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Burda Digital will Holidaycheck von der Börse nehmen

Burda Digital will HolidayCheck von der Börse nehmen. Foto: NDABCREATIVITY - adobe.stock.com

Die Tage des Online-Reiseportals Holidaycheck an der Börse sind gezählt. Das ist jedenfalls der Plan des Hauptaktionärs Burda Digital. Wie Holidaycheck mitteilte, hat das Unternehmen eine entsprechende Delisting-Vereinbarung mit Burda Digital getroffen.

Demnach will Burda Digital den Aktionären einen Kaufpreis von 2,70 Euro pro Aktie bieten. Allerdings steht die Aktie derzeit minimal höher – möglicherweise spekuliert der ein oder andere Aktionär noch auf einen Nachschlag. Burda rechtfertigt den Preis damit, dass dieser über dem Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate liege. Damit bietet der Medienkonzern mehr, als er gesetzlich müsste. Zudem notierte die Aktie Anfang September noch bei kaum mehr als 2 Euro.

Das Übernahmeangebot von Burda Digital, einem Tochterunternehmen des Medienkonzerns Hubert Burda Media, steht auch unter keinerlei Bedingungen wie etwa einer Mindestannahmeschwelle. Burda hält bereits etwa 73 Prozent an Holidaycheck.

Holidaycheck litt unter Corona

Der Zeitpunkt des Burda-Vorstoßes ist aus mehreren Gründen interessant. Zum einen hat sich die Reisebranche etwas stabilisiert, und es besteht Hoffnung, dass die nächste Reisesaison weniger von der Coronapandemie belastet sein wird als die aktuelle und die des Vorjahres.

Wie vielen anderen Reiseveranstaltern brachte Corona auch Holidaycheck massive Umsatzeinbrüche und schwere Verluste. So musste CFO Markus Scheuermann für das Geschäftsjahr 2020 einen Jahresfehlbetrag in Höhe von 38,8 Millionen Euro und einen negativen Cashflow von 25 Millionen Euro bilanzieren. Insgesamt brach der Umsatz um knapp 90 Prozent auf 14,5 Millionen Euro ein. Scheuermann kam 2017 von Burda Forward, einer anderen Tochter des Medienkonzerns, zu HolidayCheck und sollte ursprünglich das Wachstum des Online-Reisebüros begleiten.

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Markus Scheuermann, Holidaycheck Group AG

Markus Scheuermann

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Holidaycheck Group AG

Damit aus der Geschäfts- keine Finanzierungskrise wird, hat Markus Scheuermann im Februar eine große Kapitalerhöhung mit einem Barmittelzufluss in Höhe von 48 Millionen Euro umgesetzt. Es wurden über 28 Millionen neue Aktien zu einem Bezugspreis von 1,65 Euro ausgegeben. Dadurch stieg die Cash-Position gegenüber dem Jahreswechsel von 34 auf 62 Millionen Euro – vermutlich genug, um selbst bei einem weiteren Anhalten der Reiseflaute überleben zu können. Zudem kann Holidaycheck nun auch Hilfskredite tilgen, die das Unternehmen kurz nach Verhängung des ersten Lockdowns erhalten hatte.

Kapitalerhöhung erhöhte Burdas Anteil an Holidaycheck

Dass die Kapitalerhöhung zu 100 Prozent platziert werden konnte, lag an Burda Digital. Der Hauptaktionär trat als Underwriter auf und garantierte die Übernahme aller neu ausgegebenen Aktien, die die übrigen Aktionäre nicht zeichnen wollten. Vor der Transaktion besaß Burda 65,8 Prozent an Holidaycheck, danach über 70 Prozent – aus heutiger Sicht ein entscheidender Schritt in Richtung Komplettübernahme. Begleitet wurde die Kapitalerhöhung von der Commerzbank.

Inzwischen hat sich auch die Geschäftslage zumindest stabilisiert: Der negative Cashflow verringerte sich in den ersten sechs Monaten 2021 von 15,5 auf 7,2 Millionen Euro. Im Juni wirtschaftete Holidaycheck nach eigener Aussage sogar schon wieder profitabel. Für die ersten sechs Monate steht aber ein operativer Verlust (Ebitda) von 8,2 Millionen Euro zu Buche. Eine Prognose für das Gesamtjahr gibt das Management wegen der ungewissen Coronasituation nicht ab.

Mit Holidaycheck vergrößert Burda sein Portfolio an bekannten Internetunternehmen. So gehört dem Medienkonzern zum Beispiel auch das Karrierenetzwerk Xing, außerdem der E-Commerce-Händler Cyberport sowie das Arbeitgeber-Bewertungsportal Kununu.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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