Auch Volkswagen bekommt es mit einem aktivistischen Investor zu tun: Der Hedgefonds TCI bemängelt unter anderem die Vorstandsvergütung.

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08.09.16
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Aktivistische Investoren: Mehr Angriffe, schlechtere Performance

Aktivistische Investoren wollen Europa erobern, die Zahl der Angriffe auf hiesige Unternehmen steigt massiv. Die Aktivisten kämpfen aber selbst immer stärker mit unzufriedenen Investoren.

Wenn sich aktivistische Investoren in das Unternehmen einkaufen, wird es ungemütlich für das Top-Management. Die Betroffenen bei Stada, VW, E.on und Wirecard wissen das nur zu gut. Doch nun geraten die Aktivisten selbst unter Druck: Ihre Investoren, allen voran große Pensionsfonds, Asset Manager und Versicherungen, sind unzufrieden mit der Performance, berichtet der Datenanbieter Preqin.

Demnach geben vernichtende 100 Prozent aller weltweit befragten 490 Investoren, die Ergebnisse ihrer aktivistisch gemanagten Zielfonds sei im ersten Halbjahr blieben hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben. Mit Blick auf die Zahlen überrascht das nicht: In den zwölf Monaten bis Ende Juni lieferten aktivistische Strategien einen Netto-Return (nach Abzug der Gebühren) von minus 5,57 Prozent, wie Preqin errechnet hat. Der Jahresstart 2016 war besonders schwach. Von den insgesamt 29 untersuchten Hedgefonds-Strategien schneidet der aktivistische Ansatz damit am viertschlechtesten ab.

Anleger ziehen Gelder von aktivistischen Investoren ab

Die Investoren haben auf die schlechte Performance reagiert, sie ziehen ihre Gelder ab: Während Aktivisten ihre Assets under Management laut JP Morgan von 2009 bis 2015 jährlich um durchschnittlich 23 Prozent steigern konnten, verringerten sie sich im ersten Halbjahr um 8,5 Prozent auf nunmehr 112,5 Milliarden US-Dollar. Der Investmentbank zufolge kritisieren die Investoren vor allem die hohen Gebühren, die nicht im Einklang mit den Ergebnissen stünden.

Eine Trendwende bei den Kapitalströmen ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Für das zweite Halbjahr planen 9 Prozent der von Preqin befragten Investoren, Gelder aus aktivistischen Fonds abzuziehen. Dem gegenüber stehen lediglich 5 Prozent, die mehr Mittel in diese Anlageform stecken möchten.

Die Spielarten der Aktivisten nehmen zu

Für deutsche Unternehmen, die zuletzt vermehrt in den Fokus der aggressiven Investoren gerückt sind, ist das allerdings kein Grund zum Durchatmen. Aktivistische Strategien haben trotz der aktuellen Performance-Delle Konjunktur – insbesondere in Europa. Nahezu 100 Kampagnen zählte JP Morgen in den zwölf Monaten bis Ende Juni. Das entspricht einer Steigerung von 62 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Dabei werden die Absichten und Methoden der Aktivisten vielfältiger: Einige wollen die Unternehmensstrategie aktiv mitgestalten, wie etwa der schwedische PE-Investor Cevian bei Bilfinger und ThyssenKrupp oder der Hedgefonds Knight Vinke, der das Management von E.on auffordert, die regionalen Strom- und Gasnetze zu verkaufen. Dann gibt es die Investoren, die sich auf – echte oder vermeintliche – Corporate-Governance-Schwächen konzentrieren, wie AOC bei Stada oder der britische Hedgefonds TCI bei VW. In die dritte Kategorie fallen Shortseller, die auf das schnelle Geld aus sind. Wirecard und Ströer haben in diesem Jahr bereits Bekanntschaft mit den zum Teil rabiaten Methoden dieser Investmenthäuser gemacht.

Offensive der Aktivisten in Europa kein Strohfeuer

In Europa kann sich die Performance der Aktivisten durchaus sehen lassen: Europa-fokussierte Investoren erzielten 2015 einen jährlichen Return von 13,76 Prozent, wie Preqin auf Anfrage von FINANCE mitteilte. Global gesehen lag die Rendite aber  lediglich bei 2,67 Prozent. In diesem Jahr hat sich das Bild für  den europäischen Markt allerdings umgedreht: In den ersten sieben Monaten liegt der Return mit 3,86 Prozent leicht unterhalb des globalen Schnitts von 3,98 Prozent.

Die Experten von JP Morgan glauben dennoch nicht, dass der Boom so schnell vorbei sein wird. Die Unzufriedenheit mit den Hedgefonds sorge vielmehr dafür, dass einige Pensionsfonds und andere „Long only“-Investoren eigene Teams aufbauen, um aktivistische Kampagnen zu starten. CFOs müssen sich daher vermutlich eher auf mehr denn auf weniger unbequeme Aktionäre einstellen.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Wirecard, Ströer, Stada, VW: Die Angriffe aktivistischer Investoren auf deutsche Konzerne häufen sich. Was Hedgefonds damit bezwecken und wie sich Manager gegen die Angriffe wehren, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite Aktivistische Investoren.