Hapag-Lloyd-Containerschiff "Kiel Express": Großaktionär Klaus-Michael Kühne schießt quer in den Fusionsverhandlungen mit Hamburg Süd.

Hapag-Lloyd

08.03.13
Deals

Hapag-Lloyd/Hamburg Süd: Kühne schießt quer

Die Fusionsgespräche zwischen Hapag-Lloyd und Hamburg Süd sind in schwere See geraten. Hapag-Lloyd-Großaktionär Klaus-Michael Kühne will auf jeden Fall eine Sperrminorität behalten und forciert einen Börsengang – gegen den Widerstand des Hamburg-Süd-Eigentümers Oetker. Damit bringt er den M&A-Deal an den Rand des Scheiterns.

Mit der öffentlichen Drohung, den geplanten M&A-Deal scheitern zu lassen, torpediert der Milliardär und Hapag-Lloyd-Miteigentümer Klaus-Michael Kühne die Fusionsverhandlungen zwischen den Containerreedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd. „Hapag-Lloyd wird an die Börse gehen“, stellte Kühne heute früh in einem Interview mit der "Welt" klar. Dem Mitgesellschafter TUI, der für seinen 22-Prozent-Anteil an Hapag-Lloyd eine Put-Option hält, dürfte das gelegen kommen – ganz im Gegensatz zur Oetker-Gruppe, der Hamburg Süd gehört. Das Familienunternehmen hat kein Interesse daran, am Ende des Fusionsprozesses mit der Minderheitsbeteiligung an einem börsennotierten Konzern dazustehen, ist aus Verhandlungskreisen zu hören.

Kühne oder Oetker – einer müsste Cash nachschießen

Kühnes Beharren auf einem Börsengang ist eine schwere Hypothek für die M&A-Verhandlungen – nicht nur wegen der Vorbehalte der Oetkers, sondern auch, weil bei einem Börsengang die extrem unterschiedlichen Interessen der beteiligten Parteien kaum mehr unter einen Hut zu bringen wären. Neben Kühne (28 Prozent) und TUI (22 Prozent) sind auch noch die Stadt Hamburg (37 Prozent) und diverse Banken und Versicherungen (13 Prozent) an Hapag-Lloyd beteiligt.

Das Problem: Kühne kündigte jetzt öffentlich an, dass er auch nach einer Fusion mit Hamburg Süd eine Sperrminorität von mindestens 25 Prozent behalten will. Die Oetkers sollten dann mit etwa 40 Prozent am gemeinsamen Unternehmen beteiligt sein: So stellt sich Kühne die Eckpfeiler der künftigen Aktionärsstruktur vor – ein Anteil, der aus Sicht der Familie Oetker zu klein sein dürfte.

Nach Einschätzung von Marktexperten, die die Stärken und Schwächen der beiden Fusionspartner kennen, könnten die Hapag-Lloyd-Eigentümer nach der Fusion rund zwei Drittel an der neuen Großreederei halten. Oetker käme bei diesem Bewertungsverhältnis auf einen Anteil von 33 Prozent an Hapag-Lloyd/Hamburg Süd, Kühne auf 19 Prozent. Gleichgültig, wie viel Gewicht die beiden Fusionspartner am Ende tatsächlich auf die Waage bringen – entweder die Familie Oetker oder Kühne müssten einen hohen dreistelligen Millionenbetrag nachschießen, um auf ihre angepeilten Mindestbeteiligungen von 50 bzw. 25 Prozent zu kommen. Die Anteile dafür fänden sie bei TUI und den ausstiegswilligen Finanzdienstleistern.

Börsengang hängt an Hamburgs Ausstieg

Nach einer Fusion käme auch die Stadt Hamburg noch auf einen Anteil von 20 bis 25 Prozent. Ein Börsengang – selbst wenn TUI und die Banken vollständig ausstiegen – wäre deshalb nur möglich, wenn sich auch die Stadt Hamburg mehr oder weniger komplett aus der Reederei zurückziehen würde. Nur dann könnte zumindest ein Streubesitz von 20 bis 25 Prozent an die Börse gebracht werden. Bei einem geringeren Streubesitzanteil wäre ein IPO nicht mehr sinnvoll. Kühne bringt den M&A-Deal an den Rand des Scheiterns.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de