Steht LPKF bald mit neuem Ankeraktionär da? Der Investor Bantleon prüft nach eigenem Bekunden verschiedene Optionen für seinen Anteil.

LPKF Laser & Electronics AG

27.05.20
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Großinvestor Bantleon prüft Ausstieg bei LPKF

Ankeraktionär Bantleon sucht nach dem Turnaround den Ausstieg bei LPKF. Denkbar ist ein Anteilsverkauf über die Börse. Das Manöver könnte aber auch in eine Übernahme münden.

Beim Laserspezialisten LPKF bahnt sich eine Veränderung in der Eigentümerstruktur an. Der Investor Bantleon, der sich selbst als Asset Manager einordnet, prüft nach eigener Aussage „verschiedene Optionen“ für seine Beteiligung an LPKF. Bantleon kommt insgesamt auf einen Anteil von 28,6 Prozent an dem Laser- und Elektronikspezialisten. Davon entfallen 18,2 Prozent auf die Beteiligungsgesellschaft German Technology und 10,4 Prozent auf Jörg Bantleon, den Gründer und Eigentümer der Bantleon Bank Gruppe.

Im vergangenen Jahr hatte das noch anders geklungen: „Bantleon als langfristiger Partner von LPKF“ – so ist ein Beitrag von Ende März 2019 im Medienspiegel auf Bantleons Homepage überschrieben. Gut ein Jahr später scheint nun ein Ende der Langfristigkeit absehbar.

Bantleon kann bei LPKF Kursgewinne mitnehmen

Der Zeitpunkt für den Exit scheint günstig: Nach einem Kurseinbruch auf dem Höhepunkt der Coronavirus-Krise Mitte März war der Aktienkurs von LPKF Laser zuletzt wieder deutlich gestiegen und notierte zu Wochenbeginn bei mehr als 24 Euro, bevor die Nachricht vom möglichen Ausstieg Bantleons die Aktie allerdings am Mittwochvormittag auf Talfahrt schickte und der Kurs auf 22 Euro sackte. 

Deutlich erholt: der LPKF-Aktienkurs

Bantleon ist seit Juni 2016 an LPKF beteiligt und kündigte im Februar 2017 an, auch Einfluss auf die Besetzung von Schlüsselpositionen nehmen zu wollen. Im Juni 2016 war eine LPKF-Aktie noch für rund 6 Euro zu haben. In der Folge verordnete Bantleon dem Laserspezialisten eine Restrukturierung, setzte die Finanzierungs- und Bilanzstruktur neu auf und verkleinerte den Vorstand. Im August 2018 zeichnete Bantleon eine Kapitalerhöhung, deren Umfang jedoch nicht bekannt ist.

Trotz aller Bemühungen hatte Bantleon noch im März 2019 mit seinem Investment keine große Rendite erzielt – der Kurs dümpelte nach wie vor bei Werten um die 8 Euro. Doch in der zweiten Jahreshälfte trug der Turnaround Früchte und es ging es für LPKF steil nach oben: Zwischen Ende Juli und Anfang Februar hat sich der Kurs mehr als verdreifacht und notierte in der Spitze über 24 Euro. 

Teilausstieg über die Börse möglich

Bantleon sieht die im SDax notierte LPKF, die es derzeit auf eine Marktkapitalisierung von rund 550 Millionen Euro bringt, nun wieder „auf Zukunftskurs“, wie es in einer Mitteilung heißt. „Wir sehen uns aber nicht als langfristiger Begleiter für Industrieunternehmen. Deshalb haben wir uns entschieden, uns von LPKF und damit von unserer letzten industriellen Beteiligung zu trennen“, sagte Jörg Schubert, Vorstand der Beteiligungsgesellschaft German Technology. Bantleon wolle sich künftig wieder ausschließlich auf den Kernbereich des institutionellen Asset Managements konzentrieren.

Bei einem Ausstieg über die Börse würden zunächst lediglich die 18,2 Prozent Anteile der German Technology platziert. Jörg Bantleon will seine privat gehaltenen Aktien dann für mindestens sechs Monate noch weiter halten. 

Bantleon prüft M&A-Optionen

Ein Verkauf der LPKF-Anteile über die Börse ist aber nur eine Option. Parallel verfolgt der Asset Manager auch einen M&A-Ansatz: Ein namentlich nicht genannter strategischer amerikanischer Investor aus „einem benachbarten Technologiesegment“ verhandele über eine Übernahme des gesamten 28,6-prozentigen Anteils. Die Gespräche befinden sich Schubert zufolge „in einem finalen Stadium“.

LPKF reagierte auf die Pläne des Großaktionärs zunächst wenig euphorisch: Man habe „eine Meldung der Bantleon-Gruppe zur Kenntnis genommen, dass die Bantleon-Gruppe verschiedene Optionen für ihren Anteil am Grundkapital der LPKF prüfe“, heißt es lediglich aus dem Unternehmen.

Darüber hinaus spricht LPKF noch eine weitere Option an: Nach Kenntnis der Gesellschaft würden „im Rahmen eines strukturierten Verkaufsprozesses Gespräche mit mehreren Kaufinteressenten geführt, sowohl mit strategischen als auch Finanzinvestoren“, heißt es bei dem Laserspezialisten.

LPKF will trotz Corona an Prognose festhalten

Der Laser- und Elektronikkonzern LPKF hatte nach dem Turnaround der zurückliegenden Jahre für das Geschäftsjahr 2019 einen Rekordumsatz von 140 Millionen Euro vermeldet, ein Umsatzwachstum von 17 Prozent. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg um 182 Prozent auf 19,2 Millionen Euro, die Ebit-Marge erreichte 13,7 Prozent (Vorjahr: 5,7 Prozent). Das Unternehmen erzielte in allen vier Segmenten einen Gewinn und wurde zur Jahresmitte 2019 schuldenfrei. Im zweiten Halbjahr hat LPKF „eine stattliche Netto-Cash-Reserve aufgebaut“, verkündete es im Jahresbericht stolz.

Diese Reserven dürfte das Unternehmen in der Coronakrise nun brauchen: Das erste Quartal war schwach, der Umsatz lag mit 19,5 Millionen Euro rund 46 Prozent unter dem Vorjahreswert von 36,4 Millionen Euro. Das Ebit lag mit 2,4 Millionen Euro im Minus. Das schwache Quartal sei allerdings der Verteilung von Großaufträgen geschuldet, die Pandemie habe nur geringe Auswirkungen gehabt, betonte LPKF.

„Während LPKF derzeit punktuell Verschiebungen bei Aufträgen sowie bei Projekten erlebt, hat es bis dato keine Auftragsstornierungen gegeben“, teilte der Laserspezialist Anfang Mai bei Vorlage der Quartalszahlen mit. Die Prognosefähigkeit für das laufende Geschäftsjahr sei aber nach wie vor stark eingeschränkt. Für das zweite  Quartal erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 28 und 33 Millionen Euro sowie ein positives Ergebnis von 1 bis 4 Millionen Euro. An seiner Mittelfristprognose hält LPKF derzeit fest.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Update 28. Mai, 9.00 Uhr

In der Nacht zum Donnerstag haben German Technology und Jörg Bantleon ihre LPKF-Anteile über den Kapitalmarkt an institutionelle Investoren verkauft. In einer Meldung vom Vortag hatte es noch geheißen, Jörg Bantleon wolle seine Aktien im Falle eines Ausstiegs über den Kapitalmarkt noch für mindestens sechs weitere Monate halten. Entgegen dieser Ankündigung wurden nun doch bereits die gesamten 28,6 Prozent Anteile verkauft. Der LPKF-Vorstand hat die Aktienplatzierung einer Mitteilung zufolge „aktiv unterstützt“.