Der Chip-Anlagenbauer Aixtron sollte eigentlich an den chinesischen Investor Fujian verkauft werden. Doch SPD-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel grätschte wie schon beim Roboterbauer Kuka dazwischen – ein Trend, der M&A-Chefs Sorgen macht.

Aixtron

18.11.16
Deals

Kartellbehörden werden für M&A-Chefs zum Dealbreaker

M&A-Chefs sehen immer mehr Transaktionen am Widerspruch von Regulierungsbehörden scheitern. Die Kartellbehörden haben sich zum veritablen Dealbreaker entwickelt, zeigt das aktuelle FINANCE M&A Panel.

Ob beim Roboterbauer Kuka, dem Verkauf von Kaiser’s Tengelmann an Edeka oder der geplanten Übernahme des Chipherstellers Aixtron durch den chinesischen Investor Fujian Grand Chip: in allen Fällen mischten sich zuletzt die Regulierungsbehörden oder sogar SPD-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ein. Das scheint vielen M&A-Verantwortlichen deutscher Unternehmen Sorgen zu bereiten.

Darauf zumindest lassen die Ergebnisse des jüngsten FINANCE M&A Panels schließen, für das diese Redaktion im Oktober gemeinsam mit der Kanzlei CMS Hasche Sigle M&A-Chefs deutscher Unternehmen anonym befragt hat. Zwar scheitern die meisten M&A-Transaktionen weiterhin an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Widersprechende Regulierungsbehörden werden allerdings als zunehmend wichtigerer Faktor empfunden.

Brexit wirkt sich auf M&A-Markt aus

Die Bedeutung des Dealbreakers Regulierungsbehörde wird auf einer Skala von 1 (unwichtig) bis 10 (sehr wichtig) derzeit zwar noch im Mittelfeld angesiedelt, allerdings ist der Wert gegenüber der Juni-Befragung um mehr als 80 Prozent gestiegen. Das liegt vermutlich auch an den aktuellen Beispielen: „Dieses Jahr könnte ein Rekordjahr für ‚Broken Deals‘ im globalen M&A-Markt werden“, glaubt Thomas Meyding, Partner bei CMS. „Immer wieder scheitern Transaktionen an dem Widerstand von Regulierungsbehörden. Dieser sich global schon länger abzeichnende Trend scheint nun auch Deutschland zu erreichen.“

Für eine weitere Belebung am M&A-Markt könnte die Entscheidung der Briten für einen Brexit sorgen. Rund die Hälfte der befragten deutschen M&A-Chefs erwartet, dass es trotz des schwächer werdenden britischen Pfunds bald deutlich mehr britische Käufer geben werde, die sich nach europäischen Targets umsehen. Umgekehrt dürfte das Interesse europäischer Unternehmen an Zielen in Großbritannien deutlich nachlassen. 

Chinesische Investoren etablieren sich am deutschen M&A-Markt

Noch eine weitere Gruppe ausländischer Investoren mischt am M&A-Markt fleißig mit: Chinesische Käufer sind nach Einschätzung der M&A-Chefs in kompetitiven Bieterwettstreiten etabliert. Dass das chinesische Kaufinteresse nur ein Strohfeuer sei, glauben die Corporates überwiegend nicht.

Auch CMS-Partner Oliver Wolfgramm sieht weiterhin großes Interesse von chinesischen Staats- und Privatunternehmen sowie von Finanzinvestoren an deutschen und europäischen Targets. „Abzuwarten ist allerdings, ob es auf europäischer Ebene strengere außenwirtschaftliche Regelungen geben wird, die Unternehmenskäufe chinesischer Investoren, insbesondere staatlicher Unternehmen, erschweren“, meint Wolfgramm. Dies könne aus Verkäufersicht stärkeren Einfluss auf die Planbarkeit beziehungsweise Transaktionssicherheit haben.

Die vollständigen Ergebnisse des FINANCE M&A Panels finden Sie hier zum Download.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Die ausführlichen Ergebnisse der Oktober-Umfrage finden Sie zum nachlesen im aktuellen FINANCE M&A Panel. Noch mehr Panels, Studien und Multiples finden Sie in unserer Rubrik Research.