Endstation für die Hastors: Die Unternehmerfamilie zieht sich bei dem Zulieferer Grammer zurück, der unter anderem Bussitze herstellt. Neuer Mehrheitseigner ist Ningbo Jifeng.

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09.08.18
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Hastor-Drama bei Grammer ist zu Ende

Grammer ist die Investorenfamilie Hastor endlich los. Nun muss sich der Autozulieferer mit dem neuen Mehrheitseigner Jifeng auf das operative Geschäft konzentrieren – Ausreden gibt es keine mehr.

Der seit über einem Jahr schwelende Übernahmekampf um den Autozulieferer Grammer ist zu Ende. Nachdem sie sich lange geziert hat, nimmt die Investorenfamilie Hastor nun doch das Kaufangebot des chinesischen Bieters Ningbo Jifeng an und verkauft ihre Grammer-Beteiligung von rund 20 Prozent. Die Hastor-Investmentgesellschaft Cascade halte nun nur noch eine kleine Stückzahl an Grammer-Aktien, teilte die Unternehmerfamilie mit.

Mit dem Verkauf der Anteile ist Jifeng neuer Mehrheitseigner von Grammer. Die Chinesen waren im Frühjahr 2017 als weißer Ritter eingesprungen, als sich das Grammer-Management gegen eine drohende feindliche Übernahme durch die Hastors zur Wehr gesetzt hatte.

Hastors verdienen mit Grammer 70 Millionen Euro

Ursprünglich hatte Cascade die Offerte der Chinesen als deutlich zu niedrig abgewiesen. Den fairen Wert sahen sie bei mindestens 85 Euro. Trotzdem lenken die Bosnier nun ein: „Selbst wenn der Angebotspreis von 60 Euro aus unserer Sicht nicht das wirkliche Potenzial der Grammer AG widerspiegelt, gebietet es die kaufmännische Vernunft, nicht weiter an unserem Engagement bei Grammer festzuhalten“, teilte Cascade mit. „Als familiengeprägte mittelständische Beteiligungsgesellschaft müssen wir unsere Ressourcen dort einsetzen, wo wir die Möglichkeit zur unternehmerischen Gestaltung haben“, hieß es weiter.

Finanziell dürfte sich das Investment der Hastors gelohnt haben. Als sie 2016 einstiegen, war die Aktie in etwa halb so viel wert wie heute. Medienberichten sollen sie einen Gewinn von 70 Millionen Euro eingestrichen haben.

Ningbo Jifeng übernimmt die Macht bei Grammer

Hauptgrund für den Rückzug der Hastors dürfte der Erfolg des Übernahmeangebots aus China sein. Ningbo Jifeng hatte im Juli das gesenkte Mindestannahmeziel erreicht und sich 38 Prozent der Stimmrechte gesichert. Die Annahmefrist des Übernahmeangebots lief aber noch bis zum 6. August weiter. Zuletzt sollen sich dann schon rund 46 Prozent der Grammer-Aktien im Besitz der Chinesen befunden haben.

Die Hastor-Familie hat in der Automobilbranche einen schlechten Ruf. Die aktivistischen Investoren sind schon mehrfach bei Zulieferern eingestiegen, um anschließend die Absatzpreise massiv zu erhöhen. Einer dieser Konflikte sorgte sogar dafür, dass 2016 beim Großabnehmer VW tagelang die Bänder stillstanden.

Gerade liefern sich die Hastors als Eigentümer des Motorenzulieferers Neue Halberg Guss einen erbitterten Arbeitskampf mit den streikenden Mitarbeitern, die gegen eine Werkschließung protestieren. Diese wurde nötig, weil Großkunden nach dem Einstieg der Hastors und anschließenden Preiserhöhungen ihre Einkaufsmengen reduziert hatten. 

Autobauer mieden Grammer wegen Hastor-Familie

Beim Grammer-Management um CFO Gerard Cordonnier dürfte es für Erleichterung gesorgt haben, den ungeliebten Aktionär jetzt los zu sein. Auch die Analysten von Oddo werten den Ausstieg positiv: Die großen Autobauer hätten Grammer aufgrund des drohenden Einflusses der Hastors in den vergangenen Monaten gemieden. Deshalb könnten nun wieder mehr Großaufträge hereinkommen. Zudem könnten Ausgaben im Bereich Forschung und Entwicklung, die Grammer zuletzt stärker selbst tragen musste, wieder zurück zu den Autobauern wandern.

Oddo erhöht das Kursziel von 58 auf 71 Euro und stuft die Wertpapiere von „Neutral“ auf „Kaufen“ hoch. Die Grammer-Aktie reagierte nach dem Ausstieg der Hastors indes unauffällig und notiert derzeit bei etwas mehr als 59 Euro.

Tatsächlich muss das Management nun beweisen, dass die schwachen Auftragseingänge der vergangenen Quartale tatsächlich auf die Skepsis der Kunden gegenüber der Hastor-Familie zurückzuführen waren. Aktuell profitiert der oberpfälzische Zulieferer noch von langlaufenden Projekten aus der Vergangenheit. Diese sorgten dafür, dass Grammer im ersten Halbjahr seinen Umsatz von 908 auf 928 Millionen Euro ausbauen konnte. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um 20 Prozent auf 42 Millionen Euro zu.

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