Credit Suisse

17.10.17
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Aktivistischer Hedgefonds RBR greift Credit Suisse an

Der Schweizer Hedgefonds RBR attackiert im Rahmen einer Kampagne die Credit Suisse. Sein Ziel: Die Aufspaltung der Bank in drei Teile. Doch bisher hält der Fonds nur einen minimalen Anteil.

Der aktivistische Hedgefonds RBR hat einen kühnen Plan, um den Börsenwert der Schweizer Großbank Credit Suisse zu steigern. Die Investorengruppe rund um Rudolf Bohli, der den Fonds leitet, will die Bank in drei Teile aufspalten. Der erste der drei neu zu schaffenden Geschäftsbereiche soll eine amerikanische Investmentbank sein, der zweite die Vermögensverwaltung und der dritte das Privat- und Geschäftskundengeschäft.

Wie genau RBR seine Pläne verwirklichen will, ist offen, denn bisher hält der Fonds laut Informationen der Zeitung „Financial Times“ gerade einmal zwischen 0,2 und 0,3 Prozent an der Credit Suisse. Der Wert dieses Aktienpakets entspricht rund 100 Millionen Franken (87 Millionen Euro). Inwiefern diese Informationen den Tatsachen entsprechen, wollte RBR auf eine FINANCE-Anfrage nicht kommentieren. 

RBR will Machtverhältnisse kippen

Damit ist klar: Bohli muss einige Großaktionäre für sich gewinnen, um die Mehrheitsverhältnisse zu kippen. Laut Informationen der „Financial Times“ hat RBR bereits Kontakt zu über 100 Investoren aufgenommen, um den Einflussbereich des Fonds auszuweiten. Offenbar will er sich den Unmut vieler Investoren zu Nutze machen, denen die Restrukturierung der Credit Suisse zu lange dauert. 

Wie viele dieser Investoren tatsächlich Credit-Suisse-Aktien halten und um wen es sich bei den Geldgebern konkret handelt, ist nicht bekannt. Laut Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, soll Gaël de Boissard, der frühere Chef der Investmentbanksparte der Credit Suisse, zu den Investoren gehören. RBR wollte die Pläne des Fonds auf FINANCE-Nachfrage nicht näher kommentieren und verwies auf die Veröffentlichung genauerer Informationen bis voraussichtlich Ende dieser oder zu Beginn der kommenden Woche.

Credit Suisse zeigt sich unbeeindruckt

Bei der Credit Suisse zeigt man sich unbeeindruckt von den Plänen des ehemaligen Analysten Bohli. „Wir begrüßen die Sichtweise von jedem unserer Aktionäre, konzentrieren uns aber auf die Umsetzung unserer Strategie und unseren Dreijahresplan“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme.

Neben Credit Suisse hat sich nun auch der Großaktionär der Investmentbank Harris Associates zu Wort gemeldet. Laut einem Bericht der "Financial Times" fordert der Anteilseigner offenbar eine genauere Prüfung der Pläne von RBR durch die Credit Suisse. Zugleich betone Harris Associates laut dem Bericht, dass man das Vorhaben von RBR nicht Ernst nehme, jedoch Teile davon es Wert seien überprüft zu werden. 

Das Geldinstitut befindet sich aktuell in einer Umbauphase
, nachdem man vor etwa zwei Jahren mit der Restrukturierung der Geschäftsbereiche begonnen hatte, um in Zukunft besser für mögliche Krisen gerüstet zu sein. 

Im Rahmen des Umbaus hat Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam bereits zwei milliardenschwere Kapitalerhöhungen durchgeführt. Zudem hat er das Investmentbanking verkleinert und den Fokus auf die Vermögensberatung gelegt. Damit verfolgen die Schweizer bei ihrer Neuaufstellung eine ähnliche Strategie wie die Deutsche Bank, und genau wie der deutsche Branchenprimus hat auch die Credit Suisse lange an einem starken Investmentbanking festgehalten, bevor der neue Chef Thiam die Wende einleitete.

RBR scheiterte bereits mit ähnlichen Plänen

RBR hat bereits mit mehreren Kampagnen versucht, seinen Einfluss in Unternehmen zu vergrößern. Nicht immer war der Hedgefonds dabei erfolgreich. Zu den Zielen gehörten dabei unter anderem der Vermögensverwalter Gam Holding und der Airline-Caterer Gategroup. In beiden Fällen wollte RBR Verwaltungsräte seiner Wahl installieren.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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