Mit der Übernahme von TPW will Baker Tilly Roelfs in Hamburg und Norddeutschland expandieren.

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06.05.15
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Baker Tilly Roelfs und TPW fusionieren

Das Fusionskarusell am Wirtschaftsprüfermarkt dreht sich weiter: Baker Tilly Roelfs unterstreicht seinen Ruf als Konsolidierer und steigt mit der Übernahme von TPW wieder zur Nummer 7 in Deutschland auf. Doch die Big 4 sind noch immer meilenweit entfernt.

Keine zwei Wochen ist die große Fusion von Roever Bronner Susat mit Mazars  her, da schließen sich erneut zwei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zusammen: Baker Tilly Roelfs und TPW Todt & Partner fusionieren. TPW mit Sitz in Hamburg bietet Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung sowie Financial Services an und ist auf den Schifffahrtsbereich, Alternatives Investmentvermögen (AIFM) sowie Kapitalanlagerecht fokussiert. Die Gesellschaft beschäftigt rund 250 Mitarbeiter und 20 Partner und berät Mittelständler.

Baker Tilly Roelfs ist in Deutschland mit 800 Mitarbeitern an zwölf Standorten vertreten und damit deutlich größer als der Fusionspartner TPW. Dank des internationalen Netzwerkverbunds, in dem das Unternehmen agiert, ist die Sozietät weltweit sogar in 133 Ländern tätig. Baker Tilly Roelfs will mit der Fusion vor allem die Präsenz in Hamburg und Norddeutschland ausbauen, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Die fusionierte Gesellschaft soll mit Baker Tilly Roelfs den Namen des größeren Fusionspartners tragen.

WP-Gesellschaften: Konzentration setzt sich fort

Damit setzt sich der Konzentrationsprozess innerhalb der deutschen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften weiter fort. Baker Tilly Roelfs tritt dabei als einer der entschiedensten Konsolidierer auf und hatte auch schon im vergangenen Jahr mit der Übernahme der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Karl Berg und der Beratungsgesellschaft Business & Finance Consulting Services aufgewartet.  

Auf der jährlich veröffentlichten Lünendonk-Liste der größten deutschen WP-Gesellschaften, die seit etlichen Jahren von PwC, KPMG, Ernst & Young und Deloitte angeführt wird, belegte die Baker Tilly Roelfs Gruppe zuletzt (2013) den 8. Platz mit einem Umsatz von 94,5 Millionen Euro. TPW lag mit einem wesentlich niedrigeren Umsatz von 25,6 Millionen Euro im Jahr 2013 auf Platz 21.

Die neue Gesellschaft wird deutschlandweit voraussichtlich mit 1.050 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von knapp 135 Millionen Euro erwirtschaften, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Unternehmen. Das deutet darauf hin, dass beide Unternehmen 2014 ihre Geschäfte ausbauen konnten und auf Wachstumskurs sind.  

Baker Tilly Roelfs zieht wieder an RBS/Mazars vorbei

Mit dem künftig höheren Umsatz dürfte die fusionierte Gesellschaft auf Platz 7 des Branchenrankings landen. Damit läge Baker Tilly Roelfs noch vor der gerade fusionierenden Einheit aus Roever Broenner Susat und Mazars, die mit voraussichtlich 111 Millionen Euro wieder auf Platz 8 zurückfiele. Auf Platz 6 liegt mit 150 Millionen Euro Ebner Stolz. Die Big 4 sind allerdings noch weit entfernt: Die auf Platz 4 gelistete Deloitte setzte 2013 mehr als 600 Millionen Euro um.  Die neuen Zahlen für 2014 wird Lünendonk im Sommer veröffentlichen.

Zu den Gründen der Fusion heißt es, dass Baker Tilly Roelfs und TPW sich inhaltlich und geographisch „optimal ergänzen“ würden. Roever Broenner Susat und Mazars begründeten ihre Fusion Ende April nicht zuletzt auch mit dem starken Konsolidierungsdruck in der Branche.

 

„Mazars ist in Deutschland alleine zu schwach, um angesichts des Konsolidierungsdrucks zu bestehen“, sagte der künftige Aufsichtsrat Gregor Kunz vor zwei Wochen zu FINANCE. Eine verstärkte Regulierung würde dazu führen, dass der Markt nicht Platz für mehr als zehn Gesellschaften hätte. Dies lässt erwarten, dass das Fusionskarussel am deutschen WP-Markt sich noch längst nicht ausgedreht hat.

julia.becker[at]inance-magazin.de