Der US-Konzern BorgWarner übernimmt Akasol.

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15.02.21
Deals

Akasol an US-Konzern verkauft

Der US-Autozulieferer BorgWarner schluckt den deutschen Batterie-Champion Akasol, dessen Gründerfamilie steigt aus. Das sind die Deal-Details.

Akasol wird amerikanisch: Der US-Konzern BorgWarner hat ein Übernahmeangebot für den Hersteller von LkW-, Bus- und Zugbatteriesystemen vorgelegt und sich bereits die Zustimmung der Hauptaktionäre gesichert. Wie Akasol am heutigen Montagmorgen mitteilte, haben beide Unternehmen ein „Business Combination Agreement“ abgeschlossen, das BorgWarner die Türen für ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot geöffnet hat.

Akasol-Deal kostet BorgWarner rund 730 Millionen Euro

Die Offerte sieht so aus: Der US-Autozulieferer legt fast 730 Millionen Euro auf den Tisch, den Anteilseignern wird ein Preis von 120 Euro je Aktie angeboten. Das Angebot liegt damit rund ein Viertel über dem Durchschnittskurs der vergangenen drei und rund 44 Prozent über dem Kurs der vergangenen sechs Monate. Zudem enthält es eine Prämie auf das von Bloomberg ermittelte durchschnittliche Analystenkursziel von 99 Euro. Im März, auf dem Höhepunkt der Pandemiepanik am Kapitalmarkt, war die Akasol-Aktie bis auf 27 Euro abgestürzt.

Das BorgWarner-Angebot entspricht einem Umsatz-Multiple von rund 6x auf den von Analysten prognostizierten 2021er-Umsatz von 125 Millionen Euro sowie einem Umsatz-Multiple von 1,8x auf das 2024er-Umsatzziel von mindestens 400 Millionen Euro. Akasol wirtschaft aktuell noch defizitär und cashflow-negativ. Per Ende September belief sich die Nettofinanzverschuldung auf 44 Millionen Euro.

Akasol-Gründer verkaufen an BorgWarner

Der Akasol-Vorstand um Gründer und CEO Sven Schulz sowie CFO Carsten Bovenschen sind mit diesem M&A-Dealangebot zufrieden. Schulz, der Akasol in den Neunzigerjahren gegründet und Mitte 2018 an die Börse geführt hatte, besitzt rund 47 Prozent der Anteile. Ergänzt um die Aktienpakete anderer Gründer befinden sich 59 Prozent der Akasol-Aktien in sicheren Händen. Alle Gründer haben dem Verkauf ihrer Aktien zugestimmt, womit die Übernahme schon jetzt in trockenen Tüchern ist, da BorgWarner die Mindestannahmeschwelle lediglich auf 50 Prozent plus eine Aktie festgelegt hat.

Als M&A-Berater für Akasol fungierte die Berenberg Bank, rechtlich wurde die Kanzlei Hogan Lovells hinzugezogen. PwC und Allen & Overy agieren als unabhängige Berater für den Akasol-Aufsichtsrat.

CFO Carsten Bovenschen bleibt an Bord

Die Übernahme biete für Akasol die Möglichkeit, die Wachstumsstrategie im Elektromobilitätsumfeld umzusetzen und die Marktposition für Batteriesysteme weiter zu stärken, so lautet die Erklärung für die Aufgabe der Unabhängigkeit. „Auf Wunsch von BorgWarner und aus eigenem Antrieb werde ich das Unternehmen als CEO zusammen mit meinem Kollegen Carsten Bovenschen, allen Gründern und dem Management-Team weiterführen. Wir freuen uns sehr auf dieses neue Kapitel unserer Firmengeschichte“, kommentiert CEO Schulz den Deal.

Akasol stellt Batteriesysteme für Busse, Bahnen, Lastwagen, Industriefahrzeuge sowie Schiffe her und will von der zunehmenden Elektrifizierung schwerer Fahrzeuge profitieren. Zu den Kunden gehören Großkonzerne wie beispielsweise Daimler, Volvo und Rolls-Royce Power Systems. Akasol könnte mit BorgWarner im Rücken davon profitieren, dass auch noch weitere Lkw-Hersteller wie MAN oder Scania in Richtung Elektro- und Wasserstoffantriebe denken. 

FINANCE-Köpfe

Carsten Bovenschen, Akasol AG

Im Jahr 1994 schließt Bovenschen sein Studium ab und beginnt seine berufliche Karriere als Assistent der Geschäftsleitung der BBmedica, 1995 wechselt er als Head of Controlling zum Logistikunternehmen Scansped, das heute zu Schenker gehört. Von Mai 2000 bis zum Erwerb der Anteile durch ITT Industries 2004 ist Bovenschen Finance Director bei dem börsennotierten Wassertechnologie-Unternehmen Wedeco, davon 16 Monate als CFO der US-Tochtergesellschaft.

Im April 2004 wechselt er als Bereichsleiter Konzernfinanzen zur Coveright Surfaces Holding, einem Spin-off der niederländischen Akzo Nobel. Von Mai 2007 bis Dezember 2010 ist er Finanzvorstand beim Solar-Maschinenbauer Roth & Rau. Ab Juni 2012 ist er CFO bei Solarwatt – zunächst  als Mitglied des Vorstands, nach dem Rechtsformwechsel im Januar 2013 als Geschäftsführer und Gesellschafter.

Im Januar 2018 tritt Bovenschen von seinem Posten als Finanzvorstand bei Solarwatt zurück. Ein Jahr später wird er CFO bei dem kurz zuvor an die Börse gegangenen Batterieproduzenten Akasol.

zum Profil

Akasol kämpft noch immer mit den Corona-Folgen

Doch auch die Darmstädter litten im ersten Halbjahr schwer unter den Folgen der Corona-Pandemie. Brüchige Lieferketten und Produktionspausen bei den Kunden sorgten für einen scharfen Einbruch und hohe Mittelabflüsse im Working-Capital-Bereich. In einer mehrteiligen FINANCE Serie berichtete CFO Bovenschen, vor welchen Herausforderungen genau Akasol stand und wie das Management damit umging. Doch im Sommer sprang das Geschäft wieder an, so dass nach neun Monaten ein Umsatzplus von 30 Prozent auf gut 40 Millionen Euro zu Buche stand. Trotzdem stieg der operative Verlust (Ebitda) im Vorjahresvergleich von 1,7 auf 5,5 Millionen Euro, wenngleich im dritten Quartal die Rückkehr in die Gewinnzone gelang.

In Darmstadt eröffnete Akasol vor wenigen Monaten eine neue Unternehmenszentrale mit deutlich ausgebauten Produktionslinien. Auch in den USA ging kurz vor dem Jahreswechsel ein neues, kleineres Werk in Produktion. Die Hessen verfügen einen Auftragsbestand in Höhe von fast 2 Milliarden Dollar. In den vergangenen zwölf Monaten kamen allerdings nur noch kleinere Aufträge hinzu.

Der neue Eigentümer BorgWarner ist ein großer Player in der internationalen Zulieferbranche. Er ist einer der weltweit führenden Spezialisten für Antriebstechnik für Verbrennungsmotoren, in zunehmendem Maße aber auch für alternative Antriebe wie Elektromotoren. Der US-Konzern zählte zuletzt 48.000 Mitarbeiter und kommt auf einen Umsatz von 14,5 Milliarden US-Dollar.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Mehr über den Akasol-CFO erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Carsten Bovenschen