Zeitenwende am deutschen M&A-Markt? Die Bundesregierung zieht bei der Kontrolle ausländischer Käufer die Zügel an.

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06.01.19
Deals

Berlin verstärkt Eingriffe in den M&A-Markt

Berlin zieht die Zügel an und prüft wesentlich mehr Firmenkäufe durch ausländische Investoren als früher. Und auch die Sanktionsinstrumente werden schärfer.

Die Bundesregierung hat sich im abgelaufenen Jahr deutlich stärker in das M&A-Geschehen eingemischt als in den Vorjahren. Wie die FAZ Unterlagen des Bundeswirtschaftsministeriums entnommen hat, stieg die Zahl der Prüfungen von M&A-Vorhaben durch Nicht-EU-Ausländer 2018 von 66 auf 78. In 27 Fällen und damit am häufigsten wurden Investitionsvorhaben chinesischer Käufer geprüft, dicht gefolgt von amerikanisch-deutschen M&A-Deals, die 26 Mal ins Visier des Wirtschaftsministeriums gerieten. Im Vergleich dazu stehen 66 Prüfungen ausländischer Übernahmen im Jahr 2017.

Diese Zahlen stehen in deutlichem Kontrast zu den eigentlichen Kräfteverhältnissen am deutschen M&A-Markt. Nach Zahlen von EY griffen US-Käufer 2018 rund viermal so oft in Deutschland zu wie chinesische Käufer. Insgesamt zählte EY bis Mitte November nur 34 abgeschlossene Unternehmens- oder Anteilskäufe durch Chinesen. Der Anteil der Prüfungen an allen laufenden Deals ist bei sino-deutschen M&A-Deals also überproportional hoch. 

Berlin dürfte 2019 stärker am M&A-Markt intervenieren

Und die Vorzeichen stehen auf eine weitere Forcierung dieses Trends im neuen Jahr, denn kurz vor Weihnachten hat die Bundesregierung eine Absenkung der Kontrollschwelle, ab der sie eingreifen darf, von 25 auf 10 Prozent auf den Weg gebracht. Von dem neuen Schwellenwert werden wesentlich mehr potentielle M&A-Deals erfasst als von der bislang gültigen Grenze. Die Neuerungen treffen allerdings nur bestimmte Unterbranchen aus sensiblen Wirtschaftsbereichen wie Infrastruktur, Militär- und Nukleartechnik.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erklärte, dass ausländische Interessenten zwar weiterhin gerne in deutsche Firmen investieren sollten, man fortan aber genauer prüfen möchte, wer genau sich für deutsche Firmen interessiert und welche Konsequenzen ein Verkauf nach sich ziehen könnte. Bei dem Maschinenbauer Leifeld und dem Stromnetzbetreiber 50Hertz hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr den geplanten Einstieg chinesischer Investoren vereitelt.

olivia.harder[at]finance-magazin.de