Der Münchener Chiphersteller Infineon hat für den Cypress-Deal den Segen der US-Behörde CFIUS erhalten.

Infineon

10.03.20
Deals

Infineon: CFIUS genehmigt Cypress-Deal

Infineon hat eine wichtige Hürde genommen: Die US-Behörde CFIUS gibt die Milliardenübernahme von Cypress frei. Eine Freigabe steht aber noch aus.

Erfolg für Infineon: Die für Auslandsinvestitionen zuständige US-Behörde CFIUS hat die geplante Übernahme des US-Wettbewerbers Cypress Semiconductors genehmigt. Das teilte der Münchener Chiphersteller am heutigen Dienstag mit. Die Übernahme ist damit aber immer noch nicht in trockenen Tüchern, denn die Transaktion muss auch noch von der chinesischen Behörde SAMR (State Administration for Market Regulation) abgesegnet werden.

Da dann noch weitere allgemein übliche Abschlussbedingungen im Rahmen eines M&A-Deals ausstehen, rechnet der Dax-Konzern mit einem Closing des Deals Ende des ersten Quartals oder Anfang des zweiten Quartals. Ursprünglich wollten die Münchener die Transaktion bereits zum Jahreswechsel vollzogen haben.

Infineon musste um Cypress zittern

Mit der Freigabe durch CFIUS könnten die Münchener erst einmal aufatmen. In der vergangenen Woche berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider, der Cypress-Deal würde wohl nicht durch CFIUS genehmigt werden.

Konkret hieß es in dem Bericht, CFIUS würde US-Präsident Donald Trump empfehlen, den Deal zu untersagen. Die Begründung der Behörde laut Bloomberg: Die Übernahme stelle eine Gefahr für die nationale Sicherheit dar, da sowohl Infineon als auch Cypress chinesische Kunden – inklusive des umstrittenen Telekomausrüsters Huawei – haben. Durch den Deal könnten hochentwickelte amerikanische Technologien in chinesische Hände geraten, so der Bericht weiter. Infineon hatte sich dazu nicht öffentlich geäußert.

In Reaktion auf diese Berichte verlor die Infineon-Aktie deutlich und fiel zeitweise bis auf 15 Euro. Die Sorgen um das Coronavirus belasten den Kurs noch zusätzlich. Nach Bekanntgabe der Freigabe durch CFIUS atmen die Aktionäre aber wieder auf: Am Dienstag Vormittag stiegen die Papiere wieder auf über 16 Euro und waren damit ungefähr so viel wert wie vor Veröffentlichung des Bloomberg-Berichts.

Infineon-Aktionäre reagieren erleichtert auf CFIUS-Freigabe

Infineon scheiterte schon einmal an CFIUS

Infineon hatte schon einmal schlechte Erfahrungen mit CFIUS gemacht: 2017 hatte der Ausschuss die Übernahme des Chipherstellers Wolfspeed untersagt, da er den Deal als Risiko für die nationale Sicherheit der USA ansah. Mit einem kolportierten Kaufpreis von 850 Millionen Euro war der geplante Deal damals aber deutlich kleiner als die nun angekündigte Übernahme von Cypress: Mit einer Unternehmensbewertung von 9 Milliarden Euro wäre der Deal der bisher größte in der Unternehmensgeschichte von Infineon.

Wie die Münchener im vergangenen Sommer bekanntgaben, würden sie nach dem M&A-Deal zum achtgrößten Chiphersteller der Welt aufsteigen, und die Nummer eins bei Chips im Automobilmarkt werden. Infineon erhofft sich vor allem Größenvorteile, um das Geschäftsmodell robuster zu machen.

Ein Scheitern der Übernahme wäre auch angesichts der erwarteten Synergien von langfristig 1,5 Milliarden Euro ein heftiger Rückschlag gewesen. Zudem hat Finanzchef Sven Schneider, der erst seit Mai 2019 im Amt ist, bereits über eine Kapitalerhöhung 1,5 Milliarden Euro eingesammelt. Insgesamt soll die Finanzierung zu einem Drittel aus Eigenkapital gedeckt sein. Nun muss sich der CFO noch einmal beweisen, und die Übernahme auch bei den chinesischen Behörden durchbekommen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

FINANCE-Köpfe

Dr. Sven Schneider, Infineon Technologies AG

Nach einer Banklehre und dem Studium der BWL beginnt Sven Schneider 1995 seine Karriere bei dem Industriegasekonzern Linde als Referent im Finanzbereich. Nach Stationen als Abteilungsleiter Bankverkehr Beteiligungen, Finanzberichterstattung und Cash Management wird der gebürtige Berliner im Jahr 2000 Hauptabteilungsleiter Cash Management und Treasury-Controlling. 2005 wird Schneider Leiter des Bereichs Corporate Finance bei Linde. Sechs Jahre später erfolgt dann die Ernennung zum Group Treasurer.

Im September 2016 übernimmt Schneider nach dem Weggang von Linde-CFO Georg Denoke zunächst interimistisch die Verantwortung für den gesamten Finanzbereich der Linde Group. Im März 2017 ernennt der Dax-Konzern Schneider zum Finanzvorstand, im Dezember 2018 übernimmt er zudem auch noch das Amt des Vorstandssprechers. Seit Mai 2019 ist Schneider Finanzchef des Chipherstellers Infineon.

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Mehr über den CFO hinter dem Infineon-Cypress-Deal erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Sven Schneider.