Jmiks/iStock/ThinkStock/Getty Images

07.07.16
Deals

Brexit bringt Bewegung in Private-Equity-Deals

Der Brexit kennt nur wenige Gewinner. Doch dem Markt für M&A-Deals könnte er neues Leben einhauchen – vor allem, wenn Private Equity auf der Verkäuferseite steht.

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union steht aller Wahrscheinlichkeit nach bevor – auch wenn noch nicht klar ist, wann und wie. Dieser radikale politische Wandel sorgt vor allem bei Banken, aber auch bei multinationalen Konzernen für Schrecken.

Investmentbankern, M&A-Beratern und Rechtsanwälten dagegen könnte der Brexit Neugeschäft bescheren. Die Logik: Vor dem Referendum und auch jetzt noch kam und kommt es zu vielen Deals in Großbritannien und Europa nicht, weil die potentiellen Käufer das Brexit-Risiko in ihre Bewertungsmodelle einpreisen, die Verkäufer aber nicht. 

Anwalt Compagnoni: Währungseffekte heizen M&A-Markt an

Wenn der Brexit einmal beschlossen ist, sind die Verkäufer dagegen gezwungen, einen Abschlag einzuberechnen. Das gilt vor allem für Private-Equity-Investoren, schließlich haben die den Druck, ihre Unternehmen nach spätestens fünf bis sieben Jahren wieder loszuwerden.

„Wer Verkaufsdruck hat, muss nach dem Brexit seine Preiserwartungen senken“, sagte Marco Compagnoni kürzlich am Rande einer Handelsblatt-Veranstaltung. Er leitet aus London das weltweite Private-Equity-Geschäft für die Wirtschaftskanzlei Weil, Gotshal & Manges.

Dazu, dass die Firmen billiger werden, kommen für viele Transaktionspartner noch Währungseffekte: „Käufer aus den USA und China profitieren davon, dass das Pfund und der Euro gesunken sind“, sagt Compagnoni. Sein Fazit: „Ich glaube, dass der Brexit eine Gelegenheit ist. Käufer und Verkäufer kommen dadurch wieder auf ein Niveau.“

M&A-Berater Nicolas Gutbrod: Brexit drückt die Preise

Nicolas Gutbrod sieht das ähnlich. Allerdings betont der Co-Leiter des M&A-Geschäfts bei der Unternehmensberatung Helbling Business Advisors, dass der M&A-Markt nicht sofort von Schockstarre in ein Dealfieber umschwenken wird: „Solange die Austrittsbedingungen nicht fixiert sind, warten die Teilnehmer am M&A-Markt ab“, erwartet der M&A-Berater. „Sobald die Bedingungen feststehen, könnte das dann aber auch in Deutschland die Bewertungen beeinflussen – etwa bei Industrieunternehmen, die stark nach Großbritannien exportieren.“

Auch der Private-Equity-Anwalt Holger Scheer schätzt, dass der Austritt Großbritanniens Auswirkungen auf das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen haben wird. „Für den deutschen M&A-Markt könnte der Brexit belebend wirken, sobald dessen Auswirkungen im Wesentlichen absehbar sind", sagt der Partner der Wirtschaftskanzlei Norton Rose Fulbright, wo Scheer das europaweite Private-Equity-Geschäft leitet. „Ich könnte mir vorstellen, dass Besitzer von familiengeführten Unternehmen, die mit Großbritannien in Geschäftsbeziehungen stehen, nach dem Brexit einen Verkauf vermehrt in Betracht ziehen.“

florian.bamberg(at)finance-magazin.de

Lesen Sie alles über die Branche auf der Themenseite Private Equity. Mehr über die Folgen des britischen Votums für einen Austritt aus der EU lesen Sie auf unserer Themenseite zum Brexit.