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03.12.19
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Das sind die Multiples-Trends des Jahres 2019

Das Auf und Ab des deutschen Aktienmarktes zeigt, wie stürmisch das Wirtschaftsjahr in Deutschland war. Die M&A-Multiples haben sich dagegen wesentlich stabiler gezeigt, aber mit einigen Ausnahmen – zum Teil unerwarteten.

Die deutsche Wirtschaft hat mit zunehmenden Problemen zu kämpfen, Konjunkturdaten, Frühindikatoren und die Zins- und Kapitalmärkte haben sich über weite Teile des Jahres volatil präsentiert. Die Multiples zur Unternehmensbewertung hingegen haben sich von dieser Situation ein stückweit abgekoppelt. Für die meisten Branchen zeigen sie sich relativ stabil und weisen nur geringe Schwankungen auf, dennoch zeigen auch die FINANCE-Multiples einige interessante Tendenzen.

Telekom und Software im Aufwind

Auffallend sind die Multiples-Trends beispielsweise bei den kleineren und mittelständischen Unternehmen aus der Telekombranche: Hier erreichen die Ebit-Multiples bei Small-Caps in den aktuellen FINANCE-Multiples (4. Quartal) mit 7,4 bis 9,4 den höchsten Stand des Jahres. Auch im Mid-Cap-Bereich sind die Ebit-Multiples gegenüber dem Jahresbeginn leicht von 8,3 bis 10,0 auf 8,5 bis 10,2 angestiegen.

In der Software-Branche steigen vor allem die Bewertungen der Large-Cap-Unternehmen: Zum Jahresende liegen die Werte der Ebit-Multiples mit 10,1 bis 12,4 höher als noch zum Jahresanfang, als 9,9 bis 12,1 zu Buche standen.

Verschlechterung im Maschinenbau und E-Commerce

Im Maschinenbau verschlechtern sich mit der Auftragslage auch die M&A-Multiples: Das FINANCE-Multiples-Expertenpanel bewertet Maschinenbauer aller Größenarten niedriger als noch zum Jahresanfang: Im Small-Cap-Bereich sinken die Ebit-Multiples um 0,2 Punkte auf 6,6 bis 8, im Mid-Cap-Bereich von 7,5 bis 9,3 auf 7,4 bis 8,9. Am stärksten macht sich der Negativtrend bei Large-Caps bemerkbar: Hier sanken die Ebit-Multiples zum Jahresende auf 8,2 bis 10,3 von ehemals 8,7 bis 10,7.

Auch die Unternehmen der Handels- und E-Commerce-Branche werden in allen drei Bereichen von den Experten niedriger bewertet. Am deutlichsten fallen die Veränderungen der Ebit-Multiples im Mid- und Large-Cap-Segment auf: Im Mid-Cap-Bereich liegen sie mit 7,3 bis 9,3 deutlich niedriger als zum Jahresanfang (7,4 bis 9,9), im Large-Cap sinken die Ebit-Multiples auf 8,6 bis 11,1 von ehemals 9,3 bis 11,3. Dies deutet darauf hin, dass sich der Druck auf die Bewertungen vor allem im gehobenen Mittelstand („Upper Mid-Cap/Lower Large-Cap“) zeigt.

Erneuerbaren Energien fehlt der Antrieb

Eines der großen übergeordneten Themen des Jahres war der Klimaschutz. Umso spannender, dass ausgerechnet in der Branche Umwelttechnologie und Erneuerbare Energien die FINANCE-Multiples leicht rückläufig sind, vor allem bei Großunternehmen: Sowohl bei Mid- als auch bei Large-Caps sind die Ebit-Multiples-Spannen um 0,2 gesunken, auf Werte zwischen 7,5 und 10,1.

Welch heterogene Entwicklungen dahinter stehen, zeigt ein Blick in den Windenergiebereich, wo der Markt in Deutschland fast komplett eingebrochen ist und auch in vielen weiteren Ländern Umwälzungen stattfinden. Während die Bewertungen großer Windturbinenhersteller an der Börse stark schwanken, aber unterm Strich nicht voran kommen, haben die Betreiber von Wind- und Solarparks im Jahresverlauf stark an Wert gewonnen. Die Verknappung des Angebots scheint die bestehenden Portfolios wertvoller zu machen.

Alle detaillierten Daten zu insgesamt 16 verschiedenen Branchen finden Sie in den FINANCE-Multiples.

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