Sieht einen regelrechten Run von ausländischen Finanzinvestoren auf deutsche Tech-Unternehmen: Steve Roberts, Private-Equity-Chef von PwC.

PwC

29.12.16
Deals

Ausländische Käufer sind heiß auf deutsche Tech-Firmen

Auf deutsche Technologieunternehmen hat ein „regelrechter Run“ eingesetzt, glaubt PwC-Partner Steve Roberts. Vor allem Private-Equity-Investoren heizen die M&A-Bonanza an.

Deutsche Technologieunternehmen gehören derzeit zu den heißesten Waren am globalen M&A-Markt, zeigen Zahlen von PwC, die die Unternehmensberatung heute Vormittag vorgelegt hat. Die Steigerung von Akquisitionen deutscher Technologiespezialisten durch ausländische Investoren bezeichnet PwC als „spektakulär“: Die 141 M&A-Deals mit deutschen Technologiekonzernen als Target, die PwC allein bis Mitte November zählte, entsprechen grob einer Verdoppelung gegenüber dem Stand vor drei Jahren. 2013 waren noch 78 deutsche Technologieanbieter auf den Kaufzetteln ausländischer Investoren gelandet.

PwC-Partner Steve Roberts: „PE hat deutsche Tech-Firmen entdeckt“

Die größten Tech-Deals 2016 waren allerdings Minderheitsbeteiligungen: Sowohl beim Einstieg des niederländischen Chipkonzerns ASML bei der Carl-Zeiss-Tochter SMT (Kaufpreis: 1 Milliarde Euro) als auch beim Einstieg des PE-Investors Warburg Pincus mit 33,3 Prozent bei der Business-Applications-Sparte von United Internet (Kaufpreis: rund eine halbe Milliarde Euro, Gesamtbewertung: 2,55 Milliarden Euro) blieben die deutschen Mutterkonzerne Hauptgesellschafter.

Insbesondere den Warburg-Pincus-Deal hält PwC-Partner Steve Roberts für richtungsweisend: „Vor allem die Private-Equity-Branche hat den deutschen Technologiesektor für sich entdeckt, die Zahl der Tech-Deals hat sich hier seit 2013 verfünffacht“, freut sich der Leiter des Private-Equity-Teams von PwC in Deutschland. Roberts glaubt, dass dahinter auch strategische Motive der Käufer stecken: „Die PE-Häuser setzen darauf, dass ihr gesamtes Portfolio von den Technologien ‚made in Germany‘ profitiert und sich dadurch Synergien schöpfen lassen.“

25 Prozent mehr Übernahmen durch ausländische Käufer als 2015

Auch außerhalb der Tech-Branche war 2016 der Übernahmehunger ausländischer Finanzinvestoren auf deutsche Targets groß. Auf der Basis von 266 Private-Equity-finanzierten Übernahmen in Deutschland bis Mitte November schätzt PwC den Jahresendstand auf mehr als 300 Deals. Das wären 25 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Insgesamt liegt der Private-Equity-Anteil unter den ausländischen Käufern deutscher Unternehmen damit mittlerweile schon bei 35 Prozent, da die Gesamtzahl der ausländischen Übernahmen in Deutschland 2016 nicht so stark gestiegen ist. Nach Schätzung von PwC ging es dort insgesamt“ um rund 20 Prozent auf 850 Deals nach oben. Aber auch dies ist ein starker neuer Rekordwert. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2015 (728 Transaktionen) ist laut Zählung von PwC schon im November geknackt worden.  

M&A in Deutschland: Chinesen schieben sich vor die Briten

Verantwortlich für die neuen Höchststände sind vor allem Käufer aus den Schwellenländern. So hat sich China in diesem Jahr mit rund 70 Übernahmen in Deutschland auf Rang 4 vorgeschoben und hat damit Großbritannien überholt, dessen Vertreter 2016 nur 68 mal am deutschen M&A-Markt zuschlugen. Diesen Trend haben M&A-Professionals schon im Sommer gegenüber FINANCE als prägend identifiziert.

Spitzenreiter bleiben zwar US-Investoren. Mit 136 Deals bis Mitte November ist deren Marktanteil laut PwC 2016 aber von 25 auf nur noch 18 Prozent zurückgegangen. Auf den Plätzen 2 und 3 liegen Käufer aus der Schweiz (78 Deals) und Frankreich (71 Deals).

Am begehrtesten waren Unternehmen mit industrieller Produktion (188 Deals), gefolgt von der Handels- und Konsumgüterbranche (142 Deals) und der Tech-Industrie (141 Deals). Abgeflaut ist der M&A-Boom im Immobiliensektor. Die 54 Deals, die PwC bis Mitte November zählte, dürften kaum reichen, um bis Jahresende den Vorjahreswert von 72 Deals zu erreichen – und das in einem insgesamt stark steigenden Markt.

Die größten ausländischen Zukäufe des Jahres waren der Kauf von Kuka durch Midea, die Akquisition des Immobilienunternehmens Office First durch Blackstone und die Übernahme des Spezialchemieherstellers Atotech durch Carlyle.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de