Mega-Merger am deutschen Immobilienmarkt: Die Deutsche Annington will die Gagfah kaufen.

Deutsche Annington

01.12.14
Deals

Deutsche Annington will Gagfah kaufen

Die zwei MDax-Konzerne Deutsche Annington und Gagfah wollen sich zusammenschließen. Die Chancen für den Deal stehen gut. Es entsteht ein Immobiliengigant internationalen Formats.

Deutschland bekommt einen neuen nationalen Champion im Wohnungsmarkt: Die beiden MDax-Unternehmen Deutsche Annington und Gagfah wollen sich zusammenschließen. Zusammen würden die beiden Immobilienriesen einen Bestand von rund 350.000 Wohnungen bewirtschaften und mit einem Portfoliowert von 21 Milliarden Euro zum zweitgrößten börsennotierten Immobilienunternehmen Kontinentaleuropas werden.

Die Deutsche Annington bietet den Gagfah-Aktionären gut 122 Euro in bar sowie fünf neue Annington-Aktien für 14 Gagfah-Aktien. Dies entspricht einem Preis von rund 18 Euro je Gagfah-Aktie und einem Aufschlag von 16 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag, als Gagfah mit rund 15,50 Euro aus dem Handel ging. Die Chancen, dass der Deal durch geht, sind hoch, denn das Angebot ist nur an eine Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent gekoppelt.

Bei dem Übernahmeversuch lässt sich die Deutsche Annington von JP Morgan, Kempen & Co, Puhl, der Kanzlei Sullivan & Cromwell sowie der Kommunikationsagentur CNC beraten.

Die Gagfah wird M&A-seitig von der Bank of America Merrill Lynch und der Deutschen Bank unterstützt. Rechtsberater ist die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, Kommunikationsberater FTI Consulting.

Annington-CFO Kirsten bleibt, auch Gagfah-CFO Klinck wird Vorstand

Chef des fusionierten Unternehmens, das einen neuen Namen erhalten wird, soll der bisherige Annington-Chef Rolf Buch werden. Gagfah-Chef Thomas Zinnöcker lockt das Amt des stellvertretenden CEOs. Beide werden auch gemeinsam den Integrationsausschuss leiten. Ein Platz im geplanten fünfköpfigen Vorstand ist nach dem Merger auch für Gagfah-CFO Gerald Klinck vorgesehen – in welcher Position, gaben die Unternehmen nicht bekannt. Auf FINANCE-Nachfrage hin bestätigte die Deutsche Annington jedoch, dass Stefan Kirsten, der amtierende Finanzchef der Deutschen Annington, CFO bleiben werde.

Kirsten hat für den Megadeal eine Mischfinanzierung aufgesetzt: Zu 51 Prozent soll die Gagfah-Übernahme aus neuen Aktien finanziert werden, die aus dem genehmigten Kapital geschaffen werden sollen. Für den verbleibenden Betrag stellt JP Morgan eine Brückenfinanzierung bereit. Die Cash-Komponente des Übernahmeangebots beläuft sich FINANCE-Berechnungen zufolge auf rund 1,9 Milliarden Euro.

Die Deutsche Annington geht davon aus, dass der Merger das eigene Kreditprofil verbessern wird und „dass dieses auch von Standard & Poor’s als vorteilhaft angesehen wird“. Aktuell wird die Langfrist-Bonität der Deutschen Annington von S&P mit BBB bewertet, der Ausblick ist stabil.

Gagfah und Annington räumen Milliardenfälligkeiten aus dem Weg

Sowohl Annington-CFO Kirsten als auch Gagfah-CFO Klinck haben in den vergangenen zwei Jahren jeweils Milliardensummen refinanziert, die als Immobilienverbriefung strukturiert waren. Doch dank der guten Bedingungen an den Finanzierungsmärkten gelang es beiden CFOs, die Jumbo-Papiere zu deutlich günstigeren Konditionen und mit weniger Klumpenrisiken zu refinanzieren. Dazu gehörten auch mehrere Kapitalerhöhungen und Wandelanleihen.

Den wiedergewonnenen Spielraum nutzten sowohl die Gagfah als auch die Deutsche Annington für eine Rückkehr an den M&A-Markt: Die Deutsche Annington hat in diesem Jahr schon mehrere große Immobilienportfolios erworben. Größter Deal bislang war im Februar der Kauf von über 40.000 Wohnungen zum Preis von 2,4 Milliarden Euro.

Der Gagfah gelangen erst in diesem Herbst die ersten größeren Zukäufe nach mehrjähriger Abstinenz: 5.000 Wohnungen wurden im Ruhrgebiet erworben, rund 1.400 im Rhein-Main-Gebiet. CFO Gerald Klinck hatte zuvor angekündigt, beim großen M&A-Spiel am deutschen Immobilienmarkt künftig wieder mitmischen zu wollen.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de