Friedhelm Loh hält inzwischen mehr als 25 Prozent an dem Stahlhändler Klöckner & Co.

Klöckner & Co SE

09.02.16
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Friedhelm Loh stockt massiv bei Klöckner & Co auf

Der Unternehmer Friedhelm Loh hat seinen Einfluss auf den Stahlhändler Klöckner & Co massiv ausgeweitet. Er hält jetzt mehr als 25 Prozent. Dabei ist er erst vor gut einem halben Jahr eingestiegen.

Seit mehreren Monaten bereits nutzt der Unternehmer und Investor Friedhelm Loh die Kursschwäche des Stahlunternehmens Klöckner & Co, um seine Position auszuweiten. Seine heute bekannt gewordene jüngste Aufstockung hat es in sich, denn sie sichert ihm nun sogar eine Sperrminorität: Loh hält über seine Investmentfirma Swoctem inzwischen 25,2 Prozent der Klöckner-Anteile.

Diesen beträchtlichen Aktienanteil hat Loh sich innerhalb nur weniger Monate gesichert: Erst im Juni 2015 hatte sein Investment die Schwelle von 3 Prozent der Stimmrechte überschritten, zum Monatsende hielt Loh bereits mehr als 5 Prozent. Bereits im Juli stockte Loh dann auf mehr als 10 Prozent der Anteile auf.

Im vergangenen Herbst nutzte Loh dann eine Kursschwäche der Klöckner-Aktien aus: Klöckner & Co konnte seine Prognose für das dritte Quartal nicht einhalten, der Aktienkurs gab in der zweiten Septemberhälfte nach. Loh stockte weiter auf, sein Anteil kletterte Anfang Oktober auf über 15 Prozent.

Bereits seit Dezember hält Loh mehr als 20 Prozent der Klöckner-Anteile. Und spätestens in diesem Moment wurde klar, dass er längst nicht mehr nur finanzielle Ziele mit seinem Investment verfolgt: Loh kündigte an, „eine Einflussnahme auf die Besetzung von Verwaltungs-, Leitungs- und Aufsichtsorganen“ bei Klöckner anzustreben. Dieses Ziel bekräftigte er in der heutigen Stimmrechtsmitteilung.

Friedhelm Loh will Einfluss auf Klöckner & Co ausbauen

Damit wird sich das Management um CEO Gisbert Rühl und CFO Marcus A. Ketter darauf einstellen müssen, dass der neue Großaktionär mitreden möchte. Loh kündigte bereits an, dass weitere Käufe oder Verkäufe von Aktien in den kommenden zwölf Monaten beabsichtigt seien. Im Zuge weiterer Aktienkäufe würde aber schon bald die wichtige Schwelle von 30 Prozent in die Nähe rücken. Überspringt Loh diese Marke, müsste er womöglich allen Aktionären ein Übernahmeangebot vorlegen, was ihn beim aktuellen Kursniveau mehr als 500 Millionen Euro kosten würde.

Ob er aufstockt oder nicht, macht Loh davon abhängig, wie sich Markt und Unternehmen entwickeln und welche Ergebnisse die „geplanten Gespräche mit der Unternehmensleitung“ bringen. Auch personell will Loh nach wie vor präsent sein. Die Kapitalstruktur oder Dividendenpolitik will der Unternehmer zurzeit hingegen nicht verändern. 

Ebitda von Klöckner durch Restrukturierung belastet

Klöckner meldete in den ersten neun Monaten des Jahres 2015 einen Umsatzanstieg um 1,2 Prozent auf 5 Milliarden Euro – allerdings allein dank positiver Währungseffekte und zurückliegender M&A-Akquisitionen. Organisch schrumpft das Unternehmen schon seit längerem – zum einen, weil es zahlreiche Standorte und auch ganze Landesgesellschaften schließt, zum anderen weil die rückläufigen Stahlpreise den Wert des von Klöckner umgeschlagenen Warenbestands reduzieren.

Auch gewinnseitig leidet Klöckner & Co unter den Preisverwerfungen am Stahlmarkt. Die Rohertragsmarge ist in den ersten drei Quartalen 2015 aufgrund rückläufiger Stahlpreise auf 18,9 Prozent gesunken, im Vorjahreszeitraum waren es noch 19,3 Prozent. Das Ebitda war durch Restrukturierungsaufwendungen von 54 Millionen Euro belastet und lag dadurch nach neun Monaten lediglich bei 22 Millionen Euro.

Finanzierungsprobleme hat Klöckner trotzdem nicht – im Gegenteil. Das Geschäftsmodell ist so ausgelegt, dass es in einem schrumpfenden Markt massiv Working Capital freisetzt. Dadurch ging auch schon die Finanzkrise weitgehend spurlos an der Bilanz von Klöckner & Co. vorbei. Erst Mitte Januar zahlte CFO Ketter die letzte noch ausstehende Wandelanleihe vorzeitig zurück und beendete damit bis auf weiteres die Präsenz des MDax-Unternehmens am Bondmarkt. Die externen Ratings bei S&P und Moody’s kündigte Ketter unter Verweis auf die üppigen Kreditlinien von über 1,5 Milliarden Euro, die Klöckner & Co. derzeit nur zu einem Drittel in Anspruch genommen hat.  

Friedhelm Loh will bei Klöckner und bei Kuka weiter aufstocken

Der Aktienkurs von Klöckner notiert zurzeit bei Werten um 7,60 Euro. Seit der Finanzkrise schon dümpelt das Papier bei Kursen rund um 10 Euro, der massive Börsenaufschwung ging an Klöckner & Co komplett vorbei.

Andererseits hat sich die Aktie in den Börsenturbulenzen der vergangenen Wochen stabil gehalten – seit dem Sommer vergangenen Jahres hat sie keine nennenswerten Kursverluste mehr erlitten, während der breite Markt inzwischen 25 bis 30 Prozent unter seinem Höchststand des vergangenen Jahres liegt. Es ist davon auszugehen, dass es vor allem die umfangreichen Aktienkäufe Friedhelm Lohs waren, die das Papier stützten. In Spitzenzeiten war eine Klöckner-Aktie im Sommer 2007 aber auch schon einmal deutlich mehr als 50 Euro wert.

Der Stahlhändler Klöckner & Co, dessen Management mit weiteren Kostensenkungen und selektiven kleineren Zukäufen die Ertragslage wieder aufzubessern versucht, ist nicht die einzige wichtige Beteiligung für Friedhelm Loh. Der Unternehmer zählt mit einem Anteil von 10 Prozent auch zu den wichtigsten Aktionären des Roboterbauers Kuka. Zuletzt hatte der Unternehmer angekündigt, auch seine Beteiligung an Kuka weiter aufstocken zu wollen. Dort aber hat ihn inzwischen die chinesische Midea als zweitgrößten Anteilseigner abgelöst.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de