Kabelbetreiber Tele Columbus bezahlt den Kauf von Wettbewerber Primacom auch aus den IPO-Erlösen.

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16.07.15
Deals

Kabel-Konzern Tele Columbus kauft Wettbewerber Primacom

Deutschlands drittgrößter Kabelbetreiber Tele Columbus nutzt das Geld aus dem Börsengang, um mit Primacom die Nummer vier der Branche zu kaufen. Durch den M&A-Deal steigt die Verschuldung von Tele Columbus stark.

Der drittgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber Tele Columbus kauft den Verfolger Primacom. Für den M&A-Deal – für den die Unternehmen nicht auf die Genehmigung der Kartellbehörden warten müssen – legt Tele Columbus satte 711 Millionen Euro auf den Tisch. Auch nach dem Kauf bleibt Tele Columbus hinter Kabel Deutschland und Unitymedia mit deutlichem Abstand die Nummer drei der Branche.

Der Börsengang im Januar hat Tele Columbus 367 Millionen Euro in die Kassen gespült, die der Konzern jetzt für Primacom ausgeben kann. Die restlichen 344 Millionen Euro beschafft sich CFO Frank Posnanski über einen Bankenkredit, bestehend aus einer besicherten und einer nachrangigen Tranche, und eine 125 Millionen Euro schweren Brückenfinanzierung.

Tele Columbus will M&A-Deal mit Kapitalerhöhung finanzieren

Um diese abzulösen, plant Tele Columbus im dritten oder vierten Quartal eine Kapitalerhöhung. Außerdem erwägt der Konzern „weitere Kapitalmarktfinanzierungen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Der M&A-Deal ist für Tele Columbus ambitioniert: Der Kaufpreis für Primacom liegt mit 711 Millionen Euro nur knapp unter der aktuellen Börsenbewertung von Tele Columbus, die 716 Millionen Euro beträgt.

Tele Columbus gilt selbst als Übernahmekandidat

Die Verschuldung von Tele Columbus wird durch die Finanzierungsstruktur stark steigen. Nach Angaben des Unternehmens werde die Schuldenquote auch nach der Rückführung der Brückenfinanzierung durch die Kapitalerhöhung bei etwa dem 5-Fachen des normalisierten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) liegen. Ende März lag sie beim 2,9-Fachen.

Bei einem Umsatz von 345 Millionen Euro erzielte Tele Columbus 2014 ein Ebitda von 99 Millionen Euro. Das Unternehmen gilt selbst als Übernahmekandidat. Im Juni hatte der Vorstandschef des weltgrößten Kabelkonzerns Liberty Global – dem auch Unitymedia gehört – Interesse an dem vor allem in Ostdeutschland aktiven Betreiber angemeldet.

Primacom wurde vom Jäger zum Gejagten

Wie schnell sich die Rollen tauschen können und ein selbsternannter Konsolidierer selbst zum Kaufobjekt wird, weiß das Primacom-Management. Noch Anfang Juni hatte CFO Jens Müller bei FINANCE-TV erklärt, die Eigentümer seien nicht an einem baldigen Verkauf interessiert und wollen im Gegenteil selbst Firmen übernehmen.

Jetzt haben es sich die US-Hedgefonds Tennenbaum, Goldman Sachs, Avenue Capital und Alcentra offenbar anders überlegt. Sie hatten Primacom 2010 nach der Insolvenz übernommen und seitdem Umsatz und Ebitda in die Höhe geschraubt – im Jahr 2014 lagen die Kennzahlen bei 131,6 beziehungsweise 55,2 Millionen Euro.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de