Hellofresh will Youfoodz übernehmen.

HelloFresh

13.07.21
Deals

Hellofresh macht den nächsten Cross-Border-Deal

Der Kochboxen-Lieferant Hellofresh übernimmt zum zweiten Mal nach November 2020 einen ausländischen Konkurrenten. Wird M&A nun ein wichtiger Teil der Wachstumsstrategie von Hellofresh?

Hellofresh will den australischen Fertiggericht-Anbieter Youfoodz übernehmen. Wie das Unternehmen aus Berlin mitteilte, hat es mit Youfoodz eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Hellofresh plant, alle Aktien des börsennotierten Unternehmens mit Sitz in Sidney aufzukaufen und Youfoodz zu einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft zu machen. Die Australier produzieren aktuell 400.000 Fertiggerichte pro Woche.

Hellofresh zahlt für Youfoodz 79 Millionen Euro

Youfoodz ist ein im Jahr 2012 gegründetes Unternehmen, das sogenannte „ready-to-eat“-Mahlzeiten anbietet. Anders als bei Hellofresh können die Kunden diese Gerichte direkt erhitzen, während Hellofresh lediglich Zutaten zum Selbstkochen liefert.

Doch während Hellofresh geschäftlich die Markterwartungen seit Jahren übertrifft, massiv wächst und der Aktienkurs nahe Allzeithoch notiert, ist Youfoodz keine uneingeschränkte Erfolgsstory: Im vergangenen Geschäftsjahr sank der Umsatz von 155 auf 127 Millionen Australische Dollar (AUD). Der Vorsteuerverlust lag bei 6,5 Millionen Dollar nach 33,3 Millionen im Jahr davor. Für das laufende Jahr musste Yourfoodz im April die Umsatzerwartungen leicht von 150 auf 146 bis 148 Millionen AUD senken. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll zwar positiv ausfallen, dürfte mit 1 bis 2 Millionen AUD aber nur halb so groß werden wie ursprünglich erhofft. Die Aktien, erst im Dezember an die Börse gekommen, hatte sich schnell halbiert und notierte zuletzt bei 0,50 AUD.

Nun bietet Hellofresh allerdings 0,93 Dollar pro Aktie und damit eine Prämie von über 80 Prozent. Dies entspricht einem Kaufpreis von 125 Millionen Dollar (79 Millionen Euro), aber nur etwa zwei Drittel des IPO-Preises. Die Youfoodz-Führung unterstützt das Gebot. Sofern kein höheres Angebot mehr eingeht, rechnet Hellofresh mit einem Abschluss des Deals im Oktober.

Wie eine Unternehmenssprecherin sagte, sieht Hellofresh hohes Potential im Markt für Fertiggerichte, auch in Down Under. Dort ist Hellofresh schon mit anderen Marken präsent, was Synergien in Marketing, Produktion und Logistik erwarten lässt.

Die Finanzierung stellt kein Problem dar: Per Ende März verfügte Hellofresh über einen Cash-Bestand von 876 Millionen Euro, und 2020 erwirtschafteten die Berliner einen freien Cashflow vor M&A von über 500 Millionen Euro.

Blaupause Factor75?

Der heute verkündete Australien-Deal hat eine Blaupause: Im November vergangenen Jahres übernahm Hellofresh den US-Fertiggericht-Produzenten Factor75. Kaufpreis damals waren 277 Millionen US-Dollar, wovon 100 Millionen US-Dollar allerdings auf eine Earn-out -Klausel entfallen. Laut Unternehmensangaben gehen die mit der Übernahme verbundenen Hoffnungen bislang auf. Hellofresh will das Produktions-Know-how von Factor75 auf weitere Teile des Konzerns übertragen. Dieses Wissen dürfte künftig dann auch in Yourfoodz fließen. 

Theoretisch böte sich Hellofresh noch in vielen weiteren regionalen Märkten die Möglichkeit, über Zukäufe lokaler Anbieter die eigene Produktpalette zu erweitern. Doch dies scheint – anders als zwei Deals in nur acht Monaten suggerieren – nicht Teil des großen Wachstumsplans von Hellofresh zu sein, der mittelfristig ein Wachstum auf 10 Milliarden Euro Umsatz vorsieht. 2020 erreichten die Berliner erst 3,7 Milliarden Euro, aber mit enormen Zuwachsraten von über 100 Prozent im vergangenen Jahr und prognostizierten 35 bis 45 Prozent in diesem Jahr.

Wie eine Unternehmenssprecherin auf FINANCE-Anfrage mitteilte, „verfolgt Hellofresh keine langfristige M&A-Strategie“. Das Unternehmen wolle eher aus eigener Kraft wachsen. Bei passenden Gelegenheiten könnte Hellofresh aber auch in Zukunft selektiv am M&A-Markt zuschlagen. 

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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