TV-Produktionscenter von ProSieben: Offenbar verhandelt der TV-Konzern über eine Fusion mit dem Axel Springer-Verlag. Die Aktionäre jubeln.

ProSiebenSat.1

07.07.15
Deals

Fusionsgerüchte: ProSiebenSat.1 vor Merger mit Springer?

Paukenschlag am deutschen M&A-Markt: Angeblich stehen ProSiebenSat.1 und Axel Springer vor einer Fusion. Ein M&A-Deal würde den neu formierten Konzern in den Dax heben. Die Frage aber ist: Was macht das Kartellamt – und was fordert Hauptaktionärin Friede Springer?

Gerüchte über einen M&A-Deal wirbeln die deutsche Medienbranche durcheinander: Verschiedenen Medienberichten zufolge verhandeln die Fernsehkette ProSiebenSat.1 und der Springer-Verlag über einen Merger. Beide bringen jeweils 3 Milliarden Euro Umsatz auf die Waage, beim Börsenwert liegt ProSieben mit rund 10 Milliarden Euro aber weit vor Springer, dessen Marktkapitalisierung knapp unter 5 Milliarden Euro liegt. ProSieben wäre in einem Merger-Szenario also der stärkere Partner.

Der kombinierte Konzern wäre mit einem Börsenwert von 15 Milliarden Euro ein sicherer Kandidat für den Aufstieg in den Dax und käme von Marktwert und Umsatz auf Augenhöhe mit Deutschlands bislang größtem Medienhaus Bertelsmann. Die Gespräche befinden sich dem Vernehmen nach aber noch in einem frühen Stadium. Eine Einigung sei eher eine Frage von Monaten als von Wochen, zitiert Reuters einen nicht genannten Insider. Dennoch reagieren die Investoren mit umfangreichen Aktienkäufen auf die Berichte: Die ProSiebenSat.1-Aktie legt heute Morgen im frühen Handel über 3 Prozent zu, Springer sogar um mehr als 6 Prozent.

Der neue Anlauf zu einem M&A-Deal kommt genau zehn Jahre, nachdem der erste Versuch krachend gescheitert ist. Schon 2005 wollten die beiden Medienhäuser zusammengehen, doch der Deal scheiterte am Veto des Bundeskartellamts und der Medienaufsicht KEK. Im vergangenen Jahr gewann Springer aber einen langen Rechtsstreit gegen die KEK. Das Bundesverwaltungsgericht entschied, dass eine Übernahme von ProSiebenSat.1 aus medienrechtlicher Sicht unbedenklich gewesen wäre. Damals hieß es, Springer könne sich von diesem Richterspruch nichts kaufen. Doch er könnte den Weg geebnet haben für den zweiten Anlauf.

ProSiebenSat.1 und Springer haben massiv Web-Portale zugekauft

Die Merger-Konstellation ist heute aber eine andere als vor zehn Jahren – nicht nur weil ProSieben heute der dominante Fusionspartner wäre und nicht mehr der Springer-Verlag. Beide Unternehmen haben ihre Portfolios deutlich verändert. So hat Springer einen Großteil seiner Regionalzeitungen an den Funke-Verlag verkauft, was den Einfluss des Konzerns auf die öffentliche Meinung reduziert. Die „Bild“-Zeitung hat an Reichweite verloren, Internetmedien von außerhalb der deutschen Verlagsbranche dafür gewonnen.

Zudem sind beide Konzerne massiv im Digitalbereich expandiert. Springer hat diverse Rubrikenportale übernommen und dabei zum Beispiel einen der deutschen Marktführer im Bereich der Immobilieninserate geschaffen. ProSiebenSat.1 hat auch einige Web-Portale, Internetshops und Spieleanbieter gekauft, vor wenigen Wochen erst die Mehrheit an der Preisvergleichsseite Verivox für rund 170 Millionen Euro. Im Gegenzug ist Springer durch die Übernahme von N24 in das TV-Geschäft vorgestoßen. Ursprünglicher Eigentümer von N24 vor einem kurzzeitigen Management Buy-out war ausgerechnet ProSiebenSat.1.

Noch dürften aber einige Hürden für ein Zusammengehen zu überwinden sein. Das Kartellrecht ist nach wie vor ein großes Thema – und wahrscheinlich auch die Aktionärsstruktur. Während ProSiebenSat.1 seit dem Ausstieg der PE-Investoren Permira und KKR keinen großen Aktionär mehr hat, bestimmt bei Springer die Verlegerwitwe Friede Springer mit 57 Prozent das Aktionariat. Sie dürfte darauf drängen, eine Sperrminorität an dem neuen Medienriesen zu erhalten. Zahlt ProSiebenSat.1 einen Aufschlag auf den aktuellen Springer-Kurs, käme sie ziemlich genau auf 25 Prozent. Springer hat inzwischen aber schon ein Statement herausgegeben, das nahelegt, dass Friede Springer derzeit nicht bereit ist, von ihrer Mehrheitsbeteiligung abzurücken.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de