Dunkle Wolken am M&A-Markt: Die M&A-Verantwortlichen gehen bei Zukäufen vom Gas. Hohe Preise bremsen bei M&A-Deals.

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26.04.19
Deals

Die Stimmung am M&A-Markt trübt sich ein

Nach einem M&A-aktiven Jahr 2018 gehen die Corporate-M&A-Strategen bei Zukäufen vom Gas. Die große Konkurrenz um Targets und hohe Preise lassen sie zögern.

Die Transaktionsfreude der M&A-Verantwortlichen in deutschen Unternehmen hat sich deutlich eingetrübt. Das zeigt die aktuelle Befragung des FINANCE M&A Panels, für das FINANCE zusammen mit der internationalen Wirtschaftskanzlei CMS leitende Mitarbeiter aus den M&A-Abteilungen deutscher Unternehmen sowie Investmentbanker und M&A-Berater anonym zu ihrer Markteinschätzung befragt hat.

Einerseits schätzen die M&A-Chefs, die sich nach wie vor stark als Unternehmenskäufer positionieren, Transaktionen immer noch als Wachstumsmittel. Zu den wichtigsten Dealtreibern zählen sie die Möglichkeit, durch M&A-Deals das Produkt- oder Technologieportfolio zu erweitern, das Wachstum zu beschleunigen oder in neue Märkte zu expandieren. Doch sie sind nicht bereit, für interessante Zielobjekte jeden Preis zu bezahlen.

Hohe Preise bremsen M&A-Deals

Wohl auch, weil sich die mittelfristigen Gewinnperspektiven vieler Unternehmen eintrüben, stören sich die M&A-Verantwortlichen zunehmend daran, dass in vielen Branchen zurzeit überhöhte Preise gezahlt werden. Für diese These vergeben die Befragten einen Zustimmungswert von 8,38 (Wert 10 = vollkommene Zustimmung). Ein Grund für die hohen Preise dürfte der Wettbewerb durch PE-Investoren sein. Viele Finanzinvestoren stehen unter Anlagedruck und waren in den zurückliegenden Monaten bereit, auch hohe Multiples zu zahlen. Vor allem bei konjunkturfesten Branchen zeigt Private Equity derzeit enormen Kaufwillen.

Von dem Preisboom wollen anscheinend auch die Verkäufer profitieren. Sie stellen nach Wahrnehmung der M&A-Chefs derzeit sehr selbstbewusste Forderungen. Der These, dass die Bewertungen von Käufer und Verkäufer zu weit auseinanderliegen, stimmen die Corporates deutlich zu (Wert 7,76). Auch die befragten M&A-Berater sehen häufige Diskrepanzen (Wert 7,09). Käufer und Verkäufer benötigen entsprechend oft länger, um sich aufeinander zuzubewegen. Die Zustimmung zu der Aussage, Verhandlungen seien derzeit außergewöhnlich langwierig, erreicht bei den Corporates mit einem Wert von 6,43 den höchsten Stand seit Auflage des Panels im Februar 2011.

„Ich habe dies schon mehrfach in Zeiten der Trendumkehr beobachtet“, so Thomas Meyding, Corporate Partner bei CMS. „Die Verkäufer – noch verwöhnt und bisweilen auch schlecht beraten – versuchen, utopische Forderungen durchzusetzen, wohingegen die Käufer deutlich risikobewusster sind. Dies schlägt sich dann in einer umfangreichen Due Diligence und langwierigen Verhandlungen nieder. Da wird nicht nur um die Kaufpreisformel gerungen, sondern auch um die Garantien einschließlich Rechtsfolgen.“ Dieser Abschwung habe sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet, sei aber zunächst von einigen wenigen Megadeals überlagert worden.

M&A-Deals nehmen mehr Zeit in Anspruch

Die langwierigen Verhandlungen bescheren den Corporate-M&A-Strategen nicht nur Kopfzerbrechen, sondern auch Arbeit: Rund 60 Prozent von ihnen gehen davon aus, dass die Suche nach passenden Transaktionsgelegenheiten 2019 mehr Zeit in Anspruch nehmen dürfte als noch im Vorjahr.

„Das Ergebnis der Befragung entspricht unserer Wahrnehmung“, bestätigt CMS-Corporate Partner Oliver Wolfgramm. „Der Trend, proprietäre Transaktionen, die in der Identifizierung und Vorbereitung viel Zeit benötigen, kompetitiven Bieterverfahren vorzuziehen, ist ungebremst“, beobachtet Wolfgramm.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Die vollständigen Ergebnisse des FINANCE M&A Panels können Sie hier kostenlos herunterladen. Weitere Panels, Studien und Datenbanken finden Sie unter der Rubrik FINANCE-Research.