Beteiligung auf 20 Prozent aus und stockten im September erneut auf 25,6 Prozent auf. Seitdem hat der Großaktionär einige Veränderungen angestoßen: Cevian hat den früheren Metro-Chef Eckhard Cordes als Aufsichtsratsvorsitzenden und zweiten Cevian-Vertreter erfolgreich im Kontrollgremium von Bilfinger positioniert, auch die Auswahl des Managers Per Utnegaard als neuem Bilfinger-CEO soll auf Cevian zurückgehen. Utnegaard hat inzwischen einen gewaltigen Konzernumbau angestoßen, der auch den geplanten Verkauf des defizitären Kraftwerksgeschäfts umfasst.

Auch bei ThyssenKrupp hat Cevian seinen Einfluss bereits geltend gemacht. Dort sicherten sich die Schweden 2013 zunächst 5 Prozent der Anteile, inzwischen haben sie ihren Anteil auf mehr als 15 Prozent ausgebaut. Dieses Jahr wurde Cevian-Partner Jens Tischendorf Mitglied des Aufsichtsrats bei dem Stahlkonzern, auch in die Debatte über strukturelle Veränderungen bringt sich der aktivistische Hedgefonds Beobachtern zufolge aktiv ein.

CFOs müssen sich auf Aktivisten einstellen

Unternehmen wie ThyssenKrupp oder Bilfinger macht ihre schwache Performance angreifbar für Attacken durch aktivistische Investoren. „Auch Unternehmen in sich konsolidierenden Branchen bieten den Aktivisten eine Vielzahl von Punkten, an denen sie ihre Strategie zur Wertsteigerung anknüpfen können. Um diese durchzusetzen, üben sie mitunter erheblichen Druck auf das Management eines Zielunternehmens aus“, sagt der Deutschlandchef von Barclays, Alexander Doll.

Doch auch Unternehmen mit hohem Cash-Überschuss müssen sich von investierten Hedgefonds unangenehme Fragen gefallen lassen. CFOs sollten sich darauf vorbereiten: „Die Unternehmen brauchen eine Strategie, wie sie die Investoren teilhaben lassen. Das können Aktienrückkäufe, Dividenden oder wertsteigernde M&A-Deals sein“, sagt Doll.

Vor aktivistischen Investoren die Augen zu verschließen und zu hoffen, dass der Kelch am eigenen Unternehmen vorübergeht, ist keine Lösung. Die Aktivisten haben in den vergangenen Jahren eine starke finanzielle Basis aufgebaut, die sie für Investments nutzen wollen. Das dürften auch deutsche Unternehmen zu spüren bekommen, zumal bei den deutschen Unternehmen die Geschäfte gut laufen und die Activists hier gleichzeitig noch unterrepräsentiert sind: „Das Engagement aktivistischer Investoren wird in den kommenden Jahren auch in Deutschland weiter zunehmen“, erwartet Doll.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de