Delivery Hero kauft den Konkurrenten Glovo.

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17.09.20
Deals

Delivery Hero setzt Shoppingtour fort

Zukauf, Dax, Zukauf: So in etwa verläuft die Strategie von Delivery Hero. Jetzt hat der Essenslieferdienst in Lateinamerika zugeschlagen. Auf Profite müssen die Aktionäre weiter warten.

Delivery Hero ist weiter auf Shoppingtour: Der Essenslieferdienst kauft erneut zu und übernimmt das lateinamerikanische Geschäft von Glovo, einem auf On-Demand-Lieferungen spezialisierten Start-up. Glovo bietet nach eigenen Angaben seinen Kunden an, dass sie jedes Produkt innerhalb ihrer Stadt und innerhalb kurzer Zeit empfangen und versenden können – nicht nur Essen.

Wie tief die Berliner dafür in die Tasche greifen müssen, steht noch nicht genau fest: Der Kaufpreis ist an eine Earn-out-Komponente gekoppelt und hängt davon ab, wie sich die übernommenen Geschäftsteile weiter entwickeln. Insgesamt kann der Preis bis zu 230 Millionen Euro betragen, wovon 60 Millionen Euro auf die Earn-out-Komponente entfallen. Das Closing erwartet der Dax-Konzern innerhalb der nächsten Wochen.

Delivery Hero kaufte auch Instashop

Delivery Hero kann mit dem Deal seine Präsenz in Lateinamerika deutlich ausbauen. Während der Bestelldienst in Argentinien, Panama und der Dominikanischen Republik seine bereits bestehenden Geschäfte mit der Übernahme des Konkurrenten verstärkt, erschließt er nun auch neue Standorte. Neu sind die Berliner jetzt in Ecuador, Peru, Costa Rica, Honduras und Guatemala vertreten. Glovo werde das Geschäft in diesen fünf Ländern bis März 2021 weiterführen, heißt es.

Niklas Östberg, CEO von Delivery Hero, sieht in Lateinamerika „eine Region mit außergewöhnlichem Wachstumspotenzial für Online-Lieferungen“. Analyst Giles Thorne vom Analysehaus Jefferies lobte die Übernahme. Das Unternehmen treibe die Konsolidierung des Marktes in der Region voran, schrieb er am Mittwochabend. Auch die Aktionäre nahmen die Transaktion positiv auf, der Kurs legte nach Bekanntgabe leicht zu.

Doch der Deal ist nicht der einzige, den CFO Emmanuel Thomassin in den vergangenen Monaten tätigte. So kauften die Berliner erst Ende August die Online-Lebensmittelplattform Instashop und bauten damit ihr Geschäft im Nahen Osten und Nordafrika aus. Der anfängliche Kaufpreis belief sich auf rund 270 Millionen Dollar. Die Verkündung dieses Deals kam erst eine Woche, nachdem Delivery Hero für Wirecard in den Dax einzog. Finanzielle Flexibilität für Zukäufe verschafften sich die Berliner im Sommer mit der Ausgabe einer Wandelanleihe in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Bereits vorher setzte Delivery Hero aber auf einen starken Expansionskurs und schluckte etwa zum Jahreswechsel den koreanischen Konkurrenten Woowa.

FINANCE-Köpfe

Emmanuel Thomassin, Delivery Hero SE

Emmanuel Thomassin ist nach seinem Studium der Betriebswirtschaft in Frankreich und Deutschland ab 2001 für sechs Jahre Finanzleiter der operativen Beteiligungen der Radioholding Regiocast und Mit-Geschäftsführer der zur Regiocast gehörenden Forschungsgruppe Medien sowie der TOP Radiovermarktung.

2007 wird Thomassin zum CFO von MetaDesign, einer Agentur für Markenberatung, -Management und –Design berufen. Dort ist er für den kaufmännischen Bereich, das operative Geschäft, Kundenbeziehungen und Personalentwicklung verantwortlich. 2013 beruft der Berliner Inkubator Team Europe Thomassin zum CFO. Dort leitet er das sechsköpfige Finance & Legal Department und ist daneben für Investor Relations und Portfolio-Management mitverantwortlich.

Seit 2014 ist Emmanuel Thomassin CFO bei Delivery Hero. Der Essenslieferant ging im Sommer 2017 an die Börse. Der IPO hatte ein Volumen von fast 1 Milliarde Euro.

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Delivery Hero schreibt hohe Verluste

Doch die aggressive Wachstumsstrategie hat einen großen Kritikpunkt: Delivery Hero ist auf Konzernebene immer noch nicht profitabel. Der Essenslieferdienst schreibt weiterhin rote Zahlen, obwohl er zu den Profiteuren in der Coronavirus-Pandemie zählt. Im ersten Halbjahr machte der Konzern einen bereinigten Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von rund 320 Millionen Euro bei rund 1,13 Milliarden Euro Umsatz.

Die Aussichten für das laufende Jahr sehen nicht besser aus: Die Berliner wollen einen Umsatz zwischen 2,6 und 2,8 Milliarden Euro erreichen, wobei die Ebitda-Marge voraussichtlich bei minus 14 bis minus 18 Prozent liegen wird. Der Break-Even rückt in diesem Jahr also wieder in weite Ferne.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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