Wenn der aktivistische Investor sich einschaltet, wird es für alteingesessene Konzernmanager oft ungemütlich.
20.11.17
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„Aktivistische Investoren halten CFOs den Spiegel vor“

Deutsche Bank, Stada, OHB: Aktivistische Investoren nehmen deutsche Firmen ins Visier. Activist-Experte Patrick Siebert von Alvarez & Marsal verrät, was die Lieblingsfrage der Investoren an den Finanzchef ist.

Wenn aktivistische Investoren sich in ein Unternehmen eingekauft haben, ist der Finanzchef oft der erste Ansprechpartner. Das sagte Patrick Siebert, Managing Director bei der Beratungsfirma Alvarez & Marsal, am Freitag vor Journalisten.

„Viele Unternehmen haben Respekt vor aktivistischen Investoren, weil sie sehr gut vorbereitet sind und den Finger in die Wunde legen“, so Siebert, der für Alvarez & Marsal das deutsche Geschäft rund um die Aktivisten-Angriffe leitet. „Aktivisten halten CFOs den Spiegel vor. In Teilen drehen sich die Vorwürfe darum, dass die Firmen zu viel Cash halten. Das bringt die Aktivisten zu der Frage, ob die Firmen nicht gewillt oder nicht in der Lage sind, das Kapital gewinnbringend zu investieren.“

Cerberus ist bei Deutscher Bank eingestiegen

Aktivisten haben in Deutschland etwa den Generikahersteller Stada und den Satellitenbauer OHB in die Mangel genommen. Zuletzt ist Cerberus bei der Deutschen Bank eingestiegen, wobei hier noch unklar ist, ob der US-Investor eine aktivistische Agenda verfolgt, die auf eine Strategieänderung der Deutschen Bank abzielt.

Der verschwiegene Finanzinvestor hält zudem 5 Prozent an der Commerzbank. Das befeuert Spekulationen, nach denen Cerberus eine Fusion der beiden Banken anstrebt. Auch im Bieterprozess für die HSH Nordbank mischt Cerberus mit.

Aktivisten fordern oft Abspaltungen

Die Definition eines aktivistischen Investoren ist schwammig, doch Cerberus hat bei der österreichischen Bank Bawag seine Bereitschaft zu scharfen Kurskorrekturen und tiefgreifenden Sanierungen allemal unter Beweis gestellt. Dort haben die US-Amerikaner nach der Übernahme der Anteilsmehrheit die Kosten gesenkt, die Bilanz aufgeräumt und das Geschäftsmodell so weit fokussiert, dass die Rendite deutlich anstieg. Vor wenigen Wochen brachte Cerberus die Bawag an die Börse.

„Aktivisten sind bei vielen auf der Agenda, aber die wenigsten wissen bei einem Angriff, wie sie sich verhalten sollen“, warnt Siebert. Sein Hinweis: „Das Kapital kommt meistens aus dem angelsächsischen Raum. Darum drehen sich die Forderungen auch meist um Rezepte, die dort beliebt sind. Ganz oben auf der Liste steht die Abspaltung von Konzernteilen – Konglomerate sind zur Zeit eben sehr unbeliebt.“

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

AOC, Cevian und Co. werden auch in Deutschland immer stärker. Wen sie im Visier haben, lesen Sie auf der Themenseite aktivistische Investoren.