Verkauft sein Geschäft mit Stall- und Milchkühltechnik: Gea

Gea Group

05.11.20
Deals

Gea treibt Portfolio-Bereinigung weiter voran

Gea treibt die Fokussierung aufs Kerngeschäft voran und gibt weitere Verkäufe bekannt. Trotz Corona scheint sich die Lage beim gebeutelten Anlagenbauer etwas zu stabilisieren.

Der von der Coronavirus-Pandemie gebeutelte Maschinen- und Anlagenbauer Gea kommt bei seinem Umbau weiter voran. Wie das MDax-Unternehmen am Mittwoch bekanntgab, hat der Konzern zwei Unternehmen der Division Farm Technologies an die Beteiligungsgesellschaft Mutares veräußert.

Bei den Unternehmen handelt es sich um die französische Japy SAS, einem Produzenten von Milchkühltanks, und den niederländischen Royal De Boer Stalinrichtingen, einem Anbieter von Stalltechnik. Beide Gesellschaften setzen 2019 zusammengerechnet rund 50 Millionen Euro um. Zum Kaufpreis machten beide Parteien keine Angaben. Der Abschluss des M&A-Deals, der noch der Genehmigung der zuständigen Kartellbehörden bedarf, werde für Dezember erwartet. Der Münchener Finanzinvestor Mutares kündigte an, die beiden Gesellschaften in ihren Einheiten bestehen lassen und unter einer neu geschaffenen Zwischenholding anzusiedeln.

Gea-CFO Marcus Ketter als Restrukturierer

Damit treibt Gea die geplante Portfoliobereinigung voran. Bereits im September konnten die Düsseldorfer mit der Nord Holding einen Käufer für ihre Tochter Gea Bock präsentieren. Der Kompressorenhersteller gehörte bislang zum Bereich Kältetechnik. Der Umsatz des 340-Mann-Unternehmens lag im Geschäftsjahr 2019 bei knapp 90 Millionen Euro.

Die Verkäufe sind Teil der im Vorjahr eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen. So will der Industriekonzern bis Ende 2020 etwa 800 Vollzeitkräfte abgebaut haben. Zudem arbeitet das Unternehmen unter CFO Marcus Ketter daran, die Einkaufsprozesse und das Produktionsnetzwerk zu optimieren, sowie die ERP-Systeme konzernweit zu vereinheitlichen. Ketter ist seit etwas mehr als eineinhalb Jahren im Amt, nachdem der langjährige Finanzchef Helmut Schmale seinen Posten räumte. Zuvor hatte das Unternehmen seine Investoren immer wieder mit stagnierenden Umsätzen, operativen Problemen und wiederholten Gewinnwarnungen enttäuscht.

Marcus Ketter bei FINANCE-TV

Der 52-jährige Ketter hat Erfahrung mit Strukturprogrammen. Bereits bei seinem alten Arbeitgeber, dem Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co, setzte er mehrere Effizienzprogramme auf und trieb die Digitalisierung des Geschäftsmodells mit voran.

Gea hebt Gewinnprognose leicht an

FINANCE-Köpfe

Marcus A. Ketter, GEA Group

1993 beginnt Ketter als Controller beim Essener Energieerzeuger Steag. Zwei Jahre später leitet er das Vorstandsbüro des Unternehmens. Im Januar 1998 beginnt er sein MBA-Studium an der Columbia Business School in New York. Nach seinem Abschluss im Mai 1999 geht er als Vice President Finanzen und Controlling zur Steag RTP Systems im Silicon Valley. Ketter wird nach der Übernahme von Steag RTP durch die an der Nasdaq notierte Mattson Technology deren Vice President Treasurer.

Im Januar2003 wechselt Ketter zu ThyssenKrupp und hat dort verschiedene Führungspositionen inne: Unter anderem als Senior Vice President Controlling, M&A und IT der ThyssenKrupp Services und zuletzt als kaufmännischer Geschäftsführer von ThyssenKrupp Elevator (CENE). Von Juli 2011 bis Ende 2012 ist Ketter Finanzvorstand und Arbeitsdirektor des im SDax notierten Anlagenbauers Schuler in Göppingen, der dann von der Andritz AG aus Graz übernommen wird. Zum Januar 2013 wechselt Ketter als Finanzvorstand zu dem im SDax notierten Duisburger Stahl- und Metallhändler Klöckner & Co.

Im Februar 2019 wird bekannt, dass Ketter das Unternehmen verlässt, um ab Mitte Mai den CFO-Posten bei dem Maschinenbauer Gea zu übernehmen. 

zum Profil

Wie wichtig die eingeleiteten Maßnahmen sind, zeigten die am heutigen Donnerstag vorgelegten Zahlen für das dritte Quartal. Aufgrund der Covid-19-Pandemie gingen die Auftragseingänge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 16 Prozent zurück, während die Umsatzerlöse um 7,2 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro einbrachen. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sackte aufgrund von Restrukturierungsaufwendungen um ein Viertel auf 149 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal ab. Schaut man sich hingegen das um den Restrukturierungsaufwand bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) an, konnten die Düsseldorfer sogar ein leichtes Plus von 1,6 Prozent auf 145 Millionen Euro ausweisen.

Für das Gesamtjahr gibt sich das Management der Gea Group etwas zuversichtlicher: Während der Umsatz weiterhin leicht rückläufig erwartet wird, rechnet man für das Ebitda nun mit einem Anstieg auf mehr als 500 Millionen Euro. Zuvor lag die Prognose mindestens am oberen Ende der Spanne von 430 bis 480 Millionen Euro.

An der Börse konnte der Ausblick trotzdem nicht überzeugen: Die Aktie verlor am Mittwochmorgen knapp vier Prozent auf 29,11 Euro. Der Aktienkurs hat mit der Pandemie eine regelrechte Achterbahnfahrt erlebt. Sackten die Papiere zu Beginn bis auf 14,50 Euro ab, sind sie jetzt wieder das Doppelte wert. Allerdings ist dies noch meilenweit von den Höchstständen entfernt: Vor vier Jahren war das Papier knapp 50 Euro wert.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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