2016 wurden viele Unternehmen Opfer von Hedgefonds-Attacken. Welche aktivistischen Investoren haben die meisten Angriffe gemacht?

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03.02.17
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Die Top 10 der aktivistischen Investoren 2016

Grammer, Stada und Wirecard: Gleich mehrere deutsche Konzerne sind ins Visier aktivistischer Aktionäre und Hedgefonds geraten. Einige Investoren treten besonders oft auf den Plan – die Top 10 der einflussreichsten aktivistischen Investoren.

Wenn aktivistische Investoren bei Unternehmen einsteigen, wird es meist ungemütlich. Der aktuellste Fall ist der börsennotierte Autozulieferer Grammer, bei dem gerade die bosnische Investorenfamilie Hastor die Macht ausbaut, um Vorstand und Aufsichtsrat zu stürzen.  

Grammer ist kein Einzelfall. Der Trend, dass am Kapitalmarkt eine immer härter Gangart eingeschlagen wird, ist eindeutig: 2016 wurden weltweit 758 Unternehmen von Aktivisten angegriffen – 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ist das Ergebnis einer Analyse des US-Branchendienstes Activist Insight und der US-Wirtschaftskanzlei Schulte Roth & Zabel, die jährliche Trends im Shareholder Activism untersuchen und ein Top-10-Ranking der einflussreichsten Activists erstellen. Die Platzierung wird anhand mehrerer Kriterien ermittelt, darunter der Anzahl der Zielunternehmen und deren Marktkapitalisierung. 

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Elliott ist Activist Nummer 1

Zum zweiten Mal in Folge liegt demnach der US-Hedgefonds Elliott Management auf Platz 1. Er war 2016 bei 14 Unternehmen weltweit aktiv und ist damit der Investor mit den mit Abstand meisten Targets gewesen. Diese Zielunternehmen hatten eine durchschnittliche Marktkapitalisierung von 26,6 Milliarden US-Dollar.

Der Hedgefonds hatte sich 2016 beispielsweise bei Samsung Electronics eingemischt und auf eine Aufspaltung sowie eine Milliarden-Sonderdividende gedrängt. Im Herbst war der Elliott-Gründer Paul Singer beim 3D-Druckerhersteller SLM Solutions eingestiegen und hatte versucht, den interessierten Käufer GE zu einem höheren Übernahmeangebot zu drängen. Der Deal ist daraufhin geplatzt. Auch beim Verkauf des deutschen Pharmagroßhändlers Celesio an McKesson mischte Elliott mit und handelte am Ende einen höheren Übernahmepreis aus.

Starboard Value und Carl Icahn folgen auf Elliott

Auf dem zweiten Platz des Rankings liegt der US-Hedgefonds Starboard Value, der 2016 insgesamt acht Unternehmen angegriffen hat. Seine Targets hatten eine durchschnittliche Marktkapitalisierung von 9,6 Milliarden Dollar. Der Investor hatte zum Beispiel auf die Fusion zwischen Office Depot und Staples gedrängt, die allerdings schlussendlich durch US-Wettbewerbshüter gestoppt wurde.

Auf dem dritten Platz der einflussreichsten Investoren findet sich Carl Icahn, dessen Hedgefonds sich bei drei Unternehmen einmischte, deren Marktkapitalisierung im Schnitt bei 26,3 Milliarden-US-Dollar lag. Icahn lieferte sich 2016 beispielsweise eine Strategiestreit mit dem Management des US-Versicherers AIG.

Auf den Plätzen 4 und 5 folgen die Investoren Corvex Management (drei Targets mit einer durchschnittlichen Marktkapitalisierung von 33,4 Milliarden Dollar) sowie Gamco Investors (acht Targets mit einer durchschnittlichen Marktkapitalisierung von 2,9 Milliarden Dollar). Corvex hatte unter anderem bei der Fusion von Bayer und Monsanto mitgemischt. Auf den Plätzen 6 bis 10 folgen Mangrove Partners, Allan Gray, Amber Capital, Bulldog Investors und Teleios Capital Partners. 

Wirecard und Ströer waren Opfer von Shortseller-Attacken

Bei der Analyse zeigt sich, dass die Investoren immer mehr Unternehmen außerhalb der USA angreifen: 2016 ist deren Anzahl um knapp 50 auf 302 angestiegen – ein Zuwachs von 20 Prozent. 97 der Zielunternehmen hatten ihren Sitz in Europa. In Deutschland, wo die Anzahl der angegriffenen  Unternehmen 2015 noch auf einem Sechsjahres-Tiefststand von zwei lag, wurden 2016 neun Unternehmen Opfer einer Attacke.

In Deutschland waren 2016 darüber hinaus auch einige Shortseller aktiv, so beispielsweise Muddy Waters bei Ströer und das bis heute anonym gebliebene Research-Haus Zatarra bei Wirecard. Insgesamt fuhren Shortseller 2016 weltweit 220 Kampagnen gegen 193 Unternehmen – beide Werte sind im Vergleich zu 2015 allerdings leicht zurückgegangen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Die Angriffe aktivistischer Investoren auf deutsche Konzerne häufen sich. Was die meist angelsächsischen Hedgefonds damit bezwecken und wie sich die Manager gegen die Angriffe wehren – mit der FINANCE-Themenseite „aktivistische Investoren“ bleiben Sie am Ball.