Die Holtzbrinck-Gruppe verkauft Parship an Oakley Capital.

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02.04.15
Deals

Holtzbrinck verkauft Parship an PE-Investor Oakley

Ein Pionier der Online-Partnervermittlungen wechselt den Besitzer: Holtzbrinck verkauft Parship an den britischen Finanzinvestor Oakley Capital. Parship steht seit Jahren unter Druck.

Dass die Liaison zwischen Holtzbrinck und Parship keine Sache fürs Leben ist, deutet sich schon seit 2012 an. Damals wollte die Venture-Holding des Medienkonzerns die Online-Partnervermittlung offenbar schon einmal verkaufen – doch kein Investor war bereit, den aufgerufenen Preis zu zahlen.

Jetzt kauft der britische Private-Equity-Investor Oakley Capital die Partnerbörse für eine ungenannte Summe. Holtzbrinck dürfte der Deal einiges in die Kassen spülen, schließlich ist Parship nach wie vor eine Größe in seiner Branche. Nach eigenen Angaben ist das Portal im deutschsprachigen Raum sogar Marktführer, doch die Konkurrenz ist groß und der Wettbewerb um die Kunden, die nach einem erfolgreichen Produkterlebnis fast zwangsläufig wieder verlorengehen, gilt als aggressiv.

Warum verkauft Holtzbrinck Parship?

Die offizielle Erklärung Holtzbrincks für die Trennung von Parship ist, dass man sich „auf die Umfelder unserer Kernbereiche Wissenschaft und Bildung sowie auf Content-Angebote und buchaffine Inhalte konzentrieren“ wolle.

Folgt man dieser Argumentation, liegt die Vermutung nahe, dass Holtzbrinck als nächstes versuchen wird, auch das Online-Portal Myhammer loszuwerden. Das Handwerkerportal ist neben Parship der einzige Online-Marktplatz im Portfolio des Medienhauses, das inzwischen ganz andere Wege geht: Vor wenigen Wochen fusionierte Holtzbrinck sein Geschäft mit wissenschaftlicher Literatur mit dem PE-finanzierten Großverlag Springer Science – ein Milliardendeal.  

Parship war mit Myhammer bei Holtzbrinck Digital angesiedelt, einer Tochter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Den Großteil seines Geldes verdient Holzbrinck mit Wissenschafts- und Bildungspublikationen. Die Digitalsparte trägt nach Angaben des Verlags dagegen gerade 8 Prozent zum Umsatz bei. Im Jahr 2013 hatte das Unternehmen ein Konzernergebnis von 73 Millionen Euro, nach 127 Millionen Euro im Vorjahr.

Augenscheinlich ist der Verlag noch dabei, seine Digital-Strategie zu finden. Das verbindet Holtzbrinck mit Wettbewerbern wie Axel Springer, der sich zuletzt ein weiteres Immobilienportal einverleibte. 

Was hat Oakley mit Parship vor?

Das Geschäft der Online-Datingportale ist inzwischen ähnlich in Bedrängnis geraten wie das Zeitungsgeschäft. Der seriös auftretende Parship, 2001 gegründet, dürfte mittelfristig spürbar unter der aufkommenden Konkurrenz von kostenlosen Dating-Apps wie Lovoo und Tinder leiden, die ein deutlich unverbindlicheres Erlebnis suggerieren als das Partner-Portal.

Der Finanzinvestor Oakley beraten wurde er beim Kauf von Ashurst hat sich noch nicht zu seinen Plänen mit Parship geäußert. Nahe läge eine weitere Expansion ins Ausland. Eine Parship-Sprecherin sagte auf Anfrage von FINANCE, Oakley Capital verfolge ganz klar „eine auf Langfristigkeit ausgelegte Wachstumsstrategie“. Dank Oakley könne das Portal seine „Pläne für weiteres Wachstum verwirklichen und unsere Position im Markt nachhaltig stärken“.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de